Was ist eigentlich mit ...

PDAs: Digitale Organizer wurden durch Smartphones abgelöst

Palm, Psion, Apple und Microsoft prägten Markt für Kleincomputer
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PDAs: Digitale Organizer wurden durch Smartphones abgelöstPDAs: Digitale Organizer wurden durch Smartphones abgelöst PDAs waren die ersten Computer für die Hosentasche. Kalender, Office-Anwendungen und Adress­ver­waltung bildeten die Kern­kompetenz, die die digi­talen Begleiter nicht nur für Business-Kunden interessant machte. Im Zeitalter von Smart­phones und Tablets spielen PDAs aber keine Rolle mehr.

Portable Computer gab es bereits seit den 1970er Jahren, doch in die Hosentasche passte davon keiner. Außerdem musste am Ver­wendungs­ort in der Regel ein Monitor oder Fernseher für die Bildausgabe vorhanden sein. Am Körper tragbare Komplett-Kleincomputer kannte die Welt daher in der Regel aus Science-Fiction- und James-Bond-Filmen - bis zum Jahr 1992.

Erste PDAs ab 1992 - Unternehmen Palm als Pionier

Der erste PDA erblickte im Jahr 1992 das Licht der Welt. Er nannte sich "Tandy Zoomer" und wurde noch von der "Taschenrechner-Firma" Casio gefertigt. Als GEOS-basiertes Betriebssystem bekam er eine Abwandlung des GRiD-Systems, das die Tandy Corporation zusammen mit dem Entwickler Jeff Hawkins gekauft hatte. Schließlich entschloss man sich aber dazu, Jeff Hawkins die PDA-Entwicklung in einer eigenen Firma fortführen zu lassen - das Unternehmen Palm war geboren. Der Tandy Zoomer hatte einen NEC-Prozessor auf Basis des Intel 8088, 4 MB ROM-Speicher, 1 MB Arbeitsspeicher und wog über 450 Gramm. Das LC-Monochrom-Display hatte eine Auflösung von 320 mal 256 Pixel und beherrschte bereits Handschrifteingabe. Diese war aber so ungenau, dass dem Tandy Zoomer kein kommerzieller Erfolg beschieden war.

Palm entwickelte sich in der Anfangszeit trotz finanzieller Schwierigkeiten zum Marktführer auf dem PDA-Markt. Die ersten ernsthaften Konkurrenten folgten bereits ein Jahr später. Die PDAs AT&T EO440 und EO880 hatten beispielsweise ein Modem für Datenübertragung mit 14,4 kBit/s und Faxübertragung mit 9,6 kBit/s. Neben dem Amstrad PenPad PDA600 war es überwiegend der heutzutage Kultstatus genießende Apple Newton, der ab 1993 in verschiedenen Auflagen fünf Jahre lang verkauft wurde. Das Betriebssystem Newton OS lief zuerst auf einem PDA mit ARM-610-Prozessor (20 MHz Taktfrequenz), 4 MB ROM und 640 kB Arbeitsspeicher. Verbaut war im ersten Modell ein einfarbiger Flüssigkristallbildschirm mit einer Auflösung von 336 mal 320 Pixel. Der Apple-PDA konnte bereits eBooks in einem eigenen Format darstellen. Legendär war der Auftritt des Apple Newton im Kinofilm "Alarmstufe: Rot 2" (Video-Zusammenschnitt).

Durchbruch des Palm (Pilot) und die Psion- und Windows-Konkurrenz

Ein PDA von Palm - ergänzt durch eine externe KameraEin PDA von Palm - ergänzt durch eine externe Kamera Die Marktführerschaft errang Palm ab Mitte der 1990er Jahre mit dem Palm Pilot, die Geräte wurden immer leistungsfähiger und auch die Touchscreenbedienung machte Fortschritte. Trotzdem sehnten sich viele Nutzer nach einer vollwertigen Tastatur bei einem taschentauglichen Gerät. Diese Wünsche befriedigte seit 1992 die Firma Psion, die klappbare Taschen-Organizer mit QWERTZ-Tastatur und EPOC-Betriebssystem verkaufte. EPOC wurde später übrigens zum Smartphone-Betriebssystem Symbian weiterentwickelt. Die erfolgreichsten Geräte mit diesem Konzept waren der Psion Serie 5 und der Psion Revo.

Ein PocketPC von Fujitsu-Siemens, hier für die HaussteuerungEin PocketPC von Fujitsu-Siemens, hier für die Haussteuerung Mitte der 1990er Jahre wachte dann auch Microsoft auf und witterte einen Markterfolg bei kleinen, tragbaren Taschencomputern. Das erste Ergebnis war das ab 1996 entwickelte Windows CE, das nicht nur auf PDAs, sondern auch auf Embedded-Computern zum Einsatz kam. Ab 2000 sprach Microsoft dann von "Pocket-PCs", die in Kooperation mit diversen Hardware-Herstellern vertrieben wurden. Einen nennenswerten Markterfolg erzielten die Pocket-PCs allerdings erst mit der Markteinführung des Betriebssystems Windows Mobile im Jahr 2002. Obwohl die Windows-Geräte nicht immer stabil liefen, freuten sich viele Nutzer über die vom PC bekannte Windows-Optik und die guten Synchronisationsmöglichkeiten mit dem Desktop-Windows. Windows Mobile bildete den Ausgangspunkt für das heutige Smartphone-Betriebssystem Windows Phone.

Abstieg und Verdrängung durch Smartphones

Alles in einem Gerät: Ein Vertreter der Nokia-Communicator-SerieAlles in einem Gerät: Ein Vertreter der Nokia-Communicator-Serie Obwohl PDAs, Handhelds und Organizer aller Hersteller im Laufe der Jahre leistungsfähiger wurden und zum Teil auch multimediale Features (MP3- und Videoplayer), eBook-Lesefunktion und Farbdisplays mitbrachten, blieb der Funktionsumfang der Geräte aus Platzgründen meist beschränkt. Viele wünschenswerte Funktionen wie WLAN, Kamera, GPS, Bluetooth und GSM-Nodul mussten oft per Steckkarte, Ansteckmodul oder über Kabel angeschlossenes Zubehör nachgerüstet werden. Diese Konstruktionen waren wegen schlecht programmierter Treiber manchmal unausgereift - und der Nutzer schleppte mitunter einen ganzen Beutel voller Zubehör mit dem PDA herum. Darüber hinaus war das Zubehör aufgrund der geringen Anzahl von Schnittstellen oft nicht gleichzeitig benutzbar.

Bereits 1996 wagte Nokia einen großen Schritt in die Zukunft: Der Nokia Communicator 9000 integrierte Organizer, QWERTZ-Tastatur, zwei Displays, Mobilfunk, Fax, Datenmodem und HTML-Browser in einem Gerät und war damit seiner Zeit weit voraus. Obwohl die Communicator-Serie auch aufgrund ihres hohen Preises keine großen Marktanteile erringen konnte, ebnete das Konzept den Weg für die heutigen Smartphones. Immer mehr erschwingliche Mobiltelefone konnten erst mit mobilem Internetzugang, Multimedia-Funktionen und später mit Touchscreen aufwarten. Die Zeit der PDAs ging damit zu Ende; heute spielen sie am Markt keine Rolle mehr, insbesondere seit Smartphones mit Bildschirmdiagonalen ab 5 Zoll erhältlich sind. PDA-Feeling begegnet uns ab und zu noch in Kleingeräten wie Paketdienst- und Arzt-Terminals sowie bei Maschinensteuerungen.