Vectoring

Wettbewerber: Telekom-VDSL-Plan sorgt für Unterversorgung

Die Lobbyarbeit zur anstehenden VDSL-Vectoring-Entscheidung im Nahbereich läuft auf Hochtouren. Die Wettbewerber argumentieren deutlich gegen die Telekom-Pläne. Ein großer Teil der Haushalte im Nahbereich bleibe unterversorgt.
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Kritik an den AusbauplänenKritik an den Ausbauplänen Fast ein Jahr ist es nun her, dass die Deutsche Telekom bei der Bundesnetzagentur einen Antrag auf Regulierung der Kupferleitung im Nahbereich um die Vermittlungsstellen (Hauptverteiler, Hvt) gestellt hat. Seitdem rangeln Wettbewerber, Telekom und ihre Lobbyisten mit ihren Argumenten für oder gegen den Antrag und steiten über mögliche Folgen. Ein Jahr - und trotzdem sind viele Fragen offen. Nicht nur, wie am Ende über den Antrag entschieden wird, sondern auch, welche Bedeutung er wirklich für den Breitbandausbau hat.

Eigentlich, so die Telekom, sollten etwa 6 Millionen Haushalte mit mindestens 50 MBit/s versorgt werden. Das sind jene Haushalte, die sich im Nahbereich der Vermittlungsstellen in Deutschland befinden. Doch nicht alle Haushalte in den Nahbereichen profitieren wirklich - so zumindest die Darstellung der Wettbewerbsverbände. "Die Selbstverpflichtungserklärung der Telekom für den geplanten Vectoring-Ausbau in den Nahbereichen der rund 8000 Hauptverteiler sieht vor, dass nicht alle Haushalte angeschlossen werden, sondern 380 000 Haushalte vollkommen ohne 50-MBit/s-Versorgung auskommen müssten", erläutert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Das bedeute auch, dass den Kommunen die Möglichkeit genommen werde, die Hvt-Nahbereiche nach den Regeln des Breitbandförderprogramms der Bundesregierung zu erschließen.

Nur 420 000 Haushalte erstmals mit 50 MBit/s versorgt

In den Nahbereichen der Vermittlungsstellen gibt es zum Teil schon heute VDSL aus den Hauptverteilern oder Kabel-Internet, so dass oftmals schon schnelle Leitungen vorhanden sind. "Nach Untersuchungen der Regulierungsbehörde stehen den 380 000 unversorgten Haushalten nur 420 000 erstmals mit 50 MBit/s versorgte Haushalte im ländlichen Raum gegenüber“, so VATM-Präsident Martin Witt. Auch der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) schätzt die Zahl der zusätzlich versorgten Haushalte als eher gering an, das Ausbauziel der Bundesregierung werde nur marginal unterstützt. Die Zahl von knapp 400 000 auch künftig nicht versorgten Haushalte sei auch dem Breko bekannt, sagten Verantwortliche des Verbandes bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Der Breko moniert darüber hinaus, dass der Konsultationsentwurf der Bundesnetzagentur zwar eine lokale Abwendung eines Infrastruktur-Monopols vorsieht, diese aber offenbar nur theoretischer Natur ist. Damit ein Wettbewerber alternativ zur Telekom einen Nahbereich mit VDSL Vectoring erschließen dar, sollte er zunächst mehr Kabelverzweiger als die Telekom erschlossen haben. Kurze Zeit später wurde die Formulierung in einem Eilverfahren zur absoluten Mehrheit geändert, inzwischen sei sogar von einer (nicht weiter definierten) qualifizierten Mehrheit die Rede. Das sei in der Praxis für Mitbewerber kaum zu machen.

Zudem gebe es insgesamt 641 Vermittlungsstellen (von knapp 8000), die keine weiteren Kabelverzweiger haben. In diesen gebe es also noch nicht einmal theoretisch die Chance, technischer Betreiber zu werden. Zu vermuten ist, dass diese Vermittlungsstellen in sehr ländlichen Bereichen stehen.

Am Montag trifft sich der Beirat der Bundesnetzagentur, um über den Konsultationsentwurf zu diskutieren. Im November zeigte der Beirat sich in einer ersten Reaktion wenig begeistert.

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