Identität geklaut

Identitäts-Diebstahl: In den USA boomt der Online-Betrug

Im Jahr 2011 wurden 11,6 Millionen US-Bürger zum Opfer
Von dpa /
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IdentitätsdiebstahlIdentitäts­diebstahl verursacht jedes Jahr
hohe Schäden
Millionen Kinogänger in den USA schmunzeln seit dem Wochenende über ein ernstes Thema: In "Identity Thief" kann Geschäftsmann Sandy eines Tages nicht mehr mit seiner Kreditkarte bezahlen. Die unschuldig wirkende Hausfrau Diana hat seine Identität geklaut. Sandy stellt die Täterin, und aus der Gegen­sätzlichkeit der beiden entwickelt sich eine turbulente Komödie, die in Deutschland unter dem Titel "Voll abgezockt" Ende März starten soll. Dass ein solcher Betrug im echten Leben kein Grund zum Lachen ist, weiß Ryan Frary.

Am 4. Oktober 2012 überprüft Frary wie jeden Monat seine Kontoauszüge, als es ihn wie ein Blitz trifft. Auf der Abrechnung prangt eine unbekannte Abbuchung über 1 400 Dollar (1 080 Euro), abgebucht im Bundesstaat Georgia, mehr als 1 000 Kilometer von Frarys Heimatstadt Washington entfernt. "Zuerst dachte ich, das sei ein schlechter Scherz meiner Bank", sagt der 29-Jährige. Erst als ihm die Filiale auf Nachfrage mitteilt, dass der Betrag in seinem Namen abgehoben worden sei, wird ihm der Ernst der Lage klar. Nach einer Überprüfung seiner Online-Transaktionen gibt es nur noch eine Erklärung: Jemand hat sich seiner Identität und seines Bankkontos bemächtigt.

USA: Mehr als 11 Millionen Geschädigte in einem Jahr

Ähnlich wie Frary ergeht es immer mehr Amerikanern: Laut Angaben der Wirtschafts­organisation Javelin Strategy ist die Zahl der Betroffenen im Jahr 2011 um 13 Prozent gestiegen. Demnach wurden rund 11,6 Millionen US-Bürger Opfer von Identitäts­diebstahl. Der Schaden belief sich 2011 auf 18 Milliarden Dollar (rund 13 Milliarden Euro). Doug Johnson von der American Bankers Association (ABA) führt viele Fälle auf das unmittelbare Umfeld zurück. "Die meisten ID-Diebstähle passieren in Hinterzimmern von Arztpraxen, im Freundeskreis oder sogar in der Familie", sagt der ABA-Vizepräsident für Datenschutz.

In den USA haben Betrüger vergleichsweise leichtes Spiel

Hinzu kommt, dass in den USA - anders als in Deutschland - innerhalb von fünf Minuten ein Bankkonto im Internet eröffnet werden kann. Benötigt wird lediglich eine Sozial­versicherungs­nummer und das passende Geburtsdatum. Praktisch ist das zwar - doch keinesfalls sicher. Eine Arztsekretärin kann sich diese Informationen beispielsweise mit wenigen Mausklicks besorgen - Familie und Freunde haben ohnehin leichtes Spiel. Wer tatsächlich hinter den Informationen eines Kontos steht, wird bei den meisten Banken nicht überprüft.

Nicht zu viele Daten auf dem Handy speichern

Datenschutz­experte Johnson sieht auch in der Bequemlichkeit vieler Handynutzer ein Problem. "Die meisten schützen ihr Gerät nicht durch Passwörter oder speichern aus Bequemlichkeit die Zugangsdaten ihrer Apps", sagt er. Wer dann sein Smartphone verliert, läuft Gefahr, seine komplette Persönlichkeit an einem Fremden preiszugeben.

Doch nicht nur in den USA boomt die Branche der Datenräuber. Laut einer Studie von Microsoft haben hierzulande bereits zwei Drittel der Internet-Nutzer eigene Erfahrungen mit den Gefahren aus dem Netz gemacht. Viele nehmen einen Anstieg der potenziellen Risiken wahr. Dabei würden nur sieben Prozent sich und die eigenen Daten durch mehr als eine Maßnahme schützen.

Eine Garantie für Schadensersatz gibt es auch in den USA nicht. "Die Bank zahlt nur bei erwiesenem Missbrauch", erklärt Johnson. Immerhin: Frary hat das fehlende Geld mittlerweile erstattet bekommen. Wie seine Daten aber überhaupt in die Hände von Betrügern gelangen konnten, weiß er bis heute nicht.

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