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Ubuntu Netbook Edition 10.10: Unity, Ubuntu One und soziale Netzwerke

Von Falko Benthin
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unr_1 Seit gestern ist Ubuntu 10.10, Spitzname Maverick Meerkat, zu haben. Viele Neuerungen wurden angekündigt, unter anderem ein neuer Installer und die Oberfläche Unity. Mobicroco hat das System heruntergeladen und geschaut, wie rebellisch sich das Erdmännchen auf einem älteren Netbook (Eee PC 901) gebärdet.

Die Installation

Das mit dd auf einen USB-Stick übertragene Image scheiterte ebenso wie ein mit unetbootin überspieltes Pendant, dass zwar noch zum Booten ansetzte, dann aber stecken blieb – einen handzahmen Eindruck macht Maverick Meerkat damit auf keinen Fall. Zu müde, mich mit der Materie auseinanderzusetzen, habe ich zu einem Rohling und externen CD-Rom-Laufwerk gegriffen und siehe da, alles lief wie geplant. Ubuntu 10.10 startet, anders als Vorgängerversionen, sofort einen Dialog, in dem das System eine sofortige Installation oder einen vorhergehenden Test anbietet.

Auch wer sich für die sofortige Installation entscheidet, merkt, dass Canonical Einiges getan hat. Neue Hinweise erinnern gleich zu Beginn daran, dass eine Installation ohne eine Steckdose und ausreichend Festplattenplatz nur suboptimal ist, verschiedene Checkboxen bieten an, schon während der Installation neue Pakete herunterzuladen oder Software von Drittabnietern zu installieren. Wer mehrere Festplatten oder SSDs im Netbook verbaut hat, sollte dem Partitionierer kritisch gegenüber stehen. Auf dem Testsystem wollte Ubuntu Netbook Edition 10.10 anstelle einer SSD einen USB-Stick nutzen, Unaufmerksamkeit und Durchklicken könnten später zu interessanten Ernüchterungen führen. Neben den guten Bekannten ext[234], Reiser, jfs und xfs hat das rebellische Erdmännchen auch das Dateisystem btrfs im Angebot. Letzteres wird vom Kernel 2.6.35 noch als experimentell eingestuft und ist somit nur etwas für Risikofreudige.

Ist die Partitionierung klar, beginnt Ubuntu 10.10 sofort mit der Installation, noch offene Abfragen, etwa zur Zeitzone, Tastenbelegung, und Nutzerangaben können parallel getätigt werden. Die Infos über Neuerungen des Systems, die sonst immer automatisch eingeblendet werden, lassen sich während der Installation auch manuell durchklicken. Die Installation lief meines Erachtens recht behäbig durch, was aber an einem bereits ausgiebig genutzten CD-RW-Rohling und nicht sonderlich flinken externen optischen Laufwerk gelegen haben kann. Das Erdmännchen ist nicht nur nicht handzahm, manchmal scheint es auch dumm zu sein, etwa, wenn es die Installations-CDs ausspuckt und dann einen I/O-Error ausgibt.

Unity, Software Center und die Wolke

unr_2 Der auf die Installation folgende Bootvorgang verlief erfreulich schnell. Die wohl auffälligste Neuerung der aktuellen Ubuntu Netbook Edition ist die neue Nutzeroberfläche Unity, mit der Canonical verglichen mit dem Ubuntu Netbook Remix meiner Meinung nach ein großer Wurf gelungen ist. Anstatt eines übermäßig breiten Launchers befinden sich nur noch Icons auf der linken Seite, die Anwendern schnellen Zugriff auf die am häufigsten genutzten Funktionen bieten. Dazu zählen standardmäßig der Browser Firefox, der Multi-Messenger-Client Empathy, die Schminkspiegelapplikation Cheese, der Musikplayer Rythmbox und das Ubuntu Software Center. Darüber hinaus existieren auch noch Schaltflächen, um die Arbeitsflächen zu wechseln, schnell auf Ordner und zuletzt verwendete Dateien zuzugreifen oder installierte Anwendungen zu starten. Angeschlossene Geräte wie USB-Speicher und laufende Anwendungen finden sich ebenfalls in der Schnellstarter-Leiste wieder, die irgendwann unübersichtlich wird.

unr8 Softwaretechnisch hat Canonical eine sinnvolle Vorauswahl getroffen. Neben dem Firefox und Empathy wurden darin auch die PIM-Anwendung Evolution und Gwibber, ein Client für Zugang zu verschiedenen sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Flickr, Quaiku, Ping.fm oder Identi.ca aufgenommen. Für die Büroarbeit ist OpenOffice.org installiert, anscheinend hat es Canonical nicht mehr geschafft, den OOo-Fork LibreOffice zu integireren. Zum Verwalten von Bildern ist Shotwell enthalten, zum Abspielen von Videos gibt es Totem.

unr9 Sollten Anwender Software vermissen, können sie diese in den meisten Fällen mit Hilfe des Software-Centers zusätzlich installieren. Beim Ubuntu Software Center handelt es sich anscheinend einfach nur um einen aufgehübschten Paketmanager. Wer weiß, welche Pakete gebraucht werden, kommt mit Synaptic oder "apt-get install" vermutlich schneller ans Ziel. Dafür muss dann aber auf Empfehlungen oder Vorstellungen neuer Software verzichtet werden. Bei Langeweile kann sich das Software-Center durchaus als Alternative zu den mitgelieferten Spielchen herausstellen, bei der Anwender über Schmankerl wie das Aven Höhlen-Vermessungswerkzeug stolpern können.

unr10 Ein weiteres Highlight der neuen Ubuntu-Version ist der Cloud-Speicher Ubuntu One, der Anwendern 2 GB kostenfreien Speicher in der Wolke und leichte Synchronisierung bietet. Gegen Aufpreis bietet Ubuntu One zusätzliche Services wie den Musik-Streaming-Dienst Ubuntu One Mobile, mit dem sich ab 4 USD monatlich oder 40 USD jährlich in der Cloud geparkte Audiodateien auf Android-Smartphones oder iPhones streamen lassen. Wer mehr als 2 GB Speicher braucht, kann ab 3 USD pro Monat bzw. 30 USD jährlich 20 GB zusätzlich buchen. Ist eine Verbindung zu Ubuntu One hergestellt, lassen sich Ordner ohne großen Aufwand mit dem Online-Speicher synchronisieren.

Fazit

Die Ubuntu Netbook Edition 10.10 macht auch auf älteren Netbooks noch eine gute Figur. Die neue Unity-Oberfläche bietet schnellen Zugriff auf viele Funktionen, ohne viel Platz auf dem winzigen Bildschirm zu benötigen, die kürzlich mit viel taramtamtam eingeführte Schriftart Ubuntu fiel mir nicht sonderlich auf. Einige Neuerungen, beispielsweise den Wechsel der Fotoverwaltung von F-Spot auf Shotwell betrachte ich mit gemischten Gefühlen. Nicht dass ich Mono mag, aber die Frage ist, ob sich große Fotosammlungen problemlos importieren lassen, denn was im Kleinen funktioniert, muss das im Großen noch lange nicht tun, vor allem nicht auf schwachbrüstigen Netbooks. Alles in allem scheint das neue Ubuntu 10.10 eine runde Sache zu sein, die ruhigen Gewissens auch Anfängern ans Herz gelegt werden kann. Schnell, bunt und wolkig, ein System, das ganz dem Zeitgeist entspricht. Von rebellisch kann keine Rede sein, das Erdmännchen lässt sich eher als possierlich bezeichnen.