14 Jahre Wartezeit

o2 schaltet Vorwahl 0700 für Prepaid-Kunden frei

Als letzter deutscher Mobilfunkanbieter hat der Münchner Netzbetreiber Telefónica o2 am Freitag die Vorwahl 0700 für persönliche Rufnummern auch auf seiner Prepaid-Plattform freigeschaltet.
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o2 schaltet Vorwahl 0700 für Prepaid-Kunden freio2 schaltet Vorwahl 0700 für Prepaid-Kunden frei Als letzter deutscher Mobil­funk­anbieter hat der Münchner Netz­betreiber Telefónica o2 heute die Vorwahl 0700 für persönliche Rufnummern auch auf seiner Prepaid-Plattform freigeschaltet. Nicht nur Kunden des hauseigenen Prepaid-Produktes o2-Loop, sondern auch der Discount-Töchter wie z. B. Fonic, können seit heute Vormittag ca. 11 Uhr alle deutschen Ruf­nummern, deren Vorwahl mit 0700 beginnt, von ihrem Handy aus erreichen.

Die Vorwahl 0700 wurde von der Bundes­netzagentur als persönliche Rufnummer (auf Lebenszeit) definiert, die das telefonische Leben einfacher machen sollte. Eine Nummer, die nach Wunsch des Kunden auf dem Festnetz, im Büro oder im Urlaub auf dem Handy enden kann, wenn gewünscht abhängig von Tageszeit, Wochen- oder Feiertagen.

Doch der Bekanntheitsgrad des 0700-Dienstes ist nach wie vor gering, da kaum jemand weiß, was Anrufe zu dieser Vorwahl wirklich kosten. Auf Nachfrage bei der Bundesnetzagentur gibt es für die Vorwahl 0700 keine preisliche Vorgaben, wie beispielsweise bei der Vorwahl 0180x oder 032 (nicht ortsbezogene Rufnummern). Selbst die Erreichbar­keit aus allen Netzen war bislang nicht gewährleistet.

Jeder Anbieter von Tele­kommu­nika­tions­dienst­leistungen nimmt für Verbindungen zu 0700 seine eigenen Preise, einige schalteten bis vor kurzem gar nicht durch. "Dieser Service ist für Ihren Tarif nicht erreichbar" hörten Prepaid-Kunden des Netz­betreibers Telefónica o2 noch bis heute Vormittag um 10:59 Uhr.

Die Tarife für Sonder­ruf­nummern wie 0700 herauszufinden, gleicht einem Detektivspiel. Noch relativ klar sind die Tarife im Festnetz der Telekom. Hier wird in Einheiten zu etwa 6 Cent gerechnet, zur Hauptzeit (Mo-Fr 8-18 Uhr) dauert der Takt 30 Sekunden, was einen Minutenpreis von 12 Cent ergibt. Zur Nebenzeit dauert die Einheit 60 Sekunden, so ergeben sich 6 Cent pro Minute. Im Mobilfunk reichen die Preisangaben von 49 (Telekom, Takt 60/60) bis etwa 99 Cent/Minute (Prepaid-Angebote der E-Plus-Gruppe im 6/6 Sekundentakt), Vodafone liegt mit ca. 50 Cent dazwischen. Auch o2 nennt in seiner gut versteckten, monatlich aktualisierten Sonder­nummern­preis­liste (gültig bis 31. Juli) aktuell 50 Cent. Test­gespräche mit verschiedenen Prepaid-Karten bestätigten diesen Preis. In einer älteren Version dieser Preisliste waren noch 59 Cent pro Minute genannt worden. Zu diesem Zeitpunkt waren die Nummern aber noch nicht erreichbar.

Freischaltung nach 14 Jahren

Damit findet ein rund 14jähriges Warten auf die Freischaltung ein Ende. Das Prepaid-Produkt Loop hat der Vorgänger von Telefónica o2, die Viag Interkom, bereits im Herbst 2000 gestartet. Damals kostete die Minute noch umgerechnet 86 Cent. Wären Verbindungen zu 0700 schon damals möglich gewesen, hätte man über seinerzeit existierende CallThrough-Angebote diesen Minutenpreis "unterlaufen" können. Ob das der Auslöser für die Sperre gewesen war oder ob das Thema damals schlicht vergessen wurde, ist nicht mehr bekannt.

Im Laufe der Jahre hatte teltarif.de bei o2 mehrfach nachgefragt. Da die damals Verantwortlichen nicht mehr auffindbar waren, hatte die Sperre lange Bestand, um die Stabilität der komplexen Systeme zu gewährleisten. "Wir wissen, dass diese Vorwahl gesperrt ist, aber wissen nicht mehr genau, warum", war eine inoffizielle Auskunft.

Anfragen von Betroffenen bei der Bundes­netzagentur scheinen ihrerseits Nachfragen der Agentur bei o2 ausgelöst zu haben, mit dem Tenor, dass alle von der Bundesnetzagentur vergebenen Rufnummern auch erreichbar sein müssen, wenn der Inhaber der Rufnummer das möchte - dafür hat er sie ja. Dies dürfte bei o2 einen Umdenk­prozess ausgelöst haben, vielleicht auch im Zusammenhang mit der geplanten Fusion mit E-Plus. Erstes verstecktes Anzeichen des Sinneswandels: Die Bekanntgabe eines Preises. Für die Frei­schaltung brauchte es dann eine erneute Nachfrage von Betroffenen Inhabern einer 0700-Rufnummer, und dann ging alles recht schnell.

Klare Preisvorgaben für 0700 notwendig

Derzeit ist die Vorwahl 0700 nicht reguliert. In einem nächsten Schritt sollte die Bundesnetzagentur - falls erforderlich mit Hilfe des Gesetzgebers - eine Regelung finden, um die bislang abschreckend hohen Verbindungspreise zu 0700 auf ein erträgliches Maß (unter 20 Cent/Minute) abzusenken oder die Vorwahl 0700 der Tarifierung für Festnetznummern gleichzustellen, was diesen Nummernkreis auch in populäre Flatrates einschließen würde.

Das bisherige Inter­connect-Regime erlaubte (theoretisch) Auszahlungsmodelle, wodurch ein Inhaber einer 0700-Nummer mit ankommenden Anrufen hätte Geld verdienen konnte. Dieses Geschäftsmodell gibt es auch bei 0180-Rufnummern, obwohl es von der Bundesnetzagentur nicht gern gesehen wird, denn hierfür ist eigentlich die teure "Premium"-Vorwahl 0900 vorgesehen.

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