Marktstudie

TK-Markt in Deutschland: Lichtblick Mobilfunk

Im Festnetz können alternative Anbieter und Kabelnetzbetreiber zulegen
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Der Schrumpfungsprozess im Telekommunikationsmarkt setzt sich in abgeschwächter Form fort: Die Umsätze mit Telekommunikationsdiensten in Deutschland werden in diesem Jahr voraussichtlich auf rund 61 Milliarden Euro leicht sinken. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Rückgang um 1,3 Prozent (2009: 61,8 Milliarden). Im Festnetzbereich können alternative Anbieter (plus 0,5 Milliarden Euro) und Kabelnetzbetreiber (plus 0,2 Milliarden Euro) zulegen. Nach vier Jahren mit sinkenden Umsätzen verbucht der Mobilfunk insgesamt in diesem Jahr erstmals wieder ein leichtes Plus (plus 0,8 Prozent auf 24,3 Milliarden Euro). Das sind Ergebnisse der zwölften gemeinsamen TK-Marktstudie von VATM und Dialog Consult, die heute in Köln vorgestellt worden ist.

"Die Relevanz des Kommunikationssektors als Motor für die Gesamtwirtschaft ist ungebrochen. Im kommenden Jahr wird es für Unternehmen und Kunden unter anderem durch die Erweiterung des mobilen Internets per LTE-Technologie und Fortschritte beim Glasfaserausbau neuen Schwung geben", sagt VATM-Präsident Gerd Eickers: "Gestiegene Umsätze, der stetige Zuwachs an Arbeitsplätzen und die starke Rolle bei der Schließung von weißen Flecken in der Breitbandversorgung unterstreichen die zunehmende Bedeutung der TK-Wettbewerbsunternehmen in Deutschland."

Wettbewerb bedarf weiterhin effizienter Regulierung

TK-Markt-Analyse 2010TK-Markt-Analyse 2010 "Die Marktstudie verdeutlicht aber zugleich, dass der Wettbewerb weiterhin einer effizienten Regulierung bedarf", sagt Eickers. Auch 13 Jahre nach der vollständigen Liberalisierung werde die Telekom im Festnetzbereich trotz Umsatzeinbußen fast genauso viel umsetzen (rund 18,1 Milliarden Euro) wie sämtliche Wettbewerber inklusive Kabelanbieter zusammen, so Prof. Dr. Torsten J. Gerpott, der die TK-Marktstudie wie in den Vorjahren mit der Dialog Consult GmbH im Auftrag des VATM erstellt hat.

Der Neukundenanteil betrage in dem für die Frage der Marktbeherrschung besonders relevanten DSL-Markt rund zwei Drittel, so der TK-Experte. Weiterhin bestehen bleibe zudem die Abhängigkeit der Wettbewerber von den Vorprodukten des Ex-Monopolisten. Im laufenden Jahr müssten die Wettbewerber mit eigener Infrastruktur etwa 65 Cent pro Euro Umsatz an die Telekom durchreichen. "Damit bleiben die an das ehemalige Staatsunternehmen zu zahlenden Vorleistungsentgelte praktisch unverändert hoch - und wir tragen dadurch erheblich zum Umsatz der Telekom in diesem Bereich bei", unterstreicht Eickers.

"Dass wir weiterhin einen 'Schiedsrichter' in Gestalt des Regulierers auf dem Platz brauchen, zeigte sich in diesem Jahr unter anderem bei den Themen VDSL, Schaltverteiler und Qualität bei Wechselprozessen", so der VATM-Präsident: "Nur durch deutliche Eingriffe der Bundesnetzagentur konnten beim VDSL-Netz der Telekom Zugangsregelungen und Preise für die Wettbewerber festgelegt werden, bei der Nutzung von Schaltverteilern für den Breitbandausbau Fortschritte und bei der Prozessqualität Verbesserungen erreicht werden."

Der wachsende Mobilfunk-Sektor rettet das Ergebnis nicht

Mit Blick auf die konkrete Marktentwicklung gehen Prof. Gerpott und Verbands-Präsident Eickers davon aus, dass sich der Gesamtmarkt 2011 stabilisieren wird: "Wir schätzen, dass der Markt höchstens um bis zu zwei Prozent zurückgehen wird." Ein zunehmender Mobilfunkumsatz werde jedoch nicht für ein Gesamtwachstum der TK-Dienste im kommenden Jahr reichen. "2010 werden unter anderem mobile Internetdienste, IP-TV und weiterhin der Bandbreitenwettbewerb wichtige Rollen spielen", so Prof. Gerpott. "Mit Blick auf die Verbraucher gehen wir davon aus, dass die bereits niedrigen Mobilfunk-Endkundenpreise im nächsten Jahr nochmals um bis zu drei Prozent sinken werden", schätzt Eickers.

Auf der Agenda für TK-Branche, Regulierer, Politik und Gesetzgeber werden aus Sicht des VATM 2011 vor allem drei Themenbereiche stehen: der diskriminierungsfreie Zugang (Open Access) zu den Glasfasernetzen, Netzneutralität und die Verbesserung der Qualität - und damit die Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG). "Beim teils hitzig diskutierten Thema Netzneutralität muss mit Sachlichkeit und ohne Hektik geschaut werden, welche Regeln überhaupt benötigt werden. Wenn wir auf andere Länder schauen, fällt auf, dass die Netzneutralität dort am gesichertsten ist, wo am meisten Wettbewerb herrscht - und nicht dort, wo es am meisten Vorschriften gibt", betont der VATM-Präsident.

Hoffen auf die TKG-Novelle

Beim Thema Open Access gelte es, 2011 zu marktgerechten und wettbewerbsfördernden Regelungen zu kommen - auch damit der Verbraucher und etwa Unternehmen mit Filialnetzen zukünftig angesichts zahlreicher sich entwickelnder regionaler Glasfasernetze von Wettbewerb und Auswahlmöglichkeiten profitieren können. Die EU-Kommission habe in ihrer kürzlich veröffentlichten NGA-Empfehlung klargestellt, dass die Förderung von Investitionen nicht zu Lasten des Wettbewerbs gehen darf. Eickers: "Das muss auch für die aktuelle Novellierung des Telekommunikationsgesetzes gelten." Die Grundtendenz des gerade vorgelegten Referentenentwurfs stimme. "Besonders die Umsetzung der neuen EU-Qualitätsvorgaben in der TKG-Novelle begrüßen wir", so der VATM-Präsident. Der VATM hatte in seiner Stellungnahme zu den Eckpunkten des Gesetzes vor allem auf deutliche Verbesserungen und Klarstellungen bei Anschaltprozessen, Anbieterwechseln und Entstörungen gedrungen.