VDSL

Nicht flächendeckend? Streit um VDSL-Vectoring-Ausbau der Telekom

Es gibt weiter Ärger um den VDSL-Vectoring-Ausbau der Telekom. Dabei geht es vor allem darum, ob ein Ort mit VDSL flächendeckend versorgt sein muss, wenn in ihm mit VDSL 100 geworben wird. Auch die Vectoring-Liste sorgt für Ärger.
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Die Deutsche Telekom hat vor etwa einem Monat angekündigt, in 57 Ortsnetzen in Deutschland schon in den kommenden Wochen und Monaten Internet mit bis zu 100 MBit/s im Downstream und 40 MBit/s im Upstream anbieten zu wollen. Möglich machen soll das die neue Technologie VDSL Vectoring. Um diese einzusetzen, muss die Telekom ihre Kabelverzweiger (Kvz) aufrüsten. Das gilt auch für Wettbewerber, die diese Technik einsetzen wollen, um ihre Kunden zu versorgen. Die Technik ermöglicht jedoch nur einem Anbieter pro Kvz die Verwendung.

Nun mehren sich die Stimmen, die sagen, dass die Telekom-Aussagen, man wolle schon bald VDSL 100 in 57 Städten anbieten, nicht korrekt sind. Dabei geht es vor allem um die Definition der Abdeckung und ob es eine flächendeckende Versorgung gibt oder nur einzelne Kvz versorgt sind. So äußert sich beispielsweise EWE Tel gegenüber unserer Redaktion, dass die öffentliche Ankündigung der Telekom, in Wilhelmshaven Vectoring anzubieten, unverständlich sei. Dies bewerbe die Telekom in der Stadt, "obwohl sie dort keinesfalls flächendeckend Vectoring einsetzen kann". Der Grund: Allein EWE Tel habe etwa 130 Kvz mit VDSL erschlossen und diese Baumaßnahmen seien vor den Aktivitäten der Telekom abgeschlossen gewesen. Ein Einsatz von Vectoring sei hier nicht möglich. "Kommunaler Politik und Bürgern wird hier in Meldungen und Werbung von der Telekom etwas suggeriert, was so nicht stimmt", so der Vorwurf. Nach einer uns vorliegenden Liste ist in keinem der 57 Ortsnetze ein flächendeckender VDSL-Ausbau geplant, da in keinem Ort alle Kvz mit VDSL erschlossen sind.

Telekom weist Vorwürfe zurück

Streit um VDSL-Ausbau: Wann gilt ein Ort als ausgebaut?Streit um VDSL-Ausbau: Wann gilt ein Ort als ausgebaut? Die Telekom hat gegenüber teltarif.de Stellung zu den Vorwürfen genommen und sie zurückgewiesen. "Wir haben das Ziel, in den Vectoring-Gemeinden das gesamte Ortsnetz auszubauen. Im Nahbereich um die Hauptverteiler ist das regulatorisch bisher leider nicht möglich. In einzelnen Kommunen kann es zudem vorkommen, dass der ein oder andere Kabelverzweiger nicht versorgt werden kann, beispielsweise weil er von einem Wettbewerber erschlossen ist." Konkret zum Beispiel Wilhemshaven heißt es, "auch in Wilhelmshaven wollen wir Vectoring möglichst breit einsetzen." Man warte jetzt auf "das Ergebnis der Vectoring-Liste, um zu sehen, an welchen Standorten wir Vectoring in Betrieb nehmen dürfen." In Zukunft wolle die Telekom auch Vectoring-Vorleistungen von Wettbewerbern beziehen. So könnte dann ein Anbieter in der Tat ein ganzes Ortsnetz vermarkten, ohne es selbst technisch komplett erschlossen zu haben.

Vectoring-Liste offenbar im Rückstand, zusätzliches Personal bei der Telekom

Die angesprochene Vectoring-Liste ist für EWE Tel ebenfalls ein Ärgernis. Insgesamt habe das Unternehmen 3 000 Kabelverzweiger für den Vectoring-Ausbau angemeldet, teilte der Anbieter unserer Redaktion mit. Eigentlich sollten die Antworten nach einer Anmeldung binnen weniger Tage vorliegen, für den ersten Schwung hatte die Branche jedoch schon mit längeren Antwortzeiten gerechnet. Bis zum 20. August, also 16 Arbeitstage nach dem Start am 30. Juli, hat man nach eigenen Bekunden weniger als 20 Prozent der Rückmeldungen bekommen. Bis Ende des Monats müssen alle Antworten vorliegen - abzuwarten bleibt, ob das noch zu schaffen ist. Die Vectoring-Liste wird von der Telekom im Auftrag der BNetzA gepflegt.

Die Telekom bestätigte auf Nachfrage, dass bei ihr eine vierstellige Anzahl von Anmeldungen für die Vectoring-Liste eingegangen ist, "die wir so schnell wie möglich und chronologisch in das System einpflegen". Die Bundesnetzagentur prüfe bei Terminen vor Ort, dass das korrekt erfolge. "Wir versuchen, sämtliche Rückmeldungen bis zum 27. August zu geben", teilte ein Sprecher unserer Redaktion mit. "Das ist nicht ganz einfach, weil die Anmeldungen teilweise Fehler enthalten, was die Bearbeitungszeit erhöht. Unser Personal für die Bearbeitung der Vectoring-Liste haben wir bereits um 50 Prozent erhöht."

Übrigens: Die VDSL-100-Anschlüsse werden nicht nur von der Telekom, sondern auch von Anbietern wie 1&1, o2 und Vodafone vermarktet. Welcher der Anbieter das günstigste Angebot macht, lesen Sie in unserem Tarifvergleich.

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