Gewinneinbruch

Vodafone-Group: Weltweit 90 Prozent Gewinnrückgang?

Vernachlässigung des europäischen Netzausbaus rächt sich
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Vodafone-Group: Weltweit 90 Prozent Gewinnrückgang?Vodafone-Group: Weltweit 90 Prozent Gewinnrückgang? Die weltweit aktive Vodafone-Group musste einen 90-prozentigen Gewinnrückgang gegenüber dem Vorjahr hinnehmen, rechnet das englische Nachrichtenportal Telecoms.com im Internet vor. Der Netzbetreiber meldete für das Ende März 2013 abgelaufene Geschäftsjahr einen Gewinn von 673 Millionen britischen Pfund (ca. 785 Millionen Euro) was im Gegensatz zu einem Jahresgewinn von 7 Milliarden Pfund (ca. 8,2 Milliarden Euro) im Vorjahr stünde, diese Zahl ist aber auf den offiziellen Seiten von Vodafone im Jahresbericht 2012 auf Anhieb nicht zu finden.

Weitere dicke Brocken trafen das Unternehmen: In Italien und Spanien mussten 7,7 Milliarden Pfund abgeschrieben werden - eine Folge der europäischen Wirtschaftskrise. Wie das Unternehmen offiziell auf seiner Homepage mitteilte, sanken die Erlöse um 4,2 Prozent auf 44,4 Milliarden britische Pfund (51,8 Milliarden Euro), während die "organischen Service-Umsätze" um 1,9 Prozent zurück gingen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank um 3,1 Prozent auf 13,3 Milliarden Pfund. Vodafone ist einer der größten Mobilfunkanbieter der Welt. In Großbritannien und Deutschland ist das Unternehmen jeweils die Nummer zwei im Markt.

Erfolgreiche Vodafone-Beteiligung an Verizon Wireless

Richtig schwarze Zahlen sah Vodafone aus seinem historisch bedingten Anteil am amerikanischen Mobilfunknetzbetreiber und dortigen Marktführer "Verizon Wireless", woran die Gruppe einen Anteil von 45 Prozent hält. Hier stieg der Gewinn um stolze 30,5 Prozent auf 6,4 Milliarden Pfund (etwa 7,8 Milliarden Euro).

Die aus den USA kommende 2,1 Milliarden Pfund schwere Dividende will Vodafone diesmal nicht an die eigenen Aktionäre weiterreichen, sondern das Geld im Unternehmen belassen, um das kontinuierlich schwächelnde Europageschäft zu kompensieren. Bisher hatten die Briten ihre Aktionäre immer an dem amerikanischen Geldsegen beteiligt. Trotz dieser Nachrichten stieg die Vodafone-Group-Aktie an der Londoner Börse leicht an.

Schon länger möchte Verizon die Europäer aus dem eigenen Geschäft heraus haben, und immer gab es Gerüchte und Spekulationen dazu. So wurde eine Allianz aus AT&T und Verizon vermutet, welche die Vodafone Group komplett übernehmen und dann zerlegen könnte. Das sei aber dann am durch die Gerüchte dramatisch gestiegenen Börsenkurs gescheitert. Trotz alledem ist Verizon weiterhin am kompletten Vodafone-Anteil interessiert. Auf einer Investorenkonferenz soll den Briten unter der Hand 100 Milliarden Dollar angeboten worden sein, doch Vodafone - so ist zu hören - wolle erheblich mehr haben.

Vodafone rechnet in Europa mit weiterem Gegenwind durch Regulierungsbehörden

Für das laufende Jahr rechnet die Vodafone Group mit weiterem Gegenwind durch die Konkurrenz und speziell in Europa durch die Regulierungsbehörden, etwa durch gesunkene Interconnect- und von der EU zwangsweise gesenkte Roaming-Entgelte.

Zudem hat der Vodafone-Konzern noch den Kauf des Infrastrukturproviders "Cable und Wireless" zu verdauen. Im operativen Geschäft kämpft Vodafone-Group-Chef Vittorio Colao angesichts der Schuldenkrise in weiten Teilen Europas gegen spürbare Rückgänge. Um das Schiff zu drehen, sollen in Stammmärkten Personalstellen gestrichen oder in günstigere Länder verlagert und überall Kosten gesenkt werden. Der Kostendruck ist bereits so stark, dass man bei Vodafone sogar auf Netz-Kooperationen mit der örtlichen Konkurrenz setzt, was früher undenkbar gewesen wäre.

In Deutschland wurde ein Breitband-VDSL-Nutzungsabkommen mit der Deutschen Telekom abgeschlossen, im Heimatland Großbritannien wird Vodafone gemeinsam mit dem Erzfeind o2 (frühere British Telecom Cellnet) das LTE-Funknetzwerk nutzen. In Spanien wird gemeinsam mit Orange (France Telecom) ein Glasfasernetzwerk aufgebaut, ebenso in Portugal.

Trotz aller Hiobsbotschaften bleibt Colao optimistisch: "Bei unseren langfristigen Aussichten wächst der Appetit der Kunden auf Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung stetig, denn Konzerne versuchen, Mobilität in ihre Unternehmensstrategie einzubauen".

Geld für Netzausbau in Europa fehlt wegen Investitionen in Asien und Afrika

Das Marktforschungsunternehmen Ovum ist der Ansicht, dass die Telefongesellschaften in Europa in erster Linie auf ihren Heimatmärkten die Verhältnisse stabilisieren sollten. Vodafone hatte beispielsweise viel in die sogenannten aufstrebenden Märkte in Asien und Afrika investiert, mit Geld, was jetzt beim Netzausbau und Kundenservice in Europa spürbar fehlt. Nun warnen die Marktforscher, dass die aufstrebenden Märkte schneller gesättigt sein könnten und das Wachstum schon abebben könnte. Gemessen an der Kundenzahl werde es weniger Umsatz und Gewinn geben, sprich: Es rentiert sich nicht mehr so stark wie früher.

Die Unternehmen sollten "innovativ und pragmatisch sein und zu robustem Wachstum zurückkehren", fordern die Marktforscher ebenso wie die Konzentration auf neue Geschäftsmodelle und Preisstrategien. Aus diesen Vorschlägen ist das "Vodafone Red"-Tarifmodell entstanden, das als Antwort auf die Bedrohung durch Over-the-Top-Player (OTT-Player) wie Whatsapp, Skype, Yuilop oder andere Anbieter gedacht ist.

In den Vodafone-Red-Tarifen, die bislang in 14 Ländern auf dem Markt sind, werden Kombinationstarife mit Sprach- und SMS-Flatrates und bis zu 2 GB Highspeed-Datenvolumen angeboten. Weltweit haben bereits 4,1 Millionen Kunden diese Tarife bis 12. Mai abgeschlossen. Doch auch die Wettbewerber setzen auf ähnliche Tarif-Modelle.

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