Studie

VoLTE-Gespräche brechen viermal häufiger ab als reguläre Handy-Telefonate

VoLTE, die Telefonie per LTE, wird von einigen Netzbetreibern als Heilsbringer betrachtet. Aber können sie mit VoLTE auch die gewohnte Telefoniequalität bieten? Eine Studie kommt zu ernüchternden Ergebnissen.
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Kann VoLTE schon UMTS- und GSM-Telefonie ersetzenKann VoLTE schon UMTS- und GSM-Telefonie ersetzen? Können Techniken wie VoLTE oder VoIP irgendwann die reguläre Telefonie per GSM und UMTS ersetzen? Bei VoIP waren die Netzbetreiber und Mobilfunkprovider skeptisch und bis heute verbieten oder sperren viele Anbieter VoIP-Telefonate in ihren Netzen, weil sie den Telefonie-Service nicht aus der Hand geben möchten. Mit VoLTE, das von vielen Netzbetreibern mittlerweile forciert wird, versuchen die Anbieter beispielsweise, Kosten zu sparen.

Doch um die Zuverlässigkeit von VoLTE im harten Alltag ist es wohl noch nicht so gut bestellt wie die Netzbetreiber gerne hätten. Dies geht aus einer Studie hervor, die Amdocs, ein Anbieter von Customer-Experience-Lösungen, vorgelegt hat. Das ernüchternde Ergebnis: Anrufe über VoLTE werden vier bis fünf Mal öfter unterbrochen als über 2G/3G.

Probleme: Inhouse-Versorgung, Events und teures Roaming

Amdocs sieht eine sich jährlich verdoppelnde Nachfrage nach Daten bei den Mobilfunk-Kunden. Davon sind auch darauf aufbauende Services wie VoLTE betroffen. Interessant ist, dass die Macher der Studie auf einen relativ großen Pool an Daten zugreifen konnten. Die Studie beruht auf der Auswertung von mehr als 25 Millionen Sprach- und Datenverbindungen aus dem vergangenen Jahr, und diese Daten wurden bei weltweit 80 verschiedenen Netzbetreibern erhoben.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Qualität von VoLTE noch nicht an die herkömmlichen Sprachdienste GSM und UMTS heranreicht, die es perspektivisch ersetzen soll. Für die Netzbetreiber bedeute dies, dass sie darum einen hohen Aufwand für die Anpassung betreiben müssten.

Als großes Problem sehen die Analysten die mitunter mangelhafte Mobilfunkversorgung in Gebäuden, die meist eine schlechtere Versorgung mit mobilem Internet nach sich zieht. Darunter leidet auch VoLTE. Nutzer innerhalb von Gebäuden hätten 25 Prozent öfter Probleme als Anwender, die im Freien das Mobilfunk-Datennetz verwenden.

Weitere Problemfelder sieht Amdocs bei Musik- und Sportveranstaltungen sowie beim Roaming im Ausland, bei denen entweder das Netz überlastet ist (Events) oder Zusatzkosten für die Datenübertragung anfallen (Daten-Roaming). Amdocs stellt die Theorie auf, dass die Netzwerkqualität für die Nutzung im Ausland für den Anwender um bis zu 25 Prozent schlechter ist. Hierbei ist wahrscheinlich berücksichtigt, dass viele im Inland LTE-fähigen Daten-Tarife im Ausland nur das UMTS-Netz nutzen dürfen, weil kein LTE-Roaming-Abkommen besteht.

Schlussendlich nutzt Amdocs die Studie auch dazu, den Netzbetreibern die eigenen Produkte und Services anzubieten. Ganz allgemein kommt der Anbieter aber zu dem Schluss, dass die Netzbetreiber ihre Netzwerke wesentlich effizienter verwalten und auch bei Engpässen die erwartete Qualität bieten müssten, damit der Nutzer VoLTE als genauso zuverlässig wie die bisherige Mobiltelefonie wahrnimmt.

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