Ausblick

Diese Zukunfts-Technik kommt in die Bahn

Fahrscheinkauf per Video-Chat, Navigation zum reservierten Platz, Fußballspiel auf der ICE-Scheibe und Kaffee aus dem Bordbistro per App: Viele dieser Techniken für Bahnfahrer klingen wie Zukunftsmusik - einige davon könnten aber schon bald Wirklichkeit werden.
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Die Bahn war seit ihrer Er­findung stets ein innovatives Unter­nehmen. Dabei gab es Phasen, in denen es mehr um den Komfort der Fahr­gäste ging, sowie Epochen, in denen die eigent­liche Eisen­bahn­technik weiter­ent­wickelt wurde und hohe Fahr­ge­schwindig­keiten im Fokus standen.

Dass die Fahr­gäste heut­zu­tage mehr und mehr ver­netzte Dienste im Zug nutzen möchten, ist kein Extra-Komfort mehr, sondern eine Selbst­ver­ständlich­keit. In ihrer Zeit­schrift "mobil" hat die Deutsche Bahn einmal einen Blick in die Zukunft gewagt und zeigt, welche Techniken uns vielleicht bald in der Bahn erwarten könnten.

Diese neuen Techniken gibt es bereits

Diese Zukunfts-Technik kommt in die BahnDiese Zukunfts-Technik kommt in die Bahn WLAN-Hotspots am Bahnhof und im Zug sind bereits eine Selbstverständlichkeit. Im Zug allerdings nur im Fernverkehr und auch da ist die Qualität der Hotspots sowie der dahinter liegenden Mobilfunkanbindung nicht immer optimal. Zur Nutzung der zahlreichen Bahn-Angebote gibt es einige wichtige Apps, und zwar nicht nur von der Bahn, sondern auch von freien Entwicklern. Diese haben wir in einer eigenen Über­sicht zusammen­ge­stellt. Seit neuestem ist der DB Navigator (App-Test) beispielsweise auch auf Smartwatches nutzbar - für eine Kurzinfo muss also nicht mehr das Smartphone aus der Tasche gezogen werden.

Viele Kunden kritisieren die Schließung des Kundenzentrums in kleineren Bahnhöfen, weil der Fahrscheinautomat nicht immer alle Fragen zufriedenstellend beantworten kann. Die Bahn stellt darum momentan in kleineren Bahnhöfen ein Video-Reisezentrum auf, wo Bahnmitarbeiter per Video-Chat Fahrgäste beraten und Tickets verkaufen.

Auch QR-Codes auf ausgehängten Fahrplänen können den Fahrgästen aktuelle Echtzeit-Informationen liefern und dem Bahnfahrer zum Beispiel geänderte Gleise oder verspätete Abfahrtszeiten anzeigen.

Mit GPS-Modul und entsprechenden Tracking-Apps wird nicht nur Aufgabegepäck verfolgt. Besorgte Hundebesitzer können ihr Haustier zum Beispiel auch im Zug aufspüren, wenn es dort einmal ausgebüxt sein sollte - beispielsweise Richtung Wurstgeruch im Bordrestaurant.

Demnächst werden diese Techniken eingeführt

Die Bahn plant mitunter jahrelang, bis eine neue Technik eingeführt wird - einige dieser Ideen werden in den nächsten Monaten und Jahren umgesetzt. Manchmal drängt auch der Staat als Mehrheitseigner der Bahn zu mehr Komfort. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt möchte beispielsweise, dass Nahverkehrszüge verpflichtend WLAN erhalten sollen.

Ebenfalls lange geplant und auf der Zielgeraden ist das neue Entertainment-System der Bahn, das Fernreisende aus Langstreckenflugzeugen bereits seit Jahren kennen. Ein Infotainment-Kanal soll Nachrichten und Reise-Infos ebenso zur Verfügung stellen wie Podcasts, Spiele oder Kinderprogramme. Das System wird bereits getestet.

Ein nerviges Ritual bei einer Platzreservierung ist auf dem Bahnsteig der Gang zum manchmal klein gedruckten Wagenstandsanzeiger, der verrät, in welchem Abschnitts des Bahnsteigs man einsteigen sollte. Dies wird zukünftig über einen digitalen Wagenstandsanzeiger gelöst: Der Zug bucht sich in ein Funknetz des Bahnhofs ein und das System zeigt anschließend, in welchem Abschnitt welcher Wagen hält.

Die Shopping-Meilen in Bahnhöfen sind abends und an Sonn- und Feiertagen für Reisende oft die letzte Möglichkeit zum Einkaufen. Geplant ist eine App, mit der Bahnfahrer sehen können, welche Geschäfte im Zielbahnhof verfügbar sind. Per App kann der Kunde dann bequem eine Bestellung aufgeben und die Waren nach der Ankuft am Bahnhof abholen.

Diese Techniken sind noch Zukunftsmusik

Viele Techniken sind entweder noch nicht marktreif oder die Umsetzung in der Bahn benötigt noch etwas Zeit. Die folgenden Techniken gehören also noch ins Reich der Zukunftsmusik. Dazu gehören beispielsweise iBeacons, kleine Bluetooth-Module, mit denen die Position eines Smartphones in einem geschlossenen Raum bestimmt werden kann. Mit iBeacons, Smartphone und einer App könnte der Fahrgast im Zug zu seinem Sitzplatz geleitet werden, ohne dass er minutenlang den Mittelgang verstopfen muss. Die App könnte bei entsprechender Datenfreigabe dann auch Freunde oder Verwandte über den Standort des Smartphone-Besitzers informieren. Falls sich Wearables wie Datenbrillen oder Smartwatches auf breiter Basis durchsetzen sollten, geht die Platzsuche auch ganz ohne Smartphone und man hat beide Hände für das Gepäck frei.

Das Entertainment-System hätte dann einen ganz besonderen Stellenwert, wenn es über intelligente Touchscreens in die Fensterscheibe integriert werden könnte. Dieses System könnte dem Fahrgast die Landschaft oder die vorüberziehenden Sehenswürdigkeiten während der Fahrt erklären. Sportfans müssten kein wichtiges Spiel mehr verpassen, weil Bundesliga, WM oder EM direkt auf die Scheibe übertragen werden. Und Geschäftsreisende könnten auf der Fensterscheibe an Präsentationen arbeiten oder Videokonferenzen abhalten - über die Privatsphäre oder Diskretion im Großraumabteil müsste man dann allerdings nachdenken.

Um Warteschlangen im Bordbistro zu vermeiden, könnten Reisende ihr gewünschtes Mahl oder Getränk mit einer App vorbestellen und dann nach Aufforderung entweder selbst abholen oder gegen Aufpreis am Platz servieren lassen. Wenn der Reisende sich dazu entschließt, seinen Reiseplan freizugeben, könnte der Zugbegleiter alle Reisepläne auf einem Tablet zentral verwalten und von sich aus den Fahrgast informieren, was er im Falle einer Verspätung beachten muss.

Wann alle diese Techniken marktreif sein werden, steht noch nicht fest. Klar ist, dass dazu an den Bahnstrecken eine praktisch lückenlose Versorgung mit mobilem Breitband-Internet notwendig ist. Für die Verwirklichung dieser Träume sind also nicht nur die Bahntechniker, sondern auch die Mobilfunknetzbetreiber gefragt.

Aktuelle und neue Techniken der Bahn im Video

Das folgende Imagevideo widmet sich nicht nur den Techniken für Fahrgäste, sondern auch dem Gütertransport und neuen Systemen für Bahnmitarbeiter.

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