WLAN im Heimnetz schneller machen - so geht's
02.02.2013 15:15
Nicht immer ist der Provider am lahmen Internet schuld
Von mit Material von dpa
 WLAN im Heimnetz schneller machen - so geht's
Internet auf dem Sofa, am Küchentisch und sogar
auf dem Klo: Im Vergleich zum klassischen Ethernet ist WLAN im
Alltag deutlich praktischer. Was aber, wenn die Videos aus dem
Internet ruckeln? Eventuell ist daran der Provider schuld. Auf
Speedtest-Webseiten können Nutzer überprüfen, wie schnell
der Breitbandanschluss zu Hause wirklich ist. Holger Skurk vom
IT-Verband BITKOM rät, den Test wenn möglich zweimal zu
machen: Einmal am Netzwerkkabel und einmal über das Drahtlos-Netz.
"Wenn die drahtlose Performance da schlechter ist als über Kabel,
wird es wohl am WLAN liegen", sagt der Experte.
Ist der Provider unschuldig, sollten sich WLAN-Nutzer zuerst mit
der Schaltzentrale ihres Heimnetzwerks beschäftigen. Wichtig ist
zunächst, welche Drahtlosstandards der Router unterstützt. Die
schnellste aktuelle Variante ist 802.11n, die Standards a, b und g
sind deutlich langsamer. Theoretisch existiert auch schon der
Standard 802.11ac für noch höhere Übertragungsraten - Router oder
Endgeräte gibt es dafür bisher aber kaum.
Balkenanzeige sagt oft nichts zur Übertragungsrate
Entscheidend für das WLAN ist aber nicht nur, was der Router kann,
sondern auch, wo er steht. "Er sollte gut sichtbar für den Klienten,
also den Rechner, aufgestellt sein", erklärt Skurk. Auch das Gerät
oder die Antennen zu drehen, könne nie schaden. Wirkung zeigt das
aber meist nur, wenn die Entfernung zwischen Sender und Empfänger
nicht mehr als ein paar Meter beträgt. Die Stärke des Funksignals
zwischen Router und Rechner lässt sich an der Balkenanzeige in
Windows ablesen. "Allerdings geht die Signalstärke nicht
notwendigerweise mit der Übertragungsrate einher", warnt Skurk.
Wenn diese Grundlagen überprüft sind, wird es grundsätzlicher. Der
Frequenzbereich für WLAN in Europa ist in 13 Kanäle aufgeteilt, damit
sich nahe beieinanderliegende Netzwerke nicht stören. "In einem
Mietshaus mit sechs Nachbarn, die alle WLAN nutzen, wird es schnell eng",
warnt Ernst Ahlers von der Computerzeitschrift "c't". Mehr als
drei Netze sind kaum störungsfrei nebeneinander zu betreiben. Der
Grund: Die Funkkanäle liegen eng beieinander und kommen sich dadurch
in die Quere.
Die meisten Router suchen sich selbst einen freien Kanal. Wenn das
nicht funktioniert, sollte man die Automatik abstellen und den Kanal
manuell wählen. "Das kann aber ein Katz-und-Maus-Spiel werden", warnt
Ahlers, etwa wenn der Router des Nachbarn daraufhin seinerseits ein
neues Netz wählt. Außerdem stellen manche Nutzer ihre Router ab, wenn
sie das Haus verlassen. So herrschen abends plötzlich ganz andere
WLAN-Bedingungen als am Tag.
Dual-Band-Router nutzen 2,4-GHz- und 5-GHz-Band
Eine mögliche Lösung des Problems sind Dual-Band-Router, die
sowohl auf dem herkömmlichen 2,4-Gigahertz-Band als auch auf dem
5-Gigahertz-Band funken. "Dort ist noch viel frei, und die Kanäle
überschneiden sich nicht", erklärt Skurk die Vorzüge des höheren
Frequenzbereichs. Allerdings werde das Funksignal beim
5-Gigahertz-Band stärker durch Wände und andere Hindernisse gedämpft.
Außerdem reicht es nicht, wenn nur der Router die Alternativfrequenz
unterstützt - auch der Computer und andere Empfänger müssen damit
klarkommen. Dual-Band-Router gibt es ab etwa 90 Euro, sagt Ernst
Ahlers.
In einem Einfamilienhaus ist manchmal auch einfach die Distanz von
Sender zum Gerät zu groß. Hier kann der Einsatz eines
Repeaters helfen, der die Reichweite des Signals im Idealfall
verdoppelt. "Die Datenrate sinkt dabei aber auf die Hälfte oder
weniger, weil jedes Datenpaket zweimal durch die Luft geht", sagt
Ahlers und rät, stattdessen ein Kabel bis zum Repeater zu legen.
Falls der Provider schuld ist: Rechtsansprüche schwierig durchzusetzen
Bei alten Routern kann es sich auch lohnen, die Firmware zu
aktualisieren. Welche Version gerade installiert ist, lässt sich in
der Regel auf der Webseite des Herstellers herausfinden. Hier wird
auch am besten die neue Firmware heruntergeladen. Von der
Installation fremder Routersoftware rät Ahlers ab: "Es kann
passieren, dass man sein Gerät so zerschießt, dass es ganz kaputt
geht."
Was aber, wenn die Übertragungsraten auch ohne WLAN deutlich unter
den Zusagen des Providers liegen? "Meistens gibt es in den Verträgen
keine Geschwindigkeitsgarantie, sondern nur eine Formulierung, dass
beispielsweise bis zu 16 000 Kilobit pro Sekunde erreicht werden",
erklärt Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale
Nordrhein-Westfalen. Rechtliche Ansprüche sind daher schwierig - einfacher ist das neuerdings bei einem Totalausfall.
Chancen gibt es höchstens, wenn der Provider seine Angebote nach
Geschwindigkeiten staffelt, also etwa DSL 2000, 6 000 und 16 000
anbietet. "In diesem Fall sollte die Übertragungsrate des gewählten
Tarifs zumindest über dem des nächstgünstigeren Angebots liegen",
sagt Bradler. Ob sich der Anbieter darauf einlasse, sei aber nicht
sicher. Auf jeden Fall müssen Kunden ihm zunächst die Möglichkeit
geben, die Leistung zu verbessern. "Erst wenn da nach einer gewissen
Frist nichts passiert ist, kann man über eine Kündigung nachdenken."
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