Vectoring-Diskussion

VDSL2 Annex Q: Alternative zu aktuellen Vectoring-Problemen?

Ein neuer VDSL-Standard könnte ein neues Telekom-Monopol verhindern: VDSL2 Annex Q ermöglicht hohe Geschwindigkeiten ohne Vectoring. Der Breko fordert, das müsse bei einer Regulierungsentscheidung berücksichtigt werden.
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Die Deutsche Telekom könnte bald ein neues Technologie-Monopol bekommen. Das zumindest geht aus dem Konsultationsentwurf der Bundesnetzagentur vom November zur Entscheidung um den Einsatz von VDSL Vectoring im Nahbereich der Vermittlungsstellen hervor. Der Hintergrund: VDSL Vectoring kann nur von einem Netzbetreiber pro Standort realisiert werden, dieses soll nach einem entsprechenden Antrag die Deutsche Telekom werden. Wie schon mehrfach berichtet, gehen die Wettbewerber hier auf die Barrikaden: Sie befürchtet große Nachteile für sich und den Markt und fordern Alternativen. Jetzt bringen sie einen neuen VDSL-Standard ins Spiel, der den Einsatz von VDSL Vectoring überflüssig machen könnte.

Bei dem Standard handelt es sich um VDSL2 Annex Q, der vom Hardware-Ausrüster Alcatel-Lucent auch als Vplus vermarktet wird. Über Vplus hatte teltarif.de im vergangenen Herbst bereits berichtet. Damals hieß es, Vplus könnte es in zwei Geschwindigkeitsstufen geben, die sich maßgeblich nach der Entfernung zwischen Kunde und VDSL-Technik richten. Bis zu 500 Meter Entfernung könnte ein Downstream von 200 MBit/s realisiert werden, bei einer Entfernung von maximal 250 Meter sogar 300 MBit/s. Die machbare Grenze bei Vplus liege bei einer Entfernung von 550 Meter. Das entspricht dem Nahbereich der Vermittlungsstellen, um die es in diesem Verfahren geht.

Breko: VDSL2 Annex Q hätte berücksichtigt werden müssen

VDSL Annex Q als Alternative?VDSL Annex Q als Alternative? Der Chef des Wettbewerbsverbandes Breko, Dr. Stephan Albers, unterstreicht in einer Stellungnahme dazu: "VDSL2 Annex Q kann auch ohne Vectoring eingesetzt werden, wodurch die Möglichkeit zur Entbündelung erhalten bleibt." Im Klartext: Neben der Telekom könnten auch andere Wettbewerber eigene VDSL-Leitungen realisieren und wären nicht auf die Telekom und ihre Vorleistungen angewiesen. "VDSL2 Annex Q wurde bereits im Juli 2015 standardisiert und am 6. November 2015 durch die ITU-T freigegeben. Es hätte daher im Rahmen der Abwägungsentscheidung der Beschlusskammer berücksichtigt werden müssen", kritisiert Albers.

Im Rahmen der ersten Vectoring-Entscheidung vor einigen Jahren, bei der es um den generellen Einsatz von VDSL Vectoring außerhalb der Nahbereiche ging, wurde auch das in der Entwicklung befindliche Node-Level-Vectoring als Alternative genannt, damit mehrere VDSL-Anbieter ihre Anschlüsse technisch realisieren können. Zumindest für Deutschland scheint der Einsatz von Node-Level-Vectoring aber unwahrscheinlich: Nach teltarif.de-Informationen müssten die betreffenden Anbieter dazu die gleiche Technik einsetzen. In der Praxis setzen die verschiedenen Netzbetreiber jedoch auf unterschiedliche Hardware-Ausrüster.

Die Wettbewerber der Telekom hatten gestern angekündigt, dass sie gegen eine Entscheidung der Bundesnetzagentur, die inhaltlich dem Konsultationsentwurf gleicht, eine Verfassungsbeschwerde einreichen würden.

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