Eingeständnis

1&1: Berechnung von Anrufen zu Festnetznummer war ein Fehler

Vor einigen Tagen wurde 1&1 vorgeworfen, Telefonate zu Festnetznummern trotz Flatrate zu berechnen. Im konkreten Fall war das ein Fehler, einige Telefonate werden aber tatsächlich extra berechnet.

Fehlberechnung bei 1und1 Fehlberechnung bei 1&1
Logo: 1und1, Montage. teltarif.de
Vor einigen Tagen hatte ein Bericht des Bonner General-Anzeiger für Verwirrung gesorgt. Dort wurde von einer Kundin bei 1&1 berichtet, die einen merkwürdigen Posten auf der Telefonrechnung hatte. Anrufe zur Rufnummer 0228-770 der Stadt­ver­waltung Bonn waren nicht mehr in der Telefon-Flatrate der Kundin enthalten, sondern wurden separat berechnet.

Die Kollegen der Zeitung hatten offenbar versucht, von 1&1 eine Stellungnahme zu dem Problem zu erhalten, doch ohne Erfolg. Bei der Bundesnetzagentur und Verbraucherschützern hatte das Blatt dann erfahren, dass Festnetznummern trotz Flatrate grundsätzlich extra berechnet werden können.

Stadt Bonn warnt vor Kostenfalle

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Unter dem Titel Höhere Kosten durch einzelne Telefonanbieter warnt die Stadt Bonn auf ihrer Webseite mittlerweile vor dem Abrechnungsfehler und schreibt:

Bei Anrufen an die zentrale Rufnummer der Stadtverwaltung Bonn unter Telefon 0228-770 kann es zu höheren Kosten kommen, die durch einzelne Tele­fon­an­bieter verursacht werden. Darauf weist die Stadtverwaltung aufgrund einzelner Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern hin. Die Bundesstadt Bonn bietet die Dienste des Bürgertelefons generell im Vorwahlgebiet 0228 zum Ortstarif an und verlangt kein zusätzliches Serviceentgelt. Einzelne Telefonanbieter berechnen die Anwahl städtischer Nummern allerdings nicht zum Ortstarif, sondern als sogenannte Servicerufnummer zu höheren Telefonkosten. Ob dieses Vorgehen der Telefonanbieter rechtmäßig ist, wird derzeit geprüft. Die Stadt bittet alle Bürgerinnen und Bürgern zu beachten, dass vor dem Gespräch selbst keine Ansage über höhere Serviceentgelte erfolgt, da die Stadtverwaltung Bonn grundsätzlich zum Ortstarif erreichbar ist. Falls der jeweilige Telefonanbieter eine Servicerufnummer extra berechnet, sollten Geschädigte direkt mit ihrem Telefonanbieter Kontakt aufnehmen.

teltarif.de hakt bei 1&1 nach

teltarif.de wollte die Sache allerdings nicht auf sich beruhen lassen und hakte bei 1&1 nach. Denn wenn Telefonate zu echten Festnetzanschlüssen extra berechnet würden, wäre der Begriff der Flatrate endgültig ausgehebelt und dürfte eigentlich nicht mehr verwendet werden. Denn bei der Zentral-Nummer einer Stadtverwaltung handelt es sich eben nicht um einen Konferenzdienst oder einen anderweitigen kostenpflichtigen Telefon-Service. Die 0228-770 der Stadtverwaltung Bonn ist eine reguläre Telefonzentrale im Festnetz, die es auch in Unternehmen gibt, von wo aus der Anrufer zum gewünschten Gesprächspartner in der Telefonanlage weiterverbunden wird. Mit einem Konferenzdienst hat das nichts zu tun.

teltarif.de erhielt auf die Anfrage bei 1&1 folgende Antwort:

Wir haben das Anliegen der General-Anzeiger-Leserin eingehend geprüft. Ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, dass wir die technischen Fragen zwischenzeitlich klären konnten und eine Lösung für das Anliegen gefunden haben. Hier lag ein systemischer Fehler vor, der umgehend von uns korrigiert wurde. Selbstverständlich wurden der Leserin die zu viel berechneten Beträge erstattet. Für die entstandenen Unannehmlichkeiten bitten wir ausdrücklich um Entschuldigung.

Zusatzkosten bleiben bei diversen Diensten bestehen

Trotz der Korrektur dieses hoffentlich einmaligen Abrechnungsfehlers wissen viele Telefonkunden nicht, dass tatsächlich eine große Zahl von Festnetznummern bei einigen Providern und Netzbetreibern nicht in Flatrates enthalten ist und separat berechnet wird. Darüber hatte teltarif.de erstmals vor über fünf Jahren berichtet und zwischenzeitlich in einem Artikel zu Leistungen, die in Flatrates nicht enthalten sind, weitere Beispiele genannt.

1&1 führt nach wie vor Listen von Festnetznummern, die separat berechnet werden. Diese sind auf der Webseite Berechnung von Service- und Konferenzdiensten aufgeführt. Separat abgerechnet werden aber auch Telefonate zu Festnetznummern in den Bereichen Chat, Callthrough, Callback und anderen.

Auch die Telekom führt eine derartige Liste [Link entfernt] - deren etwas spröder Titel heißt: "Kundeninformation über Rufnummern von Online-Diensten und Rufnummern, die zur Übermittlung von Daten genutzt werden". Auf dieser Liste werden nicht nur innerdeutsche, sondern auch im Ausland ansässige Dienste samt Festnetz-Rufnummer genannt.

Das Problem einer derartigen Extra-Berechnung besteht darin, dass das Vorhandensein solcher Listen bei der Bewerbung von Flatrates beziehungsweise bei Vertragsabschluss dem Kunden meist nicht mitgeteilt wird. Manch ein Telefon-Nutzer erfährt davon oft erst, nachdem der Vertrag bereits läuft und/oder erste separat abgerechnete Posten auf der Rechnung erscheinen.

Wie man sich als Kunde bei Rechnungsfehlern am besten verhält, erfahren Sie auf unserer Ratgeberseite zu falschen Rechnungen.

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