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Anonym surfen mit dem Tor-Browser & Darkweb-Zugang

Sich anonym im Netz bewegen zu können ist der Ansatz hinter dem Tor-Netzwerk. Doch wie lässt sich dieses sinnvoll nutzen?
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So surfen Sie anonym durchs InternetSo surfen Sie anonym durchs Internet Die Abhörskandale der vergangenen Zeit haben gezeigt, wie transparent Internet­nutzer sich heutzutage durch das Word-Wide-Web bewegen. Mit dem Tor-Netzwerk gibt es eine Alternative zum herkömmlichen Surfen, die den Nutzern Anonymität verspricht. Doch wie ist das Tor-Netzwerk strukturell aufgebaut und wie kann man vom abhörsicheren Surfen profitieren?

Tor ist ein Anonymisierungsnetzwerk: Der Tor-Nutzer verbindet sich beim Aufruf einer Seite nicht direkt mit dem Server, sondern wird zunächst über mehrere Knoten innerhalb des Anonymisierung-Netzwerks schlussendlich an sein Ziel im regulären Internet geleitet. Dadurch lässt sich für den Betreiber der Seite nicht oder nur sehr schwer nachvollziehen, welcher Anwender ursprünglich eine Verbindung mit der URL aufgebaut hat. Stattdessen ist für den Seitenbetreiber nur ersichtlich, wer der Inhaber des letzten Knotenpunkts (Exit-Nodes) auf der Route ist. Grundsätzlich werden diese Knotenpunkte von unterschiedlichen Parteien betrieben. Das sind etwa neben Universitäten, privatwirtschaftliche Unternehmen auch Privatpersonen. Einen Tor-Node-Server kann übrigens jeder Freiwillige betreiben und dieser lässt sich beispielsweise auch bei externen Anbietern hosten. Dabei ist das Tor durch das Knoten-Konzept zur Verschleierung so aufgestellt, dass es gegen potenzielle Deanonymisierung-Angriffe geschützt ist. Allerdings gibt es dennoch Risiken, wenn sich etwa ein Player viele Tor-Knotenpunkte bereitstellt und dadurch den Traffic auf Muster untersuchen kann. So geschehen in einem Fall aus dem Jahr 2014 - eine hundertprozentige Sicherheit auf Anonymität gibt es dann eben doch nicht. Zur Weiterentwicklung des Tor-Projekts trägt zu einem großen Teil die Finanzierung US-Verteidigungs­ministerium bei - dies ist auch ein wesentliches Argument vieler Tor-Kritiker. Schließlich sind die USA auch in Sachen Überwachung führend, was unter anderem auch die Snowden-Enthüllungen zeigen.

So surfen Sie mit dem Tor-Browser

Orbot baut Zugang zum Tor-Netzwerk aufOrbot baut Zugang zum Tor-Netzwerk auf Durch die zunehmende Verbreitung von Smartphones ist auch das Tor-Projekt auf mobilen Endgeräten verfügbar. So steht etwa Android-Nutzern die kostenfreien Apps Orbot und Orfox zur Verfügung. Für Desktop-Nutzer gibt es ebenfalls einen speziellen Browser, mit dem Nutzer anonymisiert surfen können. Der Tor-Browser steht in Versionen für Windows, Mac und Linux zum Download bereit. Teilweise werden auch für die gängigen Browser Tor-Plugins angeboten. Allerdings bieten diese häufig keine Anonymität.

Um auf Android-Geräten über das Tor-Netz zu surfen, wird die Zugangssoftware Orbot gestartet und diese baut eine Verbindung zum Tor-Netzwerk auf. Anschließend kann der Nutzer beispielsweise über den Browser Orfox (angelehnt an Mozilla Firefox) mit seinen anonymen Web-Streifszug beginnen. Ähnliches gilt für die Desktop-Variante, nach dem Download und der Installation gibt der Nutzer einfach die gewünschte Webadresse ein und seine Nutzerkennung wird über das Tor-Netzwerk anonymisiert. Wichtig ist allerdings dabei immer zu sagen, dass der Anwender nur solang anonym ist, wie er sich entsprechend verhält. Wer sich beispielsweise bei amazon.de mit seinen Benutzerdaten einloggt, hinterlässt verständlicherweise dennoch Spuren, schließlich protokolliert der Online-Händler die Anmeldung. Zum normalen Surfen reicht die Geschwindigkeit des Tor-Netzwerks aus. Für Streaming ist hingegen nicht geeignet, da der Stream durch zahlreiche geeignete Zwischenstationen geleitet wird.

Einblicke ins Darkweb

Der onion-Dienst des sozialen Netzwerks: facebookcorewwwi.onionDer onion-Dienst des sozialen Netzwerks: facebookcorewwwi.onion Eine spannende Möglichkeit die sich durch die Installation des Tor-Browsers ergibt, sind Besuche bei so genannten Onion-Diensten (dt. Zwiebel-Dienste). Im Unterschied zu gewöhnlichen Webadressen enden diese statt auf eine klassischen Domainendung (wie .de, .com usw.) auf die namensgebende Zwiebel (.onion). Diese speziellen Seiten lassen sich übrigens nur mit dem Tor-Browser öffnen. Ruft man eine beliebige Onion-Seite hingegen mit dem normalen Webbrowser auf, wird diese nicht angezeigt. Zudem gibt es eine weitere wichtige Abgrenzung zu herkömmlichen Internetseiten: die Onion-Seitenbetreiber sind anonym. Doch neben der Vielzahl an Unterschieden gibt es auch einige Gemeinsamkeiten zwischen Onion-Diensten und herkömmlichen Webseiten. So gibt es auch im Onion-Web Suchmaschinen, mit denen Nutzern den vielfach als Darkweb benannten Teil des Webs durchsuchen können. Weiterhin gibt es auch Onion-Dienste die sich auf das Hochladen von Bildern und anderer Dateien spezialisiert haben. Zudem findet man auch Foren, auf denen sich Nutzer über unterschiedliche Themen austauschen.

Allerdings stellt man hier schnell eine Eigenheit der Onion-Gemeinschaften fest: In der Marktplatz-Rubrik werden illegale Waren (Medikamente, Drogen, gefälschte Passpapiere, Kreditkartennummern usw.) gehandelt. Statt regulären Euro-Preisen sind die Angebote meist mit Bitcoin-Preisen ausgezeichnet - die virtuelle Währung stellt die wichtigste Bezahlart im Darkweb dar. Wer sich allerdings auf einen derartigen Handel einlässt, muss davon ausgehen erwischt zu werden. Schließlich muss die Ware ja zum Empfänger gelangen und der Kunde muss dem Händler eine Echtwelt-Adresse nennen. Zudem gilt es als gesichert, dass staatliche Stellen sich das Darkweb zu Nutze machen, um dort an Informationen zu gelangen. Allerdings zielen die Lauschangriffe der Behörden eher auf die Betreiber von illegalen Angeboten ab und betreffen weniger den normalen Anwender.

Neben den genannten Community-Seiten gibt es auch kommerzielle Anbieter wie Facebook, die eine eigene Onion-Präsenz im Tor-Netzwerk aufgeschlagen haben. Man muss nämlich fairerweise dazu sagen, dass sich Onion-Seiten natürlich auch an Nutzer richten, in deren Land der Zugang zu dem sozialen Netzwerk sonst nicht einfach möglich ist. Das Darkweb ist übrigens nur ein Teil des Hidden Web bzw. Deep Web, also dem Bereich des Internets, der sich nicht über herkömmliche Such­maschinen auffinden lässt.

In einem weiteren Artikel berichten wir über die Möglichkeit, per VPN die chinesische Firewall zu umgehen.

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