Sky-Chef Brian Sullivan im Gespräch
Der Kabelmarkt in Hessen und Nordrhein-Westfalen gehört seit vielen Jahren
vorrangig Unitymedia. Durch die Übernahme von Kabel BW durch
Liberty, dem Anteilseigner von Unitymedia, kommt nun auch Baden Württemberg
dazu. Doch für die Kunden wird sich zunächst einmal nichts ändern. Zumindest die
Markennamen sollen vorerst bestehen bleiben, wie heute
Viktor Janik, bei Unitymedia zuständig für Regulierungsfragen, auf der
Euroforum-Jahrestagung in Köln sagte. Vielmehr sollen die Markenprofile weiter gestärkt werden.
Technisch erreicht Unitymedia aktuell 8,7 Millionen Haushalte, durch Kabel BW kommen mehr
als 3,5 Millionen Haushalte dazu. Insgesamt ist Liberty in 14 Ländern tätig, den größten Anteil
macht Europa aus.
Das Unternehmen zählt 18 Millionen Kunden und 29 Millionen verkaufte Verträge.
"Wir hoffen, dass jeder Kunde mindestens ein zusätzliches Produkt bei uns abschließt",
sagte Janik. Als zusätzliche Verträge gelten neben dem Basis-Kabelanschluss zum Beispiel
Telefon oder Internet aber auch Pay-TV.
Gerade beim Thema Pay-TV tut sich Unitymedia aber im HD-Bereich etwas schwer.
Kunden des größten deutschen Pay-TV-Veranstalters Sky warten seit langem vergeblich
darauf, dass weitere Sender in das Netz eingespeist werden. Sky-Chef Brian Sullivan ist
diese Tatsache durchaus bewusst. "Wir sind seit langem in Gesprächen mit Unitymedia, doch
wir müssen wirtschaftlich denken", sagte der Engländer, der die Führung
von Sky übernommen hat, heute in Köln. Doch er ließ auch durchblicken, dass die Gespräche
durchaus konstruktiver würden. Nach einer zeitnahen Lösung hörte es sich jedoch nicht an.
Auch andere Brancheninsider kritisieren die Verweigerung von Unitymedia, Sky HD nur
rudimentär einzuspeisen. Die Kunden aus Baden Württemberg müssen jedoch
nicht befürchten, dass ihnen die Sky-HD-Sender nun verloren gehen. Es ist davon auszugehen,
dass die Einspeiseverträge mit Kabel BW entsprechend langfristig sind und Liberty
sich auch nach der Übernahme an diese halten muss.
Ende des Jahres will Unitymedia eine neue Set-Top-Box mit dem Projektnamen
Horizon auf den Markt bringen. Sie soll ein personalisiertes
Multimedia-Gateway mit einem IP-Client für zwei oder mehr Fernseher sein. Integriert sein
sollen ein Appstore, DLNA, Web-Zugriffe und VoIP.
Im Internetbereich sieht sich Unitymedia aktuell gut aufgestellt. In 96 Prozent aller
erreichbaren Haushalte könne man das Triple-Play-Paket 3play schalten. Das bedeutet, die Haushalte können
neben Fernsehen auch Telefon und Internet bekommen. 93 Prozent der Haushalte
können zudem mit DOCSIS 3.0 versorgt werden, was für die Kunden Internet-Geschwindigkeiten
in dreistelligen Megabit-Raten bedeutet.
Insgesamt habe Unitymedia zwischen 2009 und 2011 insgesamt 130 ländlich gelegene Städte mit
Internet versorgt. Wie Janik auf Nachfrage von teltarif.de sagte,
sei das Unternehmen auch durchaus interessiert, nicht verkabelte Städte zu
versorgen. Hier käme es aber auf das Interesse der Kommunen und auf den Zugriff
auf Leerrohre an. Auch Neubausiedlungen sind für das Unternehmen wichtig. Die
Reinvestitionsquote des Anbieters liegt bei 24 Prozent.