Kommentar zum Start von Windows 8: Quo vadis, Microsoft?
27.10.2012 13:10
Sind die Hürden für das neue Betriebssystem zu hoch?
Von
 Quo vadis, Windows 8?
Es ist so weit, Microsoft hat
Windows 8 von der Leine gelassen und will
damit zum großen Angriff blasen. Vor allem bei den mobilen Gerätschaften wie
Tablets und Ultrabooks
soll das neue Betriebssystem den Software-Riesen aus Redmond endlich zu einem
ernstzunehmenden Kontrahenten werden lassen. Aber auch die klassische
PC-Kundschaft und die Business-Kunden darf Microsoft
natürlich nicht vergessen, denn hier befindet sich der Massenmarkt, auf dem
Windows seit gefühlten Ewigkeiten eine absolute Dominanz genießt. Doch dem
möglichen Erfolg stehen durchaus ein paar Fallstricke gegenüber.
Windows 8 erfordert Arbeit und Eingewöhnung
Über die zahlreichen Unterschiede zwischen Windows 8 und seinen Vorgängern
wurde schon viel geschrieben, und tatsächlich hat Microsoft an vielen Stellen
fundamentalere Änderungen eingeführt, als es sie in der Vergangenheit beim
Übergang von einer Version zur nächsten gegeben hat. "Wir haben Windows völlig
neu erfunden", sagt deshalb auch Microsoft-Chef
Steve Ballmer. Vor allem die neue, ehemals Metro genannte Oberfläche sorgt
dafür, dass die Anwender sich durchaus umgewöhnen müssen, wie sich ein Computer
bedienen lässt. Sind die Neuerungen einmal in Fleisch und Blut übergegangen,
gibt es an der neuen Oberfläche auch bei der Benutzung mit Maus und Tastatur
wenig auszusetzen. Sie lässt sich wirklich flott bedienen, zudem ist die Art
und Weise, wie Apps mit dem Betriebssystem verzahnt sind, wirklich
beeindruckend. Außerdem gibt es nun eine identische Oberfläche für den PC,
das Tablet sowie Smartphones mit dem am Montag startenden
Windows Phone 8.
Das Blöde ist nur: Viele Computer-Nutzer haben überhaupt kein Interesse daran,
sich umzugewöhnen und in eine neue Oberfläche einzuarbeiten. Die breite Masse
will, dass ihr Computer so funktioniert, wie er das schon seit zehn Jahren und
mehr tut. Wer dann hört, liest und vielleicht selbst beim Ausprobieren bemerkt,
dass dem nicht so ist, sagt sich vielleicht: "Was soll's, bleib ich halt bei
Windows 7, der Support läuft ja eh noch ewig, und mein Computer tut's auch
noch." Stimmt ja auch, schließlich wird sogar Windows XP aus dem Jahr 2001
noch bis 2014 mit Updates versorgt. Microsoft muss also zusehen, dass die Nutzer
die Vorteile schnell und nachhaltig erkennen und so zum Umstieg motiviert werden.
Durch die zum Start sehr günstigen Preise hat
Microsoft zumindest für die ersten Monate immerhin scho nmal einen deutlichen
finanziellen Anreiz geschaffen.
Ist die Hardware zu teuer?
Ein Problem für das neue System könnte sein, dass die Preise für die neue
Hardware zum Start schlicht zu hoch sind. Sicher, der bei den neuen Modellen
omnipräsente Touchscreen kostet auch in
der Herstellung mehr. Doch schon vor Windows 8 verkauften sich etwa die
schicken und schnellen Ultrabooks schlecht, weil
sie zu teuer waren - und jetzt packen viele Herstellern sogar nochmal eine
Schippe beim Preis drauf. Ob die Kundschaft aber dazu bereit ist, für ein
Windows-8-Tablet mit Atom-CPU 500 Euro aufwärts und für ein Ultrabook gar
das Doppelte und mehr zu bezahlen, ist fraglich. Viele werden hier wohl darauf
spekulieren, dass die Gerätepreise rasch sinken, oder eine Neuanschaffung
zunächst hinten anstellen - das kann nicht im Sinne von Microsoft sein. Hier
muss sich schnell etwas tun, wenn Windows 8 in der Masse Erfolg haben soll.
Gerade Microsoft hätte die eigenen Surface-Tablets zum Start viel günstiger
machen müssen, um entsprechende Verkaufszahlen zu erreichen - und sie den
Leuten auch zeigen, und nicht hinter Glas verstecken.
Die Gewohnheitstiere überzeugen
Der Schlüssel zum Erfolg für Microsoft liegt nicht darin, ob die Early Adopter,
die Studenten, die Journalisten oder ähnliche Gruppen Windows 8 sofort
annehmen. Das Unternehmen aus Redmond muss es schaffen, die Gewohnheitstiere zu
überzeugen. All die Menschen, die noch immer von den Qualitäten von
Windows XP oder sogar Windows 98 überzeugt sind, muss Microsoft über
kurz oder lang auf das neue System ziehen. Nur dann wird das neue System eine
ähnliche Marktdurchdringung erreichen, wie Windows 7 vor ihm. Die Tatsache,
dass es mittlerweile inoffizielle Möglichkeiten gibt, die neue Oberfläche von
Windows 8 zu Gunsten des altbekannten Startmenüs zu ersetzen, ist zwar
alles andere als im Sinne Microsofts, könnte sich aber dennoch als sehr
hilfreich erweisen.
Meinung von Redakteur Steffen Herget

Ich bin davon überzeugt, dass Windows 8 ein Erfolg werden wird. Einerseits
funktionierte das neue System bereits in der Consumer Preview problemlos, der
Umbau auf eine Touch-freundliche, aber gleichzeitig mit den üblichen Funktionen
ausgestattete Umgebung ist gelungen. Zudem wird die gewaltige Markt-Macht von
Microsoft nahezu automatisch dafür sorgen, dass auch die Masse mit der Zeit auf
Windows 8 umschwenken wird - ob sie will oder nicht. Andererseits dürfte
der Start ein wenig stotternd ausfallen, denn bei den recht hohen Preisen für
die schicken neuen Tablets, Ultrabooks
und Convertibles mit Windows 8 werden sich viele Interessenten zweimal
überlegen, ob sie direkt bei den ersten Modellen zuschlagen, oder doch lieber
warten und auf sinkende Preise hoffen.
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