Themenspecial Reise und Roaming Gesperrt

Editorial: Whats down?

Brasilien hat WhatsApp 14 Stunden lang gesperrt, weil sie sich weigerten, Auskünfte über ihre Nutzer in einem Strafverfahren zu geben. Kann auf diesem Weg das Informationsungleichgewicht zwischen NSA und nationalen Behörden reduziert werden?
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Zwangsweise Sperrung von WhatsApp 48 Stunden lang sollten Provider in Brasilien nach einem Gerichtsurteil die Zugänge zum Nachrichtendienst WhatsApp blockieren. Doch nachdem die Sperre angelaufen war, hob sie ein Berufungsgericht wieder auf: Richter Xavier de Souz vom Gerichtshof des Bundesstaates São Paulo erklärte, dass eine Geldstrafe angebrachter sei, als Dutzende Millionen an Nutzern zu bestrafen. Statt 48 Stunden war der Dienst so nur 14 Stunden lang offline.

In der Tat hat Souz recht, dass es unverhältnismäßig ist, wegen eines Strafverfahrens, in dem WhatsApp einer richterlichen Anordnung auf Datenauskunft nicht nachgekommen ist, den ganzen Dienst landesweit zu sperren. Selbst, wenn diese Sperre nur befristet erfolgt.

Andererseits lösen auch Geldstrafen wahrscheinlich nicht das zugrundeliegende Problem. Das besteht darin, dass Internet-Dienste wie WhatsApp oft selbst auf wohlbegründete Auskunftsersuchen der diversen Staaten nicht reagieren, während Microsoft (Skype), Facebook (WhatsApp) oder Google (GMail) zugleich dem US-Geheimdienst umfangreichen Zugang gewähren. Im Gegenzug protegiert die USA ihre Internet-Großunternehmen, so dass sich diese nicht groß um abweichende Gesetze in anderen Ländern zu kümmern brauchen. Der Gewinn für die USA ist dann ein Informationsvorsprung.

Angesichts der genannten Lage bleibt zu wünschen, dass Brasilien die causa WhatsApp tatsächlich weiter verfolgt. Sollte sich WhatsApp künftig weiterhin weigern, brasilianischen Abhörverfügungen nachzukommen, und auch die deswegen auferlegten Geldstrafen einfach ignorieren, dann bleibt tatsächlich die Netzsperre als ultima ratio. Hoffen wir aber, dass es nicht abermals so weit kommt, und WhatsApp künftig die Daten ihrer Nutzer nicht nur an die NSA, sondern in begründeten Einzelfällen auch an die zuständigen Ermittlungsbehörden weitergibt.

Alternative: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung?

Und was, wenn Facebook/WhatsApp sich den Auskunftswünschen nicht fügt, und stattdessen auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung umstellt? Dann könnte WhatsApp tatsächlich keine Nachrichten-Inhalte mehr herausgeben, sehr wohl aber weiterhin Metadaten ("User X hat um Y Uhr eine Nachricht mit N Bytes an User Z gesendet"). Mehr würde dann aber auch die NSA nicht erhalten, die Parität beim Zugriff auf die Daten wäre so ebenfalls wiederhergestellt. Die Gewinner wären dann am Ende die User: Sie würden so wenigstens einen kleinen Teil ihrer Privatsphäre wieder zurückerhalten.

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