Zukunft

WhatsApp: So will der Messaging-Dienst Geld verdienen

Kostenlos, keine Werbung, kein Spam - das sind die Versprechen des Gründers von WhatsApp. Aber wie soll sich der Messenger finanzieren?
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Auf der DLD-Konferenz in München ließ WhatsApp-Gründer Jan Koum die Bombe platzen: WhatsApp ist künftig wieder kostenlos - obwohl es zunächst Probleme bei der lebenslangen Freischaltung des kostenlosen WhatsApp-Accounts gab. Für die Zukunft des Messengers stellen sich allerdings Fragen: Wie finanziert sich WhatsApp künftig? Was bedeutet die Ankündigung für die Konkurrenz? Kommt doch Werbung und Datenverkauf in Betracht, um die laufenden Kosten zu tragen?

Finanzierung: WhatsApp hat einen Plan

WhatsApp: So soll sich der Messenger künftig finanzieren.WhatsApp: So soll sich der Messenger künftig finanzieren. Seit der Übernahme durch Facebook hat WhatsApp keine Finanzsorgen mehr. Ganz offen sprach Koum aus, dass nun zunächst das Wachstum im Vordergrund stehe. Der Plan ist somit, mit praktischen Features zunächst möglichst viele Nutzer auf die Plattform zu locken bzw. zu halten. Später lässt sich mit Hilfe der die große Nutzerbasis Geld verdienen, da der Zugang zu so vielen Anwendern vielen Firmen einiges Wert sein dürfte. Als wichtigste Finanzierungsquelle sieht Koum dabei Kommunikationstools zwischen Verbrauchern und Unternehmen. In einem Interview mit der dpa sagte Koum, WhatsApp könnte andere Firmen dafür zur Kasse bitten, dass sie auf der WhatsApp-Plattform präsent sind.

Tatsächlich dürfte es sich hierbei um ein erfolgsversprechendes Modell handeln - zumindest, solange die Nutzer weiterhin auf WhatsApp setzen. Inzwischen nutzen viele Online-Magazine WhatsApp, um Informationen an die Leser zu verteilen oder um Feedback von den Lesern einzusammeln. Eigene APIs für diese Funktionen bietet WhatsApp derzeit aber nicht. Stattdessen haben sich Dienstleister etabliert, die den Medienbetrieben zum Teil nicht unerhebliche Beträge in Rechnung stellen und im Gegenzug die Verteilung der Nachrichten übernehmen. Auch unser WhatsApp-Push-Dienst ist mittels eines solchen Dienstleisters realisiert. Aktuell arbeiten diese Dienste jedoch in einem Graubereich, da solche Push-Dienste über die WhatsApp-Plattform eigentlich nicht vorgesehen sind. Angesichts der Popularität dieser Dienstleistung ist aber davon auszugehen, dass entsprechende Features schon bald in WhatsApp integriert werden. Im Umkehrschluss bedeutet dies wohl das schnelle Aus für die diversen WhatsApp-Dienstleister, denn WhatsApp dürfte ein großes Interesse daran haben, die Medien direkt zur Kasse zu bitten.

Weitere Features sind bei einem Messenger ebenfalls denkbar. Kundensupport mittels eines Smart­phone-Messengers könnte für viele Firmen ein interessanter Weg sein, die Kunden schneller und gezielter zu erreichen. Denkbar sind auch Geldtransfers über den Messenger. Facebook präsentierte bereits entsprechende Pläne - nun könnten diese Features auch WhatsApp 'bereichern'.

Firmen wiederum könnten mit eigenen Angeboten auf WhatsApp präsent sein: LG zum Beispiel hat eine Messenger-Lösung für das Internet-of-Things im Angebot - LG HomeChat. Warum sollte der Kunde nicht mit seiner Waschmaschine chatten wollen? Zum Beispiel könnte die Waschmaschine eine Nachricht schicken, wenn der aktuelle Wasch- oder Trockenvorgang fertig ist und selbst die Programmwahl wäre wohl mittels einer Chatlogik zu vereinfachen. Inzwischen ist HomeChat ein spezieller Kanal, der über den Messenger Line erreichbar ist. Solche Funktionen könnten zukünftig auch WhatsApp-Nutzern blühen. Vielleicht auch die Textsteuerung für den Saugroboter: "Rechts, links, einen Meter zurück, stooooooooop ..."

Vorwurf: WhatsApp könnte auf Werbung oder Datenverkauf setzen

Da die oben skizzierten Funktionen derzeit noch nicht realisiert sind, hat WhatsApp derzeit kein konkretes Geschäftsmodell. Das lässt natürlich die Spekulation zu, WhatsApp könne künftig als Einnahmequelle Werbung oder Datenverkauf einsetzen. Gegenüber der Öffentlichkeit betont Jan Koum regelmäßig, dies sei nicht geplant. Er sei sich mit Mark Zuckerberg, Chef von Facebook, einig, dass Werbung in WhatsApp nicht der richtige Weg sei, Geld zu verdienen. Auch der Verkauf oder die Auswertung von Nutzerdaten sei nicht angedacht.

Ob man den öffentlichen Aussagen Glauben schenken möchte, muss wohl jeder Nutzer für sich entscheiden. Allerdings müssen sich Koum und Zuckerberg an ihren Versprechen messen lassen. Egal wie groß die Nutzerbasis ist: Einen massiven Vertrauensverlust kann sich WhatsApp nicht leisten - schließlich sind Konkurrenten wie Snapchat oder Viber schnell installiert und eingerichtet.

WhatsApp kostenlos: Was bedeutet dies für die Konkurrenz?

Ein WhatsApp-Account gilt für Smart­phone-Nutzer als beinahe selbstverständlich. Zwar gibt es eine ganze Menge guter Alternativen, die Verbreitung kommt jedoch nicht an WhatsApp heran. Für Dienste wie Viber, Line, Threema oder Signal (willkürliche Auswahl) wird es künftig wohl noch schwerer: Unter anderem weisen diese darauf hin, dass sie kostenlos sind oder nur einmalige Kosten fordern - im zuweilen nicht explizit genannten Unterschied zu WhatsApp. Ein solches Kosten-Argument läuft nun ins Leere.

Stattdessen dürften Eigenschaften wie Datenschutz, Verschlüsselung und Sicherheit eine neue Bedeutung erhalten, um Kunden zu gewinnen. Der Erfolg von Snapchat zeigt, dass sich Nutzer durchaus für alternative Ansätze interessieren - in diesem Fall unter anderem für die nur begrenzte Speicherdauer von Bildern und Nachrichten. Daran muss sich die Konkurrenz ein Beispiel nehmen und Nutzer vom echten Mehrwert der eigenen Plattform überzeugen.

Über Alternativen zu WhatsApp informieren wir Sie auf einer Ratgeberseite zu Smartphone-Messengern.

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