Fragen und Antworten

VDSL Vectoring: Die Ausbau-Liste für schnelles Internet startet

Wir erklären, was der Start der VDSL-Vectoring-Liste bedeutet, wer sie einsehen darf und warum die Anbieter sich gut überlegen sollten, ob sie einen Ausbau anmelden. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
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Die VDSL-Vectoring-Liste startetDie VDSL-Vectoring-Liste startet Es ist soweit: Die lange angekündigte Vectoring-Liste startet heute. Doch was bedeutet das eigentlich? Was ist die Vectoring-Liste, welche Bedeutung hat sie, wer führt sie und warum muss es sie geben? Wer profitiert von ihr und was haben die Kunden am Ende von einer solchen Liste? Wir zeigen Ihnen, welche Bedeutung die Vectoring-Liste für den Breitband-Ausbau in Deutschland hat.

Was ist Vectoring und was ist die Vectoring-Liste?


In der Vectoring-Liste (oder auch VDSL-Vectoring-Liste) werden alle Kabelverzweiger gesammelt, an denen die Deutsche Telekom oder alternative Netzbetreiber VDSL Vectoring ausbauen wollen. VDSL Vectoring ist die Erweiterung von VDSL und soll Datenraten von bis zu 100 MBit/s im Downstream und 40 MBit/s im Upstream im Umkreis von etwa 500 Metern um den Kabelverzweiger ermöglichen. Technisch werden dabei Störsignale, die es auf einer Leitung immer gibt, durch eine Gegenstörung behoben - ähnlich den Noise-Cancelling-Kopfhörern, die Lärm von Außen mindern. Damit dieser Effekt möglich wird, darf aber nur ein einziger Anbieter diese Technik einsetzen. Um einen möglichst fairen Wettbewerb zu realisieren, muss eine Liste geführt werden, in der die Anbieter ihre Ausbauvorhaben anmelden. Andernfalls würden unter Umständen mehrere Anbieter parallel bauen und es würden unnötig Gelder und Ressourcen verschwendet.

Wer führt die Liste und wie tragen sich die Anbieter ein?


Die Liste wird von der Deutschen Telekom geführt, was bei den Mitbewerbern zu Beschwerden geführt hat. Sie befürchten, dass die Telekom die Anmeldungen von Alternativ-Anbietern dazu nutzt, um nach einer Anmeldung eines anderen Anbieters schnell ein eigenes Ausbauvorhaben einzutragen. Eintragungen in die Vectoring-Liste erfolgen über eine spezielle E-Mail-Adresse, die die Deutsche Telekom hierfür eingerichtet hat. Hierbei sind bestimmte formale Vorgaben einzuhalten.

Und wie wird der Missbrauch verhindert?


Der Netzbetreiber erhält unmittelbar nach Eingang seines Eintragungswunsches eine "qualifizierte Eingangsbestätigung" per E-Mail, die auch den Inhalt der Ursprungs-E-Mail enthält. Damit gibt es einen Beleg über die Anmeldung. Um zum Start der Liste einen Missbrauch auszuschließen, musste die Telekom am Dienstag eine Liste ihrer eigenen Anmeldungen bei der Bundesnetzagentur hinterlegen. Die Behörde soll die Arbeit der Telekom kontrollieren. So soll Missbrauch verhindert werden. Außerdem, so war zu hören, hat die Telekom Datenschutzauflagen zu erfüllen. So mussten für die Mitarbeiter, die Zugriff auf die Liste haben, demnach eigene Räumlichkeiten geschaffen werden, damit die Telekom-Netzplaner keinen Einblick haben.

Was passiert, wenn mehrere Netzbetreiber den gleichen Kabelverzweiger mit VDSL Vectoring erschließen wollen?


Die einfache Antwort: Dann wird es kompliziert. Die ausführliche Antwort: Entscheidend ist zunächst einmal der Einreichungstag der Anmeldung. Gerade zum Tag-Eins-Verfahren zum Start der Liste kann es aber Überschneidungen geben. Deswegen hat bei taggleicher Anmeldung derjenige Anbieter den Vorrang, der den früheren beabsichtigten Erschließungstermin genannt hat. Dieser darf maximal zwölf Monate in der Zukunft liegen. Sollte es auch hier identische Angaben mehrerer Anbieter geben, erhält derjenige Anbieter den Zuschlag, der im betroffenen Ortsnetz mehr Kabelverzweiger mit VDSL Vectoring erschlossen hat beziehungsweise deren Erschließung geplant hat.

Wie schnell erfahren denn die Anbieter, ob Sie den Kabelverzweiger ausbauen dürfen?


Nach Angaben des Breko, dem Branchenverband Breitbandkommunikation, sollen die Firmen binnen drei Werktagen erfahren, ob sie einen Kabelverzweiger "gewonnen" haben. Zum Start der Liste rechnet man jedoch mit längeren Wartezeiten.

Wären dann nicht die Anbieter gut beraten, sich einfach alle Kabelverzweiger zu reservieren? Dann bekommen sie vermutlich bei vielen den Zuschlag und könnten ausbauen.


Das könnten die Anbieter tun, wenn sie es schaffen, binnen eines Jahres alle Kabelverzweiger, die sie bekommen, auch auszubauen. Das ist nämlich die Auflage für die Vergabe. Sollte ein Anbieter das nicht schaffen, muss er Strafe zahlen. Handelt es sich um die Telekom, liegt die Strafe bei 1 000 Euro, andere Anbieter zahlen 375 Euro - andere Schadenersatz-Forderungen außen vor. Viel schlimmer jedoch: Ein Jahr lang darf dieser Anbieter an diesem Kabelverzweiger dann nicht ausbauen, wenn die Bundesnetzagentur eine entsprechende Strafe veranlasst. Würde also ein Anbieter ein Jahr lang alles blockieren, müsste er zum einen Strafe zahlen und würde dann ein Jahr lang den anderen Anbietern das Feld überlassen.

Und wenn der Anbieter einfach meldet, er habe alles ausgebaut?


Für den Fall, dass ein bereits als fertiggestellt gemeldeter Ausbau eines Kabelverzweigers mit Vectoring-Technik tatsächlich aber zum angegebenen Termin noch gar nicht realisiert wurde, darf der Anbieter für zwei Jahre keine Ausbauabsicht an dem betroffenen Kabelverzweiger anzeigen. Diese Sanktion gilt auch dann, wenn festgestellt wird, dass der Kabelverzweiger zum Zeitpunkt der Eintragung zwar mit Vectoring erschlossen wurde, das erforderliche Bitstrom-Angebot aber fehlte.

VDSL Vectoring bedeutet, nur ein Anbieter kann technisch ausbauen. Heißt das nicht, es gibt dann dort wieder ein Monopol eines einzigen Anbieters? Wo bleibt der Wettbewerb?


Keine Sorge, den gibt es weiter. Zum einen kann weiterhin jeder Anbieter eigene DSL-Ports bauen und schalten, diese werden in einem anderen Frequenzbereich umgesetzt und stören Vectoring nicht. Aber auch bei VDSL wird es weiter Dienst- und Produkt-Wettbewerb geben, da die Anbieter, die ausbauen, ihre Leitungen anderen Anbietern zum Großhandelspreis anbieten müssen und diese die Leitungen dann mit eigenen Diensten und Preisen vermarkten können. Lediglich einen Infrastrukturwettbewerb am gleichen Kabelverzweiger gibt es nicht mehr, er machte aber bisher schon wirtschaftlich wenig Sinn und kam auch nur selten vor.

Einfaches Resale soll den Markt aufrecht erhalten? Dann gleichen sich die Anschlüsse und kosten nur wenige Cent mehr oder weniger?


Zunächst kann das passieren, es ist jedoch kein Resale sondern ein Bitstream-Zugang. Das ist technisch ein anderes Verfahren, bei der der Anbieter des Kunden die Leitung des Infrastruktur-Anbieters wirklich nutzt und veredelt. Bei Resale übernimmt der Infrastrukturanbieter auch die komplette Abwicklung, der Kundenanbieter schreibt nur die Rechnung. Außerdem muss der Bitstream-Zugang ab 2016 Layer-2-fähig sein. Das ist in erster Linie für IPTV relevant. Die Kunden-Anbieter können dann über die Leitungen des fremden Netzbetreibers eigene TV-Dienste anbieten. Bisher war nur Layer-3-Bitstream üblich, bei dem IPTV nicht geht.

Bei mir gibt es schon VDSL. Bekomme ich jetzt sofort 100 MBit/s?


Das kommt auf den Einzelfall an. Die Telekom plant, das eigene Bestandsgebiet im VDSL-Netz mit Vectoring zu erweitern. Details dazu haben wir in einer ausführlichen Meldung zusammengestellt. Auch andere Anbieter werden nach und nach VDSL um Vectoring erweitern, mit einer sofortigen Umsetzung ist aber nicht zu rechnen. Vor allem dort, wo schon länger VDSL eingesetzt wird, muss Technik ausgetauscht werden. Details zu den Preisen hat die Telekom inzwischen - einen Tag nach Veröffentlichung der ersten Version dieser Meldung, bekanntgegeben.

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