
Streit beendet: Facebook und Yahoo schmieden Internet-Allianz
Facebook und
Yahoo begraben das
Kriegsbeil: Statt sich vor Gericht um die Nutzung von Patenten zu
streiten, werden die beiden Internetgrößen künftig enger denn je
zusammenarbeiten. Die Allianz erstreckt sich auf die für beide Seiten
überlebenswichtige Werbung und die Verbreitung von Inhalten. Die
Patente - Stein des Anstoßes - dürfen nun gegenseitig genutzt werden.
"Ich bin zufrieden, dass wir das in einer positiven Art und Weise
gelöst haben", sagte die bei Facebook fürs Tagesgeschäft zuständige
Managerin Sheryl Sandberg. Nutzer und Werbetreibende
würden von der Zusammenarbeit der beiden Unternehmen profitieren,
erklärte Yahoo-Interimschef Ross Levinsohn.
Yahoo hatte den Streit im Februar vom Zaun gebrochen und damit
kurz vor dem Börsengang von Facebook. Der Internet-Pionier warf
seinem jüngeren Rivalen vor, Ideen abgekupfert zu haben, und klagte.
Facebook reagierte mit einer Gegenklage. Um die eigene Position zu
stärken, scheute das soziale Netzwerk keine Kosten und kaufte für
550 Millionen Dollar Patente auf, die ursprünglich AOL gehört hatten.
Gütliche Einigung mit diversen Vorteilen
Die gütliche Einigung hat gleich mehrere Vorteile: Zum einen
bleibt beiden Seiten ein langwieriges und teures Gezerre vor Gericht
erspart. Zum anderen erhöhen sie mit der Partnerschaft bei Werbung
und Inhalten ihre Schlagkraft. Yahoo leidet unter der Marktmacht des
Rivalen Google und Facebook muss nach seinem Börsengang beweisen,
dass das soziale Netzwerk ordentlich Geld verdienen kann.
Die beiden Unternehmen sind zusammen eine Macht im Internet:
Facebook kommt auf mehr als 900 Millionen Nutzer, Yahoo auf um die
700 Millionen. Das bedeutet, dass Inhalte und Werbung weit gestreut
werden können - ein Bonuspunkt im harten Internetgeschäft. Der Pakt
ist damit auch ein Angriff auf den Suchmaschinen-Primus Google und
dessen wie geschmiert laufendes Anzeigengeschäft.
Die Streithähne pflegten bis zur Klage ein gutes Verhältnis.
Facebook-Nutzer können seit längerem Inhalte von Yahoo-Seiten mit
ihren Freunden teilen. Die Stimmung drehte sich, als Scott Thompson
zu Jahresanfang den Chefposten bei Yahoo übernahm. Sein Kalkül war
es, Facebook kurz vor dem Börsengang unter Druck zu setzen. Doch
Thompson stolperte über einen falschen Titel in seinem Lebenslauf und
musste gehen.
Yahoo und Facebook: Klage und Gegenklage
"Die neue Führung von Yahoo konzentriert sich wieder auf
Innovationen und darum, den Nutzern großartige Produkte zu bringen",
stichelte Facebook-Managerin Sandberg gegen den geschassten Thompson.
Dessen kommissarisch agierender Nachfolger Levinsohn erklärte: "Wir
sind begeistert über die engere Partnerschaft mit Facebook."
Yahoo beansprucht für sich, eine ganze Reihe grundlegender
Funktionen sozialer Netzwerke erfunden zu haben wie das Verschicken
von Nachrichten, die Anzeige von Neuigkeiten oder die Kommentierung.
Yahoo listete insgesamt zwölf Patente auf, die Facebook verletzt
haben sollte. Dabei ging es auch um Werbeanzeigen und damit die
Lebensader des von Mark Zuckerberg gegründeten Unternehmens.
Facebooks Gegenklage war nicht weniger schwerwiegend. Demnach
hatte Yahoo in zahlreichen seiner Dienste abgekupfert: Dabei ging es
etwa um die Personalisierung von Artikeln für Mitglieder eines
Online-Netzwerks, die Weiterleitung von Nutzer-Profilen oder die
Anpassung von Datenbanken. Auch damit zielte Facebook auf die
lebenswichtigen Werbeeinnahmen.
Schon seit knapp drei Wochen deutete sich an, dass die Fronten
aufweichen. Damals hatte ein Yahoo-Anwalt vor Gericht eine
Fristverlängerung für eine anstehende Anhörung beantragt und dies mit
laufenden Verhandlungen zwischen den Parteien begründet. Wenige
Stunden vor der offiziellen Mitteilung hatte das Technologieblog "All
Things Digital" dann von der Einigung berichtet.
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