Ungereimtheiten

01075: Weiterhin Mehrfachabrechnung alter Gespräche

Keine Reaktionen seitens des Anbieters sowie Erstattungsprobleme
Von / Jochen Kleucker
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Auf Telekom-Rechnungen tauchen weiterhin 01075-Gespräche doppelt auf.Auf Telekom-Rechnungen tauchen weiterhin 01075-Gespräche doppelt auf. Schon im Januar berichtete teltarif.de, dass es beim Anbieter der Call-by-Call-Vorwahl 01075 zu Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung kam. Zahlreiche Nutzer meldeten sich bei uns mit dem Hinweis, dass sie auf ihrer Rechnung Gespräche aufgelistet bekamen, die sie nicht geführt hatten. Wir fragten beim Anbieter nach, der zugab, ein Abrechnungsproblem verzeichnet zu haben. Laut einer Stellungnahme des Anbieters seien 184 Kunden von diesem Problem betroffen gewesen, betroffen seien Abrechnungsdaten aus dem November vergangenen Jahres. Dass dieses Problem abermals auftritt, wollte die 01075 ausschließen. Doch das scheint nicht geglückt zu sein. Immer noch erreichen uns neue Kundenhinweise, der Anbieter reagiert jedoch auf unsere Anfragen nicht mehr.

Verbindungen aus 2009 wurden 2013 erneut abgerechnet

teltarif.de liegen mehrere Leserbeschwerden vor, denen zufolge auch im Februar und März, also deutlich nach Bekanntwerden des Problems Mitte Januar, Gespräche zum Teil mehrere Jahre nach der ersten Abrechnung ein weiteres Mal abgerechnet wurden. Der älteste uns vorliegende Fall ist eine aktuelle Rechnung aus dem Februar 2013, auf der Gespräche abgerechnet wurden, die bereits im November 2009 einmal in Rechnung gestellt wurden. Dabei handelt es sich um insgesamt vier Gespräche, deren Beginn-(Uhrzeit), Gesprächsdauer und Rufnummer in beiden Fällen exakt identisch sind. Ein Zufall kann hier ausgeschlossen werden.

Zuletzt stand teltarif.de im Februar mit der 01075 in Kontakt. Schon damals fragten wir den Anbieter wie es zu den anhaltenden Problemen kommen kann. Man teilte uns mit, dass "der Fehler nicht bei uns entstanden [ist], da 01075 Festnetz keinerlei Abrechnungsdaten vorliegen hat. Die Abrechnungsdaten liegen ausschließlich bei unserem externen Dienstleister vor." Auf die Frage, ob nicht angesichts dessen, dass unserer Redaktion schon zahlreiche Fälle vorliegen, möglicherweise mehr Kunden betroffen sind, bekamen wir die Antwort, dass "uns seit unserer Auskunft im Januar keine neuen Erkenntnisse vor[liegen]. Auch haben wir im Kundenservice keine erhöhten Anfragen und in Internetforen lassen sich hierzu auch keine Einträge finden. Wir gehen daher davon aus, dass die uns genannte A-Rufnummern-Anzahl korrekt ist."

01075 Festnetz hat nach eigenen Angaben keine Daten vorliegen

Telefondaten aus 2009 dürfen heute nicht mehr gespeichert sein, sofern es keinen Widerspruch gegen die Verbindungen gab, die bis heute noch strittig sind. Auf die Frage, wie denn Verbindungen aus 2009 mehr als drei Jahre später wieder auf Rechnungen auftauchen können, antworte 01075 uns wörtlich: "Bei uns sind überhaupt keine Abrechnungsdaten vorhanden. Seit November 2011, also unserem Umzug von Walluf nach Wiesbaden, ist der komplette Abrechnungsprozess an einen externen Dienstleister ausgegliedert und 01075 Fesnetz [sic!] hat keinerlei Daten auf den Systemen mehr. Bis November 2011 haben wir inhouse auf den Systemen der envacom Service GmbH gearbeitet, auf die wir aber keinen Zugriff mehr haben, da sie im Besitz der envacom und nunmehr Gazprom sind. Abrechnungsrelevante Daten werden bei unserem Dienstleister innerhalb der gesetzlichen Frist von 6 Monaten gelöscht." Die Frage nach den Verbindungen aus 2009 bleibt also unbeantwortet.

Wir wiesen den Anbieter zudem darauf hin, dass die auf der Telefonrechnung angegebene 0800-Nummer nicht funktioniere. Entsprechende Leserhinweise konnten wir verifizieren. 01075 verwies uns hier lediglich auf die Service-Zeiten, ging aber nicht auf Probleme ein. Auffällig jedoch: Seitdem die 01075-Antwort in unserer Redaktion einging, ist die Rufnummer wieder erreichbar.

Auf weitere Nachfragen unserer Redaktion zu den Problemen reagierte der Anbieter auch auf Nachfragen und Fristsetzungen bis heute nicht mehr.

Automatische Erstattung offenbar mit Problemen, Mahnungen bei Nicht-Zahlung

Im Januar sagte uns der Anbieter zu, dass betroffene Kunden mit einer automatischen Erstattung rechnen könnten bzw. das Geld überwiesen bekämen. Doch auch hier, so berichten uns Leser, kommt es offenbar zu Problemen. Zugesagte Überweisungstermine wurden demnach nicht eingehalten. Erst nach mehreren Nachfragen sei das Geld dann überwiesen worden. Zudem berichten Kunden, die den 01075-Posten der Telekom-Rechnung nicht bezahlt haben, sie bekämen inzwischen Mahnungen über den strittigen Betrag - zuzüglich Mahngebühr.

Bundesnetzagentur: Technische Prüfung beantragen

Auf Nachfrage hieß es seitens der Aufsichtsbehörde Bundesnetzagentur, der Anbieter müsse nachweisen, dass seine Forderungen berechtigt sind. "Werden dem Kunden Verbindungsleistungen berechnet, die er nicht in Anspruch genommen hat, so sollte er von seinem Anbieter grundsätzlich einen Einzelentgeltnachweis und eine technische Überprüfung gemäß § 45i Telekommunikationsgesetz fordern." Wird diese nicht erbracht, könne die Bundesnetzagentur eingeschaltet werden. Weitere Tipps dazu hat die Bundesnetzagentur auf ihrer Seite veröffentlicht [Link entfernt] .

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