Kaum bekannt

Behördennummer 115 feiert ersten Geburtstag

Stand der Dinge und Ergebnisse der teltarif.de-Umfrage
Von Lars Hessling
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Heute vor einem Jahr wurde die einheitliche Behördennummer 115 in Teilen Nordrhein-Westfalens, Hamburg und der Bundeshauptstadt Berlin in Betrieb genommen. Damit war sie zunächst für 10 Millionen Bürger erreichbar. Inzwischen haben sich weitere Regionen wie zuletzt die Städte Frankfurt am Main und Offenbach dem Projekt angeschlossen. Ein Anruf auf der 115 aus einem dieser Orte verbindet hilfesuchende Bürger wochentags zwischen 8 und 18 Uhr mit einem Servicecenter. Die dortigen Mitarbeiter sollen helfen, die richtige öffentliche Einrichtung für eine bestimmte Aufgabe zu finden. Häufig vorkommende Anfragen wollen die Callcenter bereits beim ersten Anruf beantworten.

Nutzerzahlen bleiben trotz mehr Callcentern konstant

Die Ziffern 115 als große AufstellerDie Behördennummer 115 wird ein Jahr alt. Als nächste Teilnehmer sollen die Städte Münster Anfang April und Kassel Anfang Juni dem Projekt beitreten. Der IT-Beauftragten der Bundesregierung, Cornelia Rogall-Grothe [Link entfernt] , zufolge haben zum jetzigen Zeitpunkt rund 13 Millionen Bürger Zugriff auf die 115. Ein Blick in die Statistik verrät, dass nach anfänglichem Hype trotz steigender Zahl der Callcenter die Nutzungszahlen bei ungefähr 150.000 Anrufen pro Monat stagnieren.

teltarif.de-Umfrage: Die Hälfte kennt die 115, aber kaum einer nutzt sie

Eine Umfrage zwischen dem 19. und 24. März 2010 auf teltarif.de hat ergeben, dass das Verhältnis von Kennern und Nicht-Kennern der 115 ungefähr ausgeglichen ist: Von 1449 Teilnehmern kannten 715 die Servicenummer, 734 wussten nichts damit anzufangen. Genutzt wurde die 115 nur von 31 Lesern – also gerade einmal zwei Prozent aller Umfrageteilnehmer. Bei den Ergebnissen der Umfrage ist zu berücksichtigen, dass teltarif.de-Leser sich im Allgemeinen intensiv mit dem Thema Telekommunikation auseinander setzen. Umso schwerer wiegen die Unkenntnis und die geringe Nutzung der 115. Im teltarif.de-Forum kritisieren unsere Leser die intransparenten Kosten, die regional beschränkte Verfügbarkeit und die ungenügende Bekanntmachung der 115.

Anrufe bei der 115 sind nicht von Flatrates abgedeckt

Die Teilnehmer der PressekonferenzPressekonferenz zum Jubiläum: Konrad Kandziora, Vorstand des IT-Dienstleistungszentrums (ITDZ) Berlin, Ulrich Freise, Staatssekretär für Inneres in der Senatsverwaltung Berlin, Cornelia Rogall-Grothe, IT-Beauftragte der Bundesregierung und Dr. Dominik Böllhoff, Projektleiter der D115. Die nicht einheitlichen Kosten sind der Tatsache geschuldet, dass der Gesetzgeber es versäumt hat, einen einheitlichen Minutenpreis für die 115 vorzuschreiben. Das hat sich auch ein Jahr nach dem Start der einheitlichen Behördennummer nicht geändert. Stattdessen erhält lediglich der Betreiber der Netzinfrastruktur, die dtms GmbH, einheitlich 3 Cent pro Minute für die Vermittlung des Gesprächs zum nächsten Callcenter. Alle Kosten darüber hinaus bestimmt der Telekommunikationsanbieter des Anrufers selbst. Die Endpreise für den Nutzer liegen pro Minute zwischen 7 Cent aus dem Festnetz der deutschen Telekom und 17 bis 29 Cent aus den meisten Mobilfunknetzen. Somit können bei einem Anruf auf der 115 schlecht einschätzbare Kosten entstehen. Erfolgt im Anschluss an ein Gespräch mit der 115 eine Weiterleitung zu einer Behörde, berechnen die Provider weiterhin den Minutenpreis der einheitlichen Behördennummer. Die Callcenter erhalten von dem Mehrbetrag keinen Cent, ihre Mitarbeiter werden aus Steuermitteln finanziert. Dem BMI zufolge ist immerhin geplant, die Gesprächskosten Ende 2011 auf den Ortstarif zu senken.

Ergebnisse eines Testanrufs, das Tagespensum eines Callcenter-Mitarbeiters und die Kosten für den Steuerzahler finden Sie auf Seite 2 .

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