Twitter-Fakes

Promis ganz nah? Fake-Profile von Stars bei Twitter

Bald gibt es allerdings verifizierte Accounts beim Zwitscher-Dienst
Von dpa /
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Aller Anfang ist schwer - auch beim Umgang mit Twitter. Auf den ersten Blick ist die zurzeit so gehypte Internet- Plattform für Kurzmitteilungen voll von Prominenten, die aus ihrem Leben plaudern. Doch in den vergangenen Wochen kam wiederholt heraus: Hinter manchen Accounts mit den Namen berühmter Leute stecken oft nur Witzbolde, die andere Nutzer und vor allem etablierte Medien auf die Probe stellen wollen. Einige Journalisten haben sich schon täuschen lassen. Von "elenden Twitzbolden", wie Medienblogger Stefan Niggemeier schreibt, ist die Rede oder einem angeblichen "Volkssport Twitter-Camouflage" (Spiegel Online). An einer Lösung des Problems wird gearbeitet.

Jeder, der will, kann über den Microblogging-Dienst kurz und knackig sein Befinden oder seine Meinung äußern. In Deutschland sollen inzwischen einige zehntausend Menschen twittern, vor allem aus der Medienbranche. Die Marktforscher von Nielsen weisen aktuell für twitter.com 1,8 Millionen deutsche "Nettonutzer" aus - das sind Menschen, die die Webseite mindestens einmal im Monat anklicken.

Harald Schmidt ist nicht Harald Schmidt

Zwitschender Vogel bei twitterDer zwitschende twitter-Vogel Doch was treibt Leute dazu, im Namen anderer zu twittern? Der Web- TV-Moderator Rob Vegas (eigentlich Robert Michel), der unter BonitoTV als Entertainer Harald Schmidt twittert, erklärt es so: "Am Anfang fand ich Twitter doof. Doch dann hatte ich die Idee, im Namen von Harald Schmidt zu twittern, um zu sehen, was passiert." Als der Name schon weg war, habe er sich den Namen von dessen Produktionsfirma gesichert. "Wirkt ja fast noch echter." Nun trägt er dort eine Mischung aus echten Schmidt-Zitaten und Sätzen ein, die durchaus von Schmidt sein könnten. Vegas sagt: "Ich frage mich manchmal, was ich da eigentlich tue. Das ist eine ziemliche Metaebene. Alles vermischt sich. Aber es ist irgendwann ein Selbstläufer geworden und macht großen Spaß." Der 25-Jährige glaubt nicht, dass Schmidt seine Aktivität eines Tages mit Beachtung adeln werde, sondern dass er ihn einfach nur dulde. "Es ist ja irgendwie auch kostenlose PR für ihn."

Twitter führt "verified accounts" ein

Trotzdem: Twitter hat inzwischen gefakten Accounts den Kampf angesagt, zumindest zum Teil. Vor einigen Wochen kündigten die Macher in ihrem Blog an, Nutzerprofile verstärkt zu prüfen. Das sollte bei Firmen, aber eben auch Promis, geschehen. Wer den Echtheitstest besteht, bekommt ein Häkchen und hat einen "verified account" (ein geprüftes Konto). Zunächst bekommen vor allem US-Stars das Siegel.

Zu oft hatten falsche Twitter-Identitäten für Unmut bei Fans gesorgt oder auch den Stars selbst - vor allem dann, wenn sie nicht "künstlerisch wertvoll" waren, als was beispielsweise BonitoTV durchaus gesehen werden kann. Der britische Sänger Morrissey sah sich wiederholt gezwungen, zu erklären, er habe nichts mit Web-Angeboten wie Twitter zu tun - alles, was dort in seinem Namen geschrieben werde, sei nicht von ihm.

"Promis haben Twitter verpennt"

Sich auf diese Weise zu äußern, sei natürlich das gute Recht eines jeden Prominenten, sagt die Twitter-Expertin Nicole Simon. "Man könnte aber auch sagen, viele Promis haben Twitter verpennt." Wer Online beherrsche, könne mit wenig Aufwand auch bei Twitter mitmachen und habe einen weiteren Kanal, sich direkt an Fans und Interessierte zu wenden. "Es ist eine Chance, sich von den klassischen Medien zu emanzipieren." Als vorbildlich in Deutschland lobt Simon zum Beispiel Reiner Calmund, den ehemaligen Fußball-Manager. Übrigens: Wer dessen Tweets abonniert, bekommt eine kleine Message zum Dank, in der es heißt: "Ich bin wohl der dickste Vogel hier, hoffe mein Gezwitscher gefällt."

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