Vectoring

Editorial: Geschwindig­keits­steigerung ohne Neukauf

AVM kündigt ein einfaches Firmware-Upgrade an, das FRITZ!Boxen fit für die nächste DSL-Generation macht. Besonders wichtig ist das Update für Nutzer in Regionen mit hoher Ausbaudichte.
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AVM macht seine Fritz!Boxen für den nächsen DSL-Standard fit.AVM macht seine Fritz!Boxen für den nächsen DSL-Standard fit. Es ist ein im Telekommunikations-Bereich seltenes Ereignis: Ein Datenübertragungsstandard verbessert sich erheblich, und die Kunden müssen dennoch kein neues Endgerät erwerben. Vielmehr meldete der Router-Hersteller AVM, dass für VDSL geeignete FRITZ!Boxen sich per Softwareupgrade auf VDSL Vectoring hochrüsten lassen. So spart der Kunde die Kosten für einen neuen Router, und profitiert dennoch von der höheren Datenrate oder zumindest von der höheren Zuverlässigkeit, wenn sein Festnetzbetreiber künftig die zugehörige Vermittlungsstelle oder den zugehörigen Kabelverzweiger auf VDSL Vectoring hochrüstet. Andere Router-Hersteller werden hoffentlich nachziehen.

Netzseitig sieht es leider anders aus: Dort ist Vectoring zwingend mit einem Wechsel der VDSL-Line-Cards verbunden, denn dort erhöhen sich die Anforderungen an die Signalverarbeitung sowohl in Sende- als auch Empfangsrichtung erheblich: Statt nur jeweils das Signal des jeweiligen Adernpaars, das zu einem Kunden führt, zu modulieren bzw. auszuwerten, müssen nun alle Signale aller Kunden gleichzeitig verarbeitet werden. So werden die gegenseitigen Störungen zwischen den Leitungspaaren gezielt herausgerechnet (Upstream, also von den Kunden zur Vermittlungsstelle) bzw. gezielt Korrektursignale zu den zu erwartenden Störungen mit ausgesendet (im Downstream).

Ist nur auf wenigen der Adernpaare eines Kabelbündels VDSL aufgeschaltet, bringt Vectoring kaum Vorteile, da in diesem Fall die gegenseitigen Störungen noch gering sind. Doch je mehr Kunden am selben Kabel VDSL buchen, desto mehr gegenseitige Störungen treten auf und desto schwieriger wird es, alle Kunden mit der garantierten Bitrate zu versorgen. Aus diesem Grund haben die Festnetzbetreiber in der Vergangenheit ihre VDSL-Dienste meist nicht mit der maximal möglichen Bitrate angeboten, sondern einen Sicherheitsabschlag vorgenommen, damit auch bei hoher VDSL-Kundendichte alle Kunden versorgt werden können. Dieses ist mit Vectoring nicht mehr nötig: Anbieter können die Kunden jeweils mit der aufgrund der Entfernung zum Kabelverzweiger maximal möglichen Bitrate aufschalten, und ihre Netztechnik auf Vectoring upgraden, sobald die gegenseitigen Störungen zu stark werden.

Regulierungsfrage

Was bleibt, ist die Regulierungsfrage: An einem konkreten Standort kann jeweils nur ein Anbieter VDSL-Vectoring aufbauen, da sich Vectoring nicht mit dem Betrieb anderer VDSL-Anschlüsse im selben Kabelbündel verträgt. Im Wesentlichen haben sich die Bundesnetzagentur, die Deutsche Telekom und die weiteren Anbieter diesbezüglich auf das "Windhundverfahren" geeinigt: Wer zuerst Vectoring für einen Kabelverzweiger anmeldet und termingerecht in Betrieb nimmt, darf diesen Standort dann auf Dauer behalten. Im Gegensatz muss der Erschließer eines Knotens der Konkurrenz ein Angebot zum Bitstrom-Zugang machen, mit dem die Konkurrenz zumindest scheinbar eigene Anschlüsse vertreiben kann.

Während über die gennanten Grundsätze der Vectoring-Regulierung schnell Einigkeit erzielt werden konnte, wird über die Details noch gerungen. Im Sinne aller Verbraucher bleibt zu hoffen, dass auch die Details schnell geklärt werden können, damit diese dem Einsatz von Vectoring nicht im Wege stehen.

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