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Lidl Connect: Kostenlose Nummer kostet 99 Cent pro Minute

Startprobleme bei Lidl Connect: Die Hotline ist schwer erreichbar und es gibt einen bösen Fehler in der Tarifdatenbank: Eigentlich kostenlose 00800-Verbindungen werden mit 99 Cent pro Minute berechnet.
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Lidl-Connect kämpft noch mit StartschwierigkeitenLidl-Connect kämpft noch mit Startschwierigkeiten Seit dem Marktstart von Lidl Connect ist rund ein Monat vergangen. Am 31. Oktober endete das Start-Sonderangebot Smart S , mit dem man 300 Minuten oder SMS plus 300 MB für 4,99 Euro im Monat buchen konnte. Wer den Tarif bis 31. Oktober um 24 Uhr gebucht und bestätigt bekommen hat, kann weiter bis zum Ende des ersten Jahres für 4,99 Euro im Monat telefonieren und surfen, spätere Neukunden oder Tarifwechsler zahlen 7,99 Euro.

Inzwischen sind die Smartphone-Apps zur Verwaltung des Lidl Connect Kontos in den Appstores von Google und Apple verfügbar. Um diese Apps einsetzen zu können, muss im verwendeten Handy eine Lidl-Connect-SIM-Karte einlegt und aktiviert sein. Will man von einem anderen Handy aus das Lidl-Connect-Konto verwalten, bleibt nur die normale Webseite des Anbieters.

Die App fragt den Anwender, ob die Kundendaten auf dem Handy gespeichert werden sollen, der erste Start dauert einen Moment. In der App findet man Infos über den Kontostand, für den Einzel­verbin­dungs­nachweis (EVN) muss man aber weiterhin die Webseite befragen.

Inzwischen hat sich Vodafone zu den Startproblemen bei Lidl Connect geäußert. Welche Fehler auftraten und welche Probleme Vodafone inzwischen in den Griff bekommen hat, erfahren Sie in unserer Meldung zu den Kinderkrankheiten bei Lidl Connect.

Abenteuer Portierung

Rufnummernportierungen von oder zu Lidl Connect scheinen ein aufregendes Abenteuer zu sein. Dazu wird zuerst ein Startpaket erworben und mit der im Paket genannten Rufnummer aktiviert. Erst danach kann die gewünschte Rufnummer "draufportiert" werden. Dabei wird eine neue SIM-Karte mit der gewünschten Rufnummer extra für den Kunden produziert und frisch verschickt, nachdem sich abgebender und aufnehmender Provider über die Details geeinigt haben. Die "tagesgenaue" Portierung ist nur insofern tagesgenau, dass man an dem per SMS oder Post mitgeteilten Umschalt-Tag kurz nicht erreichbar ist. Vom Datum der Beauftragung bis zum Schalttermin können aber schon ein paar Tage vergehen.

Nach der Umschaltung besitzt der Kunde eine zweite Karte mit seiner Wunschrufnummer und muss über die Lidl-Connect-Hotline sein bisheriges Kartenguthaben und etwaig gebuchte Sondertarife (z. B. den rabattierten Smart S) umbuchen lassen, was nicht immer reibungslos funktioniert, wie Anwender in einschlägigen Foren berichten. So seien Anrufer nach dem Anwählen der Hotline in der Warteschleife gescheitert, weil die Verbindung irgendwann getrennt wurde. Die Qualität der Hotline-Mitarbeiter habe stark geschwankt. Teilweise habe man lustlose, zum Teil aber auch hochmotivierte und bestens informierte Agenten erreicht.

Ein Tipp: Wenn der Hotliner nicht den Eindruck macht, helfen zu können oder zu wollen, am besten auflegen und später noch einmal anrufen. Bei E-Mails über das Kontakformular im Kundenkonto sei die Wartezeit von "üblicherweise 24 Stunden" durchaus überschritten worden oder es kam gar keine Antwort.

Vorsicht Kostenfalle

Im Abrechnungssystem von Lidl Connect verbirgt sich noch Bug, der zur bösen Kostenfalle werden kann, wenn man "kostenlose" Hotlines über die Vorwahl 00800 (international freecall) erreichen möchte. Das können beispielsweise Pannenhotlines von Autoherstellern oder Bestellhotlines im Dauerwerbefernsehen sein.

Bei Lidl Connect werden solche Anrufe derzeit mit 99 Cent pro Minute berechnet, wie wir selbst feststellen mussten. Hierbei dürfte es sich um einen Fehler in der Tarifdatenbank handeln, denn Anrufe zu 00800 müssen nach Vorgabe der Bundesnetzagentur aus allen deutschen Netzen kostenlos sein.

Eigentlich müssten 00800-Nummern auch bei Roaming-Verbindungen kostenlos sein, was aber bislang bei allen uns bekannten Anbietern kaum der Fall ist. teltarif.de ist auch ein Fall bekannt, bei dem die Bundesnetzagentur nach Beschwerden einer Tarifberaterfirma eine ausführliche Prüfung des Falles eingeleitet hat.

Der Wechsel kann sich lohnen - wenn alles klapptDer Wechsel kann sich lohnen - wenn alles klappt Wir haben Lidl Connect über das Kontaktformular auf den Fehler hingewiesen, eine Antwort oder Korrektur haben wir derzeit noch nicht bekommen. Unklar ist derzeit noch, ob bei Reklamationen die jeweiligen Einzelfälle durch kulante Gutschriften aufgelöst werden oder ob (und wenn ja, ab wann) das Problem wirklich im System beseitigt wird.

Günstige Aufladung ab 5 Euro

Beim Kauf von Aufladegutscheinen im Lidl-Supermarkt kann man schon mit Werten von 5 Euro anfangen, was gerade für Nutzer mit beschränktem Bugdet ein Segen sein kann. Dabei sollte man darauf achten, dass entweder ein Datenpaket gebucht ist oder Datenverbindungen am Handy wirksam abgeschaltet sind, sonst kann das Guthaben am Handy schneller weg sein als einem lieb ist.

Lidl-Gutscheine können nicht zum Aufladen von Original CallYa-SIM-Karten von Vodafone verwendet werden, wie Anwender herausfanden. Umgekehrt geht es aber schon - CallYa-Gutscheine und Codes laden auch Lidl Connect auf. Auch die Aufladung einer Lidl-Connect-SIM-Karte am Geldautomaten von Bank oder Sparkasse ist möglich, wenn man als Netz Vodafone D2 wählt und die richtige Handynummer eintippt.

Aktuelles Fazit

Unser Fazit: Bietet das Netz Vodafone im geplanten Einsatzgebiet ausreichend Versorgung und möchte man ein unkompliziertes Angebot, so kann Lidl Connect durchaus in Frage kommen, insbesondere für reine Sprachtelefonierer, die ab und zu eine SMS verschicken. Damit hat man wie bei Original CallYa seine Kosten gut im Griff.

Die eigene Bankverbindung kann man bei der Erstanmeldung im Internet angeben, muss man aber nicht. Aufladungsgutscheine sind in jedem Lidl-Supermarkt an der Kasse erhältlich, z. B. dort wo man auch sein Starterset gekauft hat.

Wer allerdings höhere Ansprüche stellt oder in einer Region wohnt, wo außer GSM/GPRS noch keine flächendeckende 3G-Versorgung mit dem Vodafone-Netz vorhanden ist, sollte sich im Markt genauer umschauen, einen Zugriff auf 4G (LTE) hat man mit Lidl Connect derzeit noch nicht, hier sollte man zur Original Vodafone-CallYa-SIM mit passender Tarifoption greifen.

Bis wann die Falschabrechnung bei 00800 dauerhaft repariert sein wird, ist schwer zu sagen. Vermutlich wird die Hotline eher den wenigen Kunden, die dies bemerken und reklamieren, eine manuelle Gutschrift erstellen, da sie keinerlei Zugriff auf die fehlerhaften Tarifdatenbanken im Vodafone-Kernsystem hat. Das Kernsystem wird teilweise von ausgelagerten Unternehmen oder Unternehmensteilen betreut, die erst tätig werden, wenn sie einen expliziten Auftrag und eine dafür zuständige Kostenstelle haben, das kann also dauern. Mehr zu Lidl Connect erfahren Sie in unserem ersten Testbericht.

Update 5. November: Der Netzbetreiber bestätigt, dass es in einigen Fällen zu fehlerhaften Abrechnungen gekommen ist. Vodafone schreibt dazu an teltarif.de:

Wir können bestätigen, dass es bei Lidl Connect in der Startphase bei einigen wenigen Fällen zu einer irrtümlichen Berechnung der 00800-Servicenummer kam. Dies ist uns in einer routinemäßigen Überprüfung der Abrechnungsprozesse bereits vor einigen Tagen aufgefallen. Wir haben mittlerweile die Servicenummer <96> wie bei all unseren Prepaid-Angeboten <96> gesperrt.
Betroffen waren 26 Kunden mit Abrechnungen zwischen 99 Cent und 4,95 Euro. Diesen haben wir bereits eine Gutschrift in Höhe von 5 Euro erteilt. Für die entstandenen Unannehmlichkeiten möchten wir uns bei den Kunden in aller Form entschuldigen.

Weiterhin weist Vodafone darauf hin, dass der in unserem Artikel erwähnte Frühbucher-Rabatt von Oktober 2015 bis Oktober 2016 gilt. Unsere Aussage, dass Vodafone keinerlei Zugriff auf die fehlerhafte Tarifdatenbank des Kernsystems habe, sei nicht korrekt. IN-System und Betrieb liegen nach Angaben des Netzbetreibers bei Vodafone. Ende des Updates.

Welche Probleme bei Lidl Connect auftraten und welche davon Vodafone inzwischen in den Griff bekommen hat, erfahren Sie in unserer Meldung zu den Kinderkrankheiten bei Lidl Connect.

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