Gesprächsrunde

RTL-Gründer Thoma: "IPTV dient nur zur Festnetz-Bindung"

Zuschauer wollen keine Smart-TV-Nutzung, sondern sich berieseln lassen
Aus Hamburg berichtet
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Prof. Dr. Helmut Thoma im Gespräch mit der Deutschen Welle nach dem Trend TalkProf. Dr. Helmut Thoma im Gespräch mit der Deutschen Welle nach dem Trend Talk "Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, was und wie ich in einer Mediathek von vor vier Jahren suchen sollte, wenn ich nicht genau wüsste, dass eine bestimmte Sendung zu einem bestimmten Zeitpunkt gelaufen ist", kritisierte Prof. Dr. Helmut Thoma die unübersichtliche Vielfalt bei Internet-TV-Angeboten. Thoma weiß, wovon er spricht - er schaut auf mehrere Jahrzehnte TV-Erfahrung zurück und gründete 1984 RTL. Er war einer der Podiumsteilnehmer des Trend-Talk auf der Preview anlässlich der IFA in Hamburg mit dem Titel "Zukunft des Fernsehens".

In seinen Augen wollen die Zuschauer keine Smart-TV-Nutzung, keine Mediatheken und ähnliches, sondern sie wollen sich vom Programm berieseln lassen. "Der Zuschauer ist bequem", meinte er mit Anspielung auf den teilweise nicht unerheblichen Aufwand, über internetfähige Fernseher Inhalte zu finden. "Fernsehen ist von seinem Wesen her im wesentlichen ein Live-Medium". Wenngleich er mit dem aktuellen Programmangebot - auch seines ehemaligen Senders - nicht zufrieden ist. Das Oligopol von Öffentlich-Rechtlichen, RTL und ProSiebenSat1 habe dazu geführt, dass es kaum noch Spielfilme und sinnvolle Serien gebe. "Stattdessen beobachten wir begeistert alle Messi-Wohnungen der Republik. Es gibt keine Messiwohnung, die nicht schon im Fernsehen war."

Thoma: IPTV dient nur zur Bindung der Festnetzkunden

Auch zu IPTV äußerte er sich kritisch. Mit Blick auf Entertain von der Deutschen Telekom sagte er in Richtung des Entertain-Produktmanagers Gert von Manteuffel auf dem Podium: "Versucht es weiter, das ist in Ordnung. Warum nicht?" Doch eigentlich diene IPTV nur dazu, die Kunden länger an ihren Festnetzanschlüssen zu halten. Ob das langfristig gelingt, bezweifelt er. Auch an die Zukunft von Entertain scheint er nicht so recht zu glauben und brachte auch den Verlust der Fußball-Rechte ab nächstem Sommer ins Spiel. Zudem ziehe IPTV Internetkapazitäten ab, die an anderer Stelle beim Verbraucher benötigt wurden.

Der Telekom-Manager von Manteuffel sah das natürlich grundlegend anders. Er kam vor allem auf die kommenden Mehrwerte zu sprechen und meinte damit vor allem das angekündigte Entertain to go. Die Kunden hätten mittlerweile zahlreiche Endgeräte zu Hause, auf denen Videos abgespielt werden könnten und sie würden sich fragen, warum sie auf ihnen kein TV-Signal sehen können. Das werde die Telekom ihnen künftig ermöglichen. Einen Markt für mobiles TV sieht er jedoch nicht wirklich. "Die Kunden wollen nicht an der Bushaltestelle Fernsehen." Das erklärt auch das Scheitern von DVB-H.

Telekom: Alles aus einer Hand erhöht die Nutzungsrate

Auch unterscheiden sich heutige mobile TV-Angebote an anderen Stellen von DVB-H. Wie Ronald Fiedler Vice President Commercial Distribution bei Sky sagte, liegen die Mehrwerte des hauseigenen Angebotes Sky Go gegenüber DVB-H neben höherwertigeren Inhalten auch in der On-Demand-Nutzung. Die Meinung von Thoma, der Kunde sei zu bequem um solche Inhalte zu nutzen, teilte er nicht.

Doch dass die TV-Nutzung per Internet noch lange nicht so hoch ist wie beim klassischen TV - da waren sich alle Nutzer einig. Während laut Studien im Schnit täglich 239 Minuten Fernsehen geschaut wird, geht Niklas Brambrink, CEO von Zattoo, von zehn Stunden im Monat aus, die ein aktiver Nutzer die Internet-Angebote nutzt. Die Telekom sieht sich hier im Vorteil gegenüber anderen Anbietern, da sie On-Demand-Nutzung und lineares TV aus einer Hand anbieten und den Nutzern entsprechende Empfehlungen geben kann. Im Vergleich zum Umweg über Smart TVs erhöhe das die Nutzungsrate deulich. Aktuell sei man bei zehn bis zwanzig Prozent Nicht-lineare TV-Nutzung bei den Kunden.

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