Trotz Abschaltung

Weiterverkauf von Mittelwellenradios: Fall für Politik und Verbraucherzentralen

Obwohl am 31. Dezember die letzten Sender in Deutschland abgeschaltet werden, verkaufen Händler weiter munter Radiogeräte mit Mittelwellenempfang und ohne DAB+. Möglicherweise ein Fall für die Verbraucherzentralen – und ganz sicher für die Politik.
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Trotz Abschaltung: Verkauf von Radiogeräte mit Mittelwellenempfang geht weiterTrotz Abschaltung: Verkauf von Radiogeräte mit Mittelwellenempfang geht weiter Am 31. Dezember 2015 endet eine Ära: Deutschlandradio und der Saarländische Rundfunk schalten die letzten verbliebenen Mittelwellensender in Deutschland ab. Tagsüber wird es in diesem Wellenband also ab Januar 2016 nur noch rauschen – empfängt man nicht zufällig noch Sender aus Nachbarländern.

Schaut man jedoch in die Läden oder stöbert in Verkaufsprospekten, so ist von diesem Ende nichts zu spüren: Als ob nichts geschieht, verkaufen Handelsketten, Discounter oder Online-Shops weiter munter Radiogeräte mit Mittelwellenempfang – und ohne das neue terrestrische Digitalradio DAB+. Das wäre so, als ob heute noch jemand ein Handy anbieten würde, das auch eine Zugangsmöglichkeit zum längst abgeschalteten C-Netz besäße, dafür aber kein UMTS oder LTE an Bord hätte. Alleine in dieser Woche zählten wir in den Verkaufsprospekten 15 analoge Radiogeräte mit Mittelwellenempfang, dafür jedoch nur zwei Geräte mit DAB+. Aktuell sind von zehn verkauften Radios noch sieben rein analoge Empfänger mit UKW und Mittelwelle. Nur jedes dritte verkaufte Gerät ist ein zeitgemäßes Digitalradio, das neben analogem UKW-Empfang auch DAB/DAB+ und/oder Internetradio an Bord hat.

Politik: Verkaufsverbot für rein analoge Empfänger

Hierfür gibt es zahlreiche Ursachen. Eine ist, dass Händler in Deutschland aufgrund der ungebremst hohen Nachfrage weiter massenweise rein analoge Empfänger ordern. Erst seit kurzem ist das Digitalradio DAB+ in einigen Regionen zu empfangen und 90 Prozent der Radionutzung in Deutschland entfallen immer noch auf das analoge UKW. Und in analogen UKW-Radiogeräten ist zumeist auch ein Mittelwellenteil verbaut. Zum anderen werden Radios selten für einen nationalen Markt, sondern immer für den gesamteuropäischen oder den Weltmarkt produziert. Und in vielen Ländern ist ein Ende der Mittelwelle noch nicht absehbar.

Der Druck kann bei dieser Problematik also nur von der Politik ausgehen: Ähnlich wie sie die Hersteller von Fernsehgeräten dazu verpflichtet hatte nur noch Modelle mit Digitalempfang anzubieten, so müsste sie ein Verkaufsverbot für rein analoge Radiomodelle in Deutschland erwirken. Dass der Druck dagegen von den Händlern ausgeht, ist aktuell nicht zu erwarten: Die Nachfrage nach Radios mit DAB+ steigt zwar langsam, den meisten reicht jedoch immer noch ein Radiogerät, das Zugang zum lokalen "Dudler" auf UKW bietet.

Verbraucherzentralen sollten sich einschalten

Auch die Verbraucherzentralen könnten sich dem Thema annehmen – und die Bevölkerung davor warnen ein Gerät zu kaufen, das zum Teil ab Januar Elektroschrott ist. Immerhin müssen Kunden den Einbau des Empfangsteils für die Mittelwelle mitbezahlen. Und: Häufig wäre ein Digitalradio mit DAB+-Empfang gar nicht mehr viel teurer. Aktuell sind die günstigsten Digitalradio-Modelle zu einem Preis ab 25 Euro zu haben. Reine UKW-Radios mit RDS sind auch nur selten zu Preisen unter 20 Euro erhältlich. Gäbe es eine Verpflichtung der Politik für Multichips mit Digitalradio-Empfang, könnte der Einstiegspreis für Digitalradios auf unter 20 oder sogar unter 15 Euro gesenkt werden. Denn in solchen Massen würde ein Chip für DFAB/DAB+ nur noch rund einen Euro pro Stück kosten. Genau so viel kostet auch der Einbau des Mittelwellenteils, für das es in Deutschland ab 1. Januar 2016 keine Verwendungsmöglichkeit mehr gibt.

Das Ziel sollte also ungeachtet der aktuellen Nachfrage sein, dass künftig in Deutschland verkaufte Radiomodelle nicht mehr UKW und Mittelwelle, sondern UKW und DAB/DAB+ an Bord haben.

Hinweis: In Kürze veröffentlicht teltarif.de einen ausführlichen Text zum Thema Abschaltung der Mittelwelle und die Alternativen.

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