Rechtseinschätzung

Windows 10: Darf Microsoft die Nutzungsdauer beschränken?

Ist Microsoft verpflichtet, Windows-10-Nutzern einen "Lifetime-Support" einzuräumen? Wir haben einen Anwalt um rechtliche Einschätzung gebeten.
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Lifetime-Support unter Windows 10? Das sagt der Rechtsexperte dazuLifetime-Support unter Windows 10? Das sagt der Rechtsexperte dazu Windows 10 ist derzeit im Fokus der Medien wie kaum ein anderes Tech-Thema. Vor allem das Gratis-Upgrade für eine Vielzahl der Windows-Nutzer dürfte ein Grund für das gesteigerte Verbraucher­interesse darstellen. Allerdings ergibt sich daraus, dass mehrere Millionen Nutzer Microsoft gleichzeitig auf die Finger schauen und viele unausgesprochenen Details öffentlich werden. Allerdings sind einige Randbereiche davon ausgenommen. Wir haben jetzt die Frage geklärt, ob Window-10-Nutzer ihre Lizenz auf Lebzeiten weiternutzen können, auch wenn das Gerät streikt.

Die derzeitige Lizenz-Situation aus Microsoft-Sicht

Anders als noch bei den Vorgängerversionen ist Windows 10 für einen Großteil der PC-Nutzer als Gratis-Upgrade verfügbar. Im gleichen Zuge schränkt Microsoft in dieser nebulösen Formulierung: "Nachdem ein qualifiziertes Windows-Gerät auf Windows 10 aktualisiert wurde, bleibt es für die 'unterstützte Lebensdauer des Geräts' immer auf dem neusten Stand, ist damit sicherer und wird im Lauf der Zeit mit neuen Features und Funktionen erweitert - ohne zusätzliche Kosten" die Nutzungsdauer ein.

Wenn ein Gerät mit installiertem Windows 10 das Zeitliche segnet, endet auch der Anspruch auf die Weiterverwendung des OS. Doch ist es von Microsoft rechtens, die Nutzung einer Windows-10-Lizenz an die Lebensdauer von dem PC zu knüpfen, auf dem das Betriebssystemen installiert und aktiviert wurde?

Die Meinung des Anwalts: Microsoft kann Lizenzdauer einschränken

Wir haben Rechtsanwalt Matthias Böse von der Kanzlei Dr. Rudel, Schäfer und Partner in Osnabrück um eine kurze Ersteinschätzung gebeten: Böse ist der Ansicht, dass Microsoft durch das Gratis-Upgrade-Modell selbst bestimmen könne, welche Bedingungen daran geknüpft sind - und somit auch die Dauer der Lizenz einschränken kann. Schließlich werde kein Nutzer zu dem Umstieg auf das neue OS gezwungen. Zudem sei die kostenfreie Verfügbarkeit von Windows 10 nicht schon mehrere Jahre zuvor an Käufer, die sich etwa Ende 2012 einen PC mit Windows 7 und 8 zugelegt hatten, kommuniziert worden. In dem Kaufpreis der damals erworbenen Komplettsysteme, seien also keine Kosten für das künftige Betriebssystem eingepreist gewesen.

Weiterhin stellt Böse klar, dass Nutzer jederzeit wieder zurück auf Windows 7 und 8.1 wechseln könnten, wenn ihnen die Windows-10-Bedingungen nicht passen oder der Rechner kaputt geht. Diese Annahme deckte sich mit der teltarif-Erfahrung: Entsprechende ISO-Downloads für die Vorgängerversionen stellt Microsoft im Netz zur Verfügung und über die Lizenz für das Alt-OS muss der Nutzer ja ohnehin verfügen, um überhaupt upgradeberechtigt zu sein.

Keine klare Einschätzung bei neugekauften Systemen möglich

Die gestellte Frage ließe sich allerdings bei neuerworbenen Geräten nicht so eindeutig beantworten. So wurden im stationären Handel einige Wochen vor dem Windows-10-Release ausgewählte Rechner mit einem Aufkleber versehen, die auf das kostenfreie Upgrade auf das 10er-Verion des OS hinwiesen. Ein ähnliches Prinzip wandten auch Online-Händler bei Laptops mit Windows 7 und 8.1 an, um Kunden über dieses Versprechen zu locken. Hier könnte man also damit argumentieren, dass Käufer sich die Geräte nur zulegten, weil ihnen das Versprechen gemacht wurde, Windows 10 zu erhalten. Eine finale Abschätzung würde sich allerdings nur nach längerer Betrachtung der Lizenzbedingungen treffen lassen.

Unserer redaktionellen Einschätzung nach greift dieses Argument noch stärker für aktuelle Neugeräte, auf denen bereits Windows 10 vorinstalliert ist. Hier steht das neue OS klar im Fokus und wird sozusagen von dem Käufer, wenn auch passiv, miterworben.

Fazit: Geschenk sind an Bedingungen geknüpft, die der Konzern frei festlegen kann

Microsoft hat wohl durchaus das Recht, die Windows-10-Lizenz an die Lebensdauer des jeweiligen PCs zu knüpfen und ist nicht verpflichtet, einen erneute Installation mit der Alt-Lizenz auf einem neuen PC durchführen lassen zu müssen. Zudem lässt sich festhalten, dass die Upgrade-Lizenz damit wertloser sein dürfte, als es bei herkömmlich erworbenen Windows-Lizenzen in der Vergangenheit der Fall war.

So sieht Microsoft die Lage

Microsoft hatten wir schon vorab um eine klare Position zu dem Thema gebeten, allerdings gibt sich der Konzern eher ausweichend:

Falls die "unterstützte Lebensdauer des Geräts" abgelaufen ist: Kann sich der Kunde die Update-Berechtigung kostengünstig nachordern oder muss er Windows 10 erneut erwerben?

Microsoft: Nach dem Upgrade ist ein Clean-Install per ISO möglich. An den Lizenzbedingungen hat sich nichts geändert. Die Übertragung der Software von einem auf ein anderes Gerät richtet sich nach den Microsoft-Lizenzbestimmungen und ist abhängig der technischen Voraussetzungen möglich.

In einem weiteren Artikel gehen wir darauf ein, wie sich unter Windows 10 fehlerhafte Updates ausblenden lassen.

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