Urteil

Handystrahlung: Italiener erstreitet Invalidenrente wegen Hirntumor

Höchstes Gericht Italiens erkennt Gesundheitsbelastung durch Handy an
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Die Gefahren der Handystrahlung sind umstritten.Die Gefahren der Handystrahlung sind umstritten. In Italien wurde einem Geschäftsmann eine Invalidenrente zugesprochen, weil er nach intensiver Handynutzung an einem Hirntumor erkrankte. Über das Gefahrenpotenzial der so genannten Handystrahlung wird nicht nur in Deutschland gestritten. Während einige Mediziner und Biologen der Ansicht sind, dass die Gefahren der Mobilfunk-Strahlung völlig unterschätzt werden, weil die Langzeitwirkungen derzeit noch gar nicht absehbar seien, sehen Vertreter der Mobilfunkindustrie eher psychologische als physikalische Probleme: So hatten beispielsweise Teilnehmer einer Studie des Bayerische Landesamts für Umwelt (LfU) wegen einer UMTS-Sendestation auf dem Dach des LfU verstärkt über gesundheitliche Beeinträchtigungen geklagt, wenn sie glaubten, dass die Anlage in Betrieb war. Tatsächlich ergab sich bei dem Versuch aber kein Zusammenhang zwischen den jeweiligen Betriebszeiten der Antennen und den gefühlten Beschwerden.

Das heißt natürlich nicht, dass Mobilfunkstrahlung wirklich ungefährlich ist. Zwar haben mehrere wissenschaftliche Studien bisher keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen Handys und Krebserkrankungen oder Erbgutschäden gefunden - zumal bei zumindest einer wichtigen Studie ein Teil der Ergebnisse offenbar frei erfunden wurde. Die Weltgesundheitsorganisation hat Mobiltelefone wie berichtet als möglicherweise krebserregend eingestuft und sie damit auf eine Stufe mit Pestiziden oder Kaffee gestellt.

Gericht erkennt Handystrahlung als Krankheitsursache an

Im Mobilfunkland Italien zeichnet sich nun eine Wende ab: Das höchste Gericht Italiens hat eine möglicherweise richtungsweisende Entscheidung zur Gesundheitsbelastung durch Mobiltelefone gefällt. Laut Handelsblatt urteilte das Oberste Kassationsgericht, dass bei einem italienischen Geschäftsmann durch die tägliche stundenlange Verwendung seines Handys ein gutartiger Gehirntumor verursacht wurde. Dafür müsse der mittlerweile behinderte Mann eine Invalidenrente erhalten.

Der Kläger Innocente Marcolini, der mittlerweile an einer teilweisen Gesichtslähmung leidet, hatte vorgetragen, dass der Tumor auf dem Drillingsnerv gewachsen sei, weil er zwölf Jahre lang bis zu sechs Stunden am Tag mit seinem Handy und einem Schnurlostelefon mit Kunden im Ausland telefoniert habe. Seine Anwälte hatten Ärzte vorgeladen, die bestätigten, dass die übermäßige Verwendung von Mobiltelefonen das Risiko eines solchen Tumors erhöhe. Auf der italienischen Seite Guida al Diritto ist der vollständige Text des Urteils zu finden.

Tipps wie Sie die Belastung durch Handy und Schnurlostelefone im täglichen Leben verringern können, finden Sie in unserem Ratgeber.

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