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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 15.02.2012 |
Editorial: "Intel zahlt nicht an Qualcomm"14.01.2010
13:37 Wie Patentstreit die Kunden belastet
Es gibt derzeit zwei konkurrierende Übertragungsstandards für
mobile Datendienste der vierten Generation:
WiMAX bietet dabei hohe Bitraten, krankt
aber daran, dass es keinen Fallback auf langsamere, in der Regel
aber besser ausgebaute 3G- oder gar 2G-Netze gibt. Lieber
50 bis 150 kBit/s als 0 Bit/s.
LTE ist hingegen noch in der
Entwicklung, der Netzaufbau steht erst bevor.
Zudem sind die Endgeräte der beiden Funkstandards zueinander inkompatibel. Wer viel unterwegs ist und mobile Datendienste intensiv nutzt, wird an den Punkt kommen, dass er sich Funkmodems für beide Datenstandards zulegt, um immer bestmöglich versorgt zu sein. Gut für die Gerätehersteller, die zusätzlichen Umsatz machen, und schlecht für den Geschäftsreisenden, die sich mit zusätzlichen Geräten und Treibern herumschlagen dürfen. Dabei sind WiMAX und LTE technologisch vergleichbar. Beide modulieren das Signal mit OFDMA, beide kennen einen TDD-Modus, in dem Down- und Uplink auf derselben Frequenz abgewickelt werden, in dem Basisstation und Endgerät zeitversetzt senden. Am Ende wird keine der beiden Technologien wesentliche Vorteile gegenüber der anderen haben. Solchen Systemstreit gleichwertiger Technologien gibt es leider immer wieder. Bekannte Beispiele aus der Vergangenheit sind die Videoformate VHS und Betamax, die Speicherkarten-Standards SD-Karte und Memory Stick oder die DVD-Nachfolger Bluray und HD DVD. Nur selten kommt es dazu, dass einer der beiden Anbieter frühzeitig aufgibt, wie es bei der HD DVD glücklicherweise der Fall war. Erbitterte FeindeAktuell ist die Situation, dass es weltweit mehr installierte WiMAX-Netze als LTE-Netze gibt. Jedoch scheinen die Ausbaupläne der etablierten Mobilfunk-Anbieter fast ausschließlich LTE vorzusehen, so dass schon sehr bald nach Vefügbarkeit der entsprechenden Netztechnik LTE an WiMAX vorbeiziehen wird. Damit wäre es eigentlich an der Zeit, das weniger kompatible und weniger zukunftsträchtige System aufzugeben und auf einen einheitlichen Standard umzuschwenken. Auf diese Situation angesprochen, erklärte ein Intel-Mitarbeiter, der nicht zitiert werden will: "Intel zahlt nicht an Qualcomm!" Denn Intel müsste Qualcomm für Kerntechnologien bezahlen, wenn sie LTE- statt WiMAX-Endgeräten herstellen. Dieser Patent- und Technologie-Streit wird letztendlich auf dem Rücken der Kunden ausgetragen, die in vielen Fällen doppelt bezahlen. Er kann aber auch den Herstellern selber schaden, wenn nämlich die Imkompatibilität zur Folge hat, dass die Nutzer keines der beiden Systeme wählen und sich so die Umsätze entsprechend reduzieren. Bluetooth verwässertAuch dem bislang sehr erfolgreichen Bluetooth-Standard droht Ungemach. Am unteren Ende, wo beispielsweise für Spiele nur vergleichsweise geringe Bitraten und Sicherheit benötigt werden, knabbern Nokia und andere Hersteller mit Zigbee. Am oberen Ende entwickelt insbesondere Intel einen Pairing-Modus für WLAN-Karten. Die Folge auch hier: Der Nutzer braucht unter Umständen mehrere Adapter für seinen Laptop, damit dieser mit Geräten in unterschiedlichen Nahfunkstandards kommunizieren kann. Dabei hat das Bluetooth-Konsortium vor kurzem einen Standard vorgelegt, der Bluetooth und WLAN vereint, um auch höhere Bitraten per Bluetooth abwickeln zu können. Angenehmer Nebeneffekt für die Verbraucher: Ein Adapter weniger, nicht mehr. Politik!?Freiwillig einigen sich verfeindete Unternehmen selten auf gemeinsame Standards. Das gilt oft sogar dann, wenn beide Seiten durch die Nichteinigung verlieren, etwa, weil Verbraucher bestimmte Produkte oder Dienste nicht nutzen. Regulatorischer, administratorischer oder gar gesetzlicher Druck kann hingegen durchaus mehr Effekt haben. Die Tendenz geht jedoch eher in die andere Richtung, etwa Mobilfunklizenzen technologieneutral zu vergeben. Das ist grundsätzlich auch sinnvoll, denn im Zweifelsfall entwickelt sich die Technologie schneller als die Administration hinter einer Mobilfunklizenz. Denkbar sind aber weitere Forderungen an Mobilfunklizenzen, etwa der Einsatz von offenen Technologien, bei denen sich eventuelle Patentinhaber verpflichten, Patentlizenzen auf nichtdiskriminierender Basis zu vergeben. Gesetzlicher Zwang könnte in einer Vorschrift bestehen, dass Spezifikationen und Formate für den Austausch von Dokumenten, Medien oder Nachrichten zwischen Systemen patentfrei bleiben müssen. Das würde auch so manchen anderen Exzess verhindern, etwa die Zahlung von fast einer halben Milliarde, zu der Microsoft an die Firma Eolas verurteilt wurde, weil letztere sich ein Patent für die Möglichkeit zur Einbettung von dynamischen Inhalten in Webseiten gesichert hatten. Weitere Editorials
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