Rückblick, Ausblick

Editorial: 10 Jahre mobiles Internet - noch keine komplette Erfolgsgeschichte

Technische Hürden sind überwunden, nun folgen die wirtschaftlichen

Vor zehn Jahren kam mit dem Nokia 7110 erstmals ein Handy mit WAP-Browser auf den Markt. Von der WAP-Technik versprachen sich die Handy-Hersteller und Netzbetreiber zusätzliche Einnahmen. Die Kunden sollten auf diesem Weg vor allem textbasierte Informationen aus dem Internet direkt auf dem Handy-Display bekommen. Doch trotz aller Versprechen der Netzbetreiber und Handy-Hersteller und vieler großer Marketing-Worte dauerte es nahezu ein Jahrzehnt bis der Kunde Gefallen am mobilen Internet gefunden hat. Auch heute ist längst noch nicht alles Gold und es sind noch viele Verbesserungen zu erledigen, um dem Internet unterwegs zum ganz großen Durchbruch zu verhelfen. In diesem Editorial wollen wir für Sie auf zehn Jahre mobiles Internet zurückblicken und aufzeigen, weshalb der Weg bis heute vielerorten so steinig war. Das Nokia 7110
Foto: Nokia

Zu Beginn sah es nicht danach aus, dass sich das neue Feature durchsetzen kann. Nokia hat den Vermarktungsstart des 7110 mit dem für damalige Verhältnisse extragroßen Display mehrfach verschoben. Auch im Herbst 1999 war das erste WAP-Handy nur in sehr kleinen Stückzahlen zu bekommen. Interessenten fuhren seinerzeit sogar extra in die Schweiz. In den dortigen Nokia-Shops war das Gerät nämlich einige Wochen früher als in Deutschland zu bekommen.

Inhalte waren zunächst eher enttäuschend

Hielt man das Nokia 7110 schließlich in den Händen, so war die Enttäuschung über das "mobile Internet" zunächst recht groß: Aufgrund der geringen Stückzahlen an verkauften WAP-Handys hatten die Netzbetreiber noch zu Weihnachten lediglich Demo-Seiten im Angebot, die Ende August zur Internationalen Funkausstellung eingeführt wurden. Erst im Laufe des Jahres 2000 wurden die Inhalte sukzessive auf- und ausgebaut.

So richtig durchsetzen konnte sich die WAP-Nutzung damals nicht. WAP wurde häufiger mit "Wait and Pay" übersetzt, denn jede Online-Minute kostete Geld (die Höhe des Preises war abhängig vom jeweiligen Tarif) und während man in den Portalen der Anbieter surfte, war die Telefonleitung gleichzeitig besetzt. Den paketvermittelten GPRS-Datendienst, der die Abrechnung nach der übertragenen Datenmenge statt der Online-Zeit ermöglichte, gab es noch nicht.

2002 kamen die ersten Handys mit Farb-Display auf den Markt. Dazu zählte seinerzeit das Ericsson T68. Mit einer Ansteckkamera konnte man mit diesem Handy schon Fotos machen und als MMS versenden. GPRS war nun ebenfalls etabliert und die Netzbetreiber richteten in den Folge-Jahren ihre Multimedia-Portale t-zones, Vodafone live! und o2 Active ein. Die mobilen Portale der Netzbetreiber fanden dann auch den Weg in die Medien, doch die Berichterstattung war sicherlich ganz und gar nicht im Sinne der Mobilfunk-Industrie. Deutlich überteuerte Tarife, zweifelshaftes Branding von Handys, das zum Teil skurile Züge annahm, brachten dem mobilen Internet dann das Image ein, dass man als Kunde besser einen ganz weiten Bogen darum machen sollte, will man kein existenzbedrohliches Loch in seinem Geldbeutel erleiden.

o2 startete 2003 mit einer WAP-Flatrate

o2 führte am 15. September eine Flatrate für die WAP-Nutzung ein. Zum Monatspreis von 4,95 Euro - später 5 Euro - konnten die Kunden damit unbegrenzt das mobile Internet nutzen. Dabei konnten dank WAP-2.0-Standard nun auch einfache HTML-Seiten, Fotos und Grafiken angezeigt werden. Die Nutzungszahlen, nicht nur auf dem WAP-Angebot von teltarif.de, stiegen mit diesem Tarif sprunghaft an.

Das o2-Angebot wurde später von anderen Anbietern kopiert, wobei die Mitbewerber ihrer WAP-Flatrates in der Regel auf die eigenen Portale begrenzt hatten. Die o2-WAP-Flatrate gibt es heute nicht mehr. Dafür bietet der Münchner Netzbetreiber Flatrate-Tarife, mit denen sich auch das "offene" Internet am Handy oder Smartphone nutzen lässt.

Wodurch die mobile Internet-Nutzung einen weiteren Schub erhielt, lesen Sie auf Seite 2.

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