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Ubuntu-Derivat Easy Peasy 1.6 im Alltagstest

Von Falko Benthin
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easypeasy_1 Mit dem Erscheinen von Ubuntu 10.4 Lucid Lynx zogen viele auf der südafrikanischen Distribution basierende Derivate nach, darunter auch das auf Netbooks zugeschnittene Easy Peasy 1.6. Eine aktualisierte Basis und eine um 0.1 inkrementierte Versionsnummer – gleich zwei Gründe, Easy Peasy zu installieren und zu schauen, ob es sich im Alltag wirklich so easy handeln lässt, wie der Name verspricht.  

Voll easy – die Installation

Die Installation ließ sich sich kinderleicht über die Bühne bringen. Easy Peasy ist eine Live-Distribution mit Installations-Option, so dass Anwender das System vor der Installation auf Herz und Nieren prüfen können. Nachdem das Image heruntergeladen, auf einen USB-Stick verfrachtet und geladen war, brauchte es inklusive manueller Partitionierung des Zielsystems zwölf Minuten, bis Easy Peasy auf der SSD des Testgeräts, ein nicht mehr ganz taufrischer Eee PC 901, startklar war.

easypeasy_2 Das auf einem Kernel 2.6.32-21 basierende Easy Peasy 1.6 bootete anschließend innerhalb von 20 Sekunden, aber danach war das System auch bereit, Anweisungen entgegen zu nehmen. Die standardmäßige Softwareauswahl ist gut durchdacht, neben dem Grundsystem landen Firefox, die PIM-Suite Evolution, OpenOffice, der Multimessenger-Client Empathy, die Fotoverwaltung Picasa, Skype, der Microblogging-Client Glibber, die Mediaplayer Banshee und Totem auf der Platte. Eigentlich erwartete ich nach dem ersten Booten, dass Easy Peasy sich automatisch mit dem Online-Repository verbindet und Updates holt. Diese Erwartung erfüllte sich nicht (das kann an meiner Ungeduld gelegen haben), so dass ich das Update von Hand angeschubst hatte. Easy Peasy 1.6 kann sehr gut als Schminkspiegel verwendet werden, anders kann ich mir nicht erkären, warum Cheese, eine Anwendung für die Webcam, im Reiter der Favoriten zu finden ist.

Software-Center vs. apt-get-Schwarzmarkt

easypeasy_3 Wer mehr Software braucht oder möchte, kann sich in den reichhaltigen Ubuntu-Repositories bedienen. Dank des Ubuntu-Software-Centers lässt sich das vielfältige Programmangebot, das sich mit aktivierten Backport-Repositories noch einmal erweitert, komfortabel durchsuchen. Allerdings ist nicht ganz klar, welche Quellen das Software-Center heranzieht. Auf der Kommandozeile ließ sich mein favorisierter RSS-Feed-Reader Newsbeuter problemlos installieren, während er mir im Software-Center unterschlagen wurde.

Netzwerk und externe Datenträger

Bei der Konfiguration der Netzwerkverbindungen hilft der altgediente Networkmanager. In einer Umgebung mit WPA2-EAP gesichertem Netz versagte dieser leider kommentarlos, was sicherlich nicht am Networkmanager liegt, sondern am Treiber der verbauten Ralink-Wlan-Karte. Ich habe schon viele Distributionen getestet und bisher ist mir keine begegnet, die mein Netbook problemlos in das WPA-EAP-Netz integrieren bzw. gekappte Verbindungen reanimieren konnte. Dass der Networkmanager mir allerdings anstelle eines Fehlers nur den Dialog zum Wiederverbinden vorlegte, hat dazu geführt, dass ich ihn kurzerhand von der SSD putzte.

easypeasy_5 Die Verwaltung externer Datenträger wurde aus meiner Sicht auch interessant gestaltet. Wird ein USB-Stick mit mehreren Partitionen angesteckt, werden diese automatisch in das Dateisystem eingebunden. Die Partitionen werden dabei standardmäßig nach ihrer Größe benannt, was nicht gerade die Übersicht erhöht und es leichter macht, in Speichern-unter-Dialogen das richtige Ziel auszuwählen. Wird eine Partition über die grafische Oberfläche geumountet, beispielsweise, um die Übersicht zu erhöhen, wirft Easy Peasy stumpf alle anderen Partitionen des Sticks ebenfalls aus. Wer seine USB-Sticks aber kauft, aus der Packung drückt und das VFAT-Dateisystem beibehält, sollte mit der Easy-Peasy-Lösung zufrieden sein.

Grün und sozial

easypeasy_6 Zu meiner großen Freude scheinen Mobilität und lange Unabhängigkeit von Steckdosen bei den Easy-Peasy-Entwicklern angesagt zu sein. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so oft auf einen schwarzen Bildschirm geguckt zu haben. Im Akkubetrieb wird der Bildschirm nach zehn Sekunden dunkel, nach einer weiteren Minute wird er abgeschaltet, was zur Folge hat, dass mein doch recht zerballerter Akku immerhin etwas länger als vier Stunden durchhält. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Sozial-Gekuschle, mit Gwibber und Empathy sind zwei Anwendungen an Bord, die die hierzulande meisten Instant-Messaging-Dienste und sozialen Netzwerke abdecken dürften. Googles Picasa macht es zudem leicht, Schnappschüsse zu verwalten und mit anderen zu teilen.

Fazit

Anwender erhalten mit Easy Peasy ein Betriebssystem, das seinem Namen Ehre macht, so lange die Anforderungen im Rahmen dessen bleiben, was Entwickler von Endbenutzern erwarten, sprich Rechner an- und ausschalten, ein paar Texte und Mails schreiben, Surfen, Chatten und sozial sein. Unter der leicht bedienbaren Oberfläche und den Wizzards liegt ein solides System, dem erfahrene Nutzer ihren Willen aufzwingen können, so dass Easy Peasy beiden Anwendergruppen gerecht wird.(Falko Benthin)