Online-News

DIE WELT: Digitale Tageszeitung wird kostenpflichtig

Journalismus im Wandel: Geschäftsmodelle für News im Vergleich
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Die Axel Springer AG setzt ihren 2009 gestarteten Weg fort und bittet Nutzer ihres Nachrichtenangebots für die digitalen Ausgaben der WELT ab 12. Dezember zur Kasse. Der Schritt fällt in eine spannende Zeit des Umbruchs für den Journalismus.

Schon vor einigen Jahren hat der Springer-Verlag klar gemacht, dass er Online-Journalismus nicht als Teil der im Netz weit verbreiteten Gratis-Kultur betrachtet. 2009 stellte der Verlag die digitalen Online-Ausgaben der Berliner Morgenpost und des Hamburger Abendblatts auf ein Bezahlmodell um. Ein ähnliches Finanzierungsmodell soll nun auch auf welt.de für neue Einnahmen sorgen, was wieder einmal die Frage aufwirft: Wer ist dazu bereit, für journalistische Online-Medien zu bezahlen und wenn ja in welcher Form?

Der Zeitpunkt der Umstellung war wahrscheinlich seit längerem geplant, fällt nun aber in eine Krise traditioneller journalistischer Geschäftsmodelle, von der insbesondere die Printmedien betroffen sind. Nach dem Insolvenzantrag der Nachrichtenagentur dapd verkündete die "Frankfurter Rundschau" ihre Insolvenz. Vergangene Woche hat sich die "Financial Times Deutschland" aus der Medienlandschaft verabschiedet, das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" verkündete aufgrund von sinkenden Umsätzen und rückläufigen Anzeigen einen Stellenabbau. Branchenbeobachter prognostizieren bereits weitere "Opfer".

WELT-Bezahlmodell im Detail

Axel Springer AG in BerlinAxel Springer AG in Berlin Bei der Webseite will die WELT auf ein nutzungsabhängiges Bezahlmodell bauen und hat sich dabei am Vorbild der "New York Times" orientiert. Auf welt.de kann der Nutzer jeden Monat bis zu 20 Artikel kostenfrei lesen. Ab dem 21. Artikel müssen Nutzer ein Abonnement abschließen. Die Startseite bleibt allerdings frei nutzbar. Interessantes Detail: Artikel, auf die von Suchmaschinen, sozialen Netzwerken oder anderen Seiten verlinkt wird, können frei gelesen werden.

Eine interessante Idee ist es, dass das digitale Abo alle Angebote umfasst, also nicht nur die Webseite, sondern auch die Apps für mobile Geräte. "DIE WELT DIGITAL Basis" (= Webseite plus Smartphone-App) kostet 6,99 Euro im Monat. Das Modell "DIE WELT DIGITAL Komplett) beinhaltet die Webpräsenz plus Smartphone- und Tablet-App zum Preis von 12,99 Euro monatlich. Beim teuersten Digital-Abo bekommt der Nutzer auch wieder Papier ins Haus geliefert: "DIE WELT DIGITAL Plus WELT am SONNTAG" fügt allen Digital-Angeboten noch die Print-Ausgabe der WELT am Sonntag zu und kostet 14,99 Euro im Monat. Der Interessent kann alle neuen Pakete im ersten Monat für je 99 Cent testen. Abonnenten der gedruckten WELT oder der WELT am Sonntag sowie der jeweiligen Kompakt-Ausgaben haben grundsätzlich vollen Zugriff auf das digitale Angebot.

Spannend bleibt die technische Umsetzung der "Bezahlschranke", die schon bei den bestehenden Modellen nicht immer konsequent umgesetzt wurde. Bei der "Berliner Morgenpost" springt in einem Desktop-Browser gerade bei Artikeln mit starkem lokalen Bezug meist recht schnell die Bezahlschranke an. Genau dieselben Artikel sind aber auf der mobilen Seite im Android-Browser komplett frei und in voller Länge zugänglich. Und die momentan erhältliche Android-App der WELT funktioniert erst ab Android 3.0, das nur auf Tablets zum Einsatz kam. Nach Erscheinen des iPhone 5 dauerte es etwas, bis die iPhone-App mit dem Display des neuen Smartphones kompatibel war.

Beispiel teltarif.de: Freie Webseite mit Verzicht auf Adblocker

Im Vergleich dazu setzt teltarif.de als reines Online-Magazin auf ein komplett frei zugängliches Webangebot, das ja nicht nur Nachrichten, sondern auch ein umfangreiches Serviceangebot mit Infoseiten und Tarifrechnern beinhaltet. Doch auch bei uns ist der Qualitäts-Journalismus nicht ganz "kostenlos" zu bekommen - ein Blick in unsere Nutzungsbedingungen beantwortet die Frage der Finanzierung:

"Der Abruf der auf der Website dargebotenen Inhalte ist kostenfrei [...]. Daher erkennt jeder Nutzer mit dem Aufruf der Webseiten an, die über teltarif.de versandte Werbung zu akzeptieren und deren Aufruf nicht wissentlich zu be-/verhindern. teltarif.de behält sich vor, Maßnahmen gegen Leser zu ergreifen, die dieses Austauschverhältnis einseitig missachten."

In der Realität ist es aber schlicht und ergreifend so, dass wir unsere Leser für so mündig und ehrlich halten, dass sie uns bei der Fortführung dieses seit fast 15 Jahren funktionierenden Geschäftsmodells unterstützen, ohne dass wir technische Barrieren zur Aussperrung errichten müssen.

Anderes Modell: Querfinanzierung durch Verlagsangebote

Im Rahmen der aktuellen Krise im Print-Journalismus stellt sich die Frage, wie andere Verlage mit vielen angestellten Redakteuren und Reportern ihre zum Teil umfangreichen kostenfreien Online-Newsangebote finanzieren. Das Stichwort heißt hier "Querfinanzierung". Insbesondere der Süddeutsche Verlag (Süddeutsche Zeitung) und der Zeitverlag (Die ZEIT) haben mittlerweile umfangreiche Publikations- und Vertriebsmodelle aufgebaut, beispielsweise für Buch- und DVD-Editionen. Selbst Uhren, Wein, eBooks, Schreibwaren und Handtaschen werden über die Verlags-Shops vertrieben.

Ob diese Einnahmen zukünftig die Web- und Mobil-Angebote finanzieren und gleichzeitig die schwindenden Umsätze im Print-Geschäft auffangen können, bleibt abzuwarten. Zu beobachten ist allerdings, dass viele Nutzer sich von einer Gratis-Webseite verabschieden, wenn diese zu stark mit Werbung "vollgekleistert" ist, oder wenn eine "Bezahlschranke" errichtet wird. Bei der Online-Ausgabe der "New York Times" hat ein Marktforschungsunternehmen nach Einführung des Bezahlmodells einen Rückgang der Seitenaufrufe zwischen 11 und 30 Prozent registriert.

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