Chrome OS soll künftig auf Millionen von Computern laufen
Gestern wurde bekannt, dass vier der fünf größten PC-Hersteller Geräte mit dem neuen Google-Betriebssystem Chrome OS auf den Markt bringen wollen. Heute macht sich Google-Chef Eric Schmidt im Fernsehen Mut: Googles neues Betriebssystem Chrome OS werde künftig auf Millionen von Computern
genutzt und habe das Zeug, Microsofts Windows Marktanteile
abzunehmen. "Wir haben keine Zahlen, aber wir wissen, es werden
Millionen (Computer) sein", sagte Schmidt in einem Interview mit
Bloomberg TV.
Er erwarte aber, dass Microsoft mit einer
veränderten Strategie auf die neue Konkurrenz antworten werde.
Der weltgrößte Suchmaschinen-Anbieter hatte Anfang der Woche das
eigene Betriebssystem Chrome OS angekündigt, mit dem das Unternehmen
direkt in das Kerngeschäft von Microsoft vordringt. Er selbst habe
sich stets gegen die Entwicklung ausgesprochen, sagte Schmidt der
Financial Times. Seit der Gründung des Unternehmens hätten aber die
Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin den Plan für ein
Betriebssystem verfolgt. Trotz der Einwände von Schmidt hätten die
Chefs Entwickler des Firefox-Browsers eingestellt.
Die erste frühe
Version des Browsers Chrome habe ihn schließlich überzeugt. "Sie war
so gut, dass sie mich dazu gebracht haben, meine Meinung zu ändern."
Chrome OS ist eher ein "Anti-Betriebssystem"
Chrome OS sei allerdings mehr ein "Anti-Betriebssystem", das
weniger einem herkömmlichen Betriebssystem als einem Browser ähnelt,
betonte Google-Mitgründer Larry Page in Sun Valley. Die Computer und
Netbooks müssten mit der Software nicht mehr lange hochfahren,
sondern könnten nach dem Anschalten augenblicklich genutzt werden.
Die Daten auf dem PC sollen über Chrome OS anders als üblich im
Internet statt auf der Festplatte gespeichert werden. Ziel sei es,
dass das Betriebssystem in gewisser Weise verschwinde. "Wenn Sie ein
Telefon nutzen, denken Sie auch nicht an das Betriebssystem."
Anders als Microsofts Windows-Betriebssystem, das einen
Marktanteil weltweit von rund 90 Prozent hält, basiert Chrome OS auf
dem freien Betriebssystem Linux. Der Quell-Code soll später im
Verlauf des Jahres für die Entwicklergemeinde veröffentlicht werden.
Chrome OS soll zunächst auf Mini-Laptops - sogenannten Netbooks -
eingesetzt werden. Die Gerätehersteller Hewlett-Packard, Acer, Lenovo
und Toshiba zählen bereits zu den Partnern, mit denen Gespräche über
eine Zusammenarbeit geführt werden. Auch die Chiphersteller Freescale
und Qualcomm hat Google mit ins Boot geholt.
"Ein Betriebssystem ist ein ziemlich kompliziertes Ding"
Inwieweit Google mit seinen neuen Plänen Erfolg haben wird, bleibt
abzuwarten. Googles Browser Chrome hatte es bislang nicht weit aus
der Bedeutungslosigkeit geschafft. "Ein Betriebssystem ist ein
ziemlich kompliziertes Ding", sagte Sameet Sinha, Analyst bei JMP
Securities in San Francisco der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Wir
wissen das, denn es gibt nicht besonders viele Leute, die
Betriebssysteme machen." Andere Branchenbeobachter sehen aber in der
neuen Initiative durchaus das Potenzial, die Karten in dem von
Microsoft und dem Chiphersteller Intel dominierten Computer-Markt neu
zu mischen.
Für Eric Schmidt könnte das neue Chrome-Betriebssystem allerdings
weitere Folgen haben. Schmidt sitzt seit 2006 im Aufsichtsrat von
Apple. Wiederholt hatte es deshalb kritische Stimmen gegeben, die
einen Interessenskonflikt befürchten. Neben dem Browser-Markt
konkurrieren Apple und Google inzwischen auch bei Handys, Apples
iPhone tritt hier gegen Smartpones von HTC oder Samsung mit Googles
Android-Betriebssystem an. Bislang sei das noch kein Problem
gewesen, sagte Schmidt dem britischen "Guardian". Es werde aber
Gespräche mit Apple geben.
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