Vectoring

VDSL: BNetzA-Beirat will keine Re-Monopolisierung

Die Kampf um den VDSL-Ausbau im Nahbereich geht weiter. Eine Anhörung bei der Bundesnetzagentur schien wenig ergiebig. Unterdessen berichtet die WiWo über einen hohen Stromverbrauch bei der Telekom für Vectoring.
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Blick in ein illuminiertes  MFG - es steht im Showroom des Herstellers SiechertBlick in ein illuminiertes MFG - es steht im Showroom des Herstellers Siechert Selten wurden Debatten zwischen der Deutschen Telekom und den alternativen Anbietern so hitzig und öffentlich geführt, wie bei der Vectoringentscheidung vor zwei Jahren und der aktuellen Diskussion. Aktuell geht es um den Antrag der Telekom, VDSL Vectoring auch im Nahbereich der etwa 7900 Vermittlungsstellen einsetzen zu dürfen. Das will die Telekom exklusiv übernehmen, wogegen die Anbieter Sturm laufen. Die Bundesnetzagentur hat im November einen Entscheidungsentwurf vorgelegt, der nun in der Kommentierungsphase ist. Parallel zu dieser Kommentierung traf man sich aber auch diese Woche beim Regulierer zu einer mündlichen Anhörung. Zusätzlich gibt es aktuell auch Verwirrung um bestimmte, entscheidende Formulierungen in diesem Entwurf.

Die Stimmung, so berichten Beobachter der Verhandlung, war alles andere als entspannt. Das Handelsblatt schreibt in seiner heutigen Ausgabe von einer "hitzigen Stimmung" und auch gegenüber teltarif.de berichten an der Anhörung Beteiligte, dass Fragen der Beteiligten nicht gerne gesehen waren und es auch Wortabschneidungen gegeben habe. Entspannt, so wird aus Kreisen der Wettbewerber berichtet, habe nur die Telekom gewirkt. Die Telekom wäre nach aktuellem Stand auch der Gewinner des Verfahrens, das sie im vergangenen Februar angestrengt hat.

800 000 Nahbereichsanschlüsse offenbar weiterhin ohne VDSL

Vom VATM hieß es aus dem Verfahren, die Telekom bestätigte ihre Angabe im Angebot zu Vectoring im Nahbereich, 5,682 von 6,5 Millionen Anschlüssen über 50 MBit/s ertüchtigen zu können. Über 800 000 Anschlüsse würden, so VATM-Chef Grützner, keine 50 MBit/s bekommen. 420 000 Kunden im ländlichen Bereich profitieren demnach vom Ausbau. "Tausende Einzelleitungen und kleine Gemeindeteile, die am schwersten versorgbar sind, werden so auch unversorgt bleiben – ohne jede Chance auf Förderung und Ausbau durch andere Unternehmen. Und dies obwohl gerade die Versorgung der letzten teuren 20 Prozent doch das Ausbauziel der Bundesregierung sind." Der VATM sieht das von ihm vorgeschlagene Modell, Ausbau nach Ausschreibungen, Windhundrennen und Schließung der letzten Lücken durch alle Wettbewerber bis 2018 so vollkommen verfehlt.

Wie das Verfahren am Ende ausgeht, scheint offen. Allerdings scheint der Beirat der Bundesnetzagentur von der Vorlage seiner Behörde nicht sehr angetan. Nachdem er sich zunächst äußerte, man sollte nichts übers Knie brechen, ließ er dem Handelsblatt nun ausrichten, dass man bis zur nächsten Beiratssitzung Ende Januar versuchen wolle, eine einheitliche Linie zu finden. Der Vorsitzende Klaus Barthel (SPD) sagt: "Wir wollen keine Re-Monopolisierung".

Gegen das Wort Re-Monopolisierung argumentiert die Telekom schon seit vertraulichen Hintergrundgesprächen mit Journalisten im Vorfeld der öffentlichen Bekanntmachung des Antrages. Die Telekom sieht in dem Vorgang kein neues Monopol, da man bereit sei, den Wettbewerbern einen Bitstream-Zugang zur Infrastruktur zu geben.

WiWo: Vectoring verbraucht viel Strom

Die Telekom verfehlt offenbar unterdessen ihre Energiespar-Ziele wegen des verstärkten Einsatzes von Vectoring-Technologie. Das berichtet die Wirtschaftswoche (WiWo). Ein flächendeckender Betrieb des umstrittenen VDSL-Vectoring-Turbos verbraucht nach Informationen der Zeitschrift deutlich mehr Strom als Glasfaserleitungen, die bis ins Gebäude verlegt sind. Sie beruft sich damit auf Berechnungen von Stephan Breide, Professor der Fachhochschule Südwestfalen in Meschede. Der gesamte Energieverbrauch für den schnelleren Transport der Daten zu den Haushalten koste dann 200 Millionen Euro pro Jahr.

VDSL Vectoring benötigt Strom für die aktive Technik in den Multifunktionsgehäusen (MFG) der Telekom, den großen grauen Kästen auf den Bürgersteigen. Die Technik wandelt optische Signale von den Glasfaserleitungen in elektrische Signale um, die über die Kupferleitungen zu den Kunden geschickt werden können. Im Sommer muss diese Technik zudem teilweise aktiv gekühlt werden. Nach WiWo-Angaben benötigt jeder Schrank eine Leistung zwischen 500 und 1000 Watt, abhängig von der über ihn abgewickelten VDSL-Last.

Was neben VDSL in den grauen Kästen am Straßenrand für Technik untergebracht ist, haben wir in einer Bilderstrecke für Sie zusammengestellt.

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