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Kräftemessen: HP Mini 311 mit Ion im Benchmark-Test

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HP Mini 311 Leistungstest Arbeiten die neuen Atom-N450-Prozessoren von Intel in besseren Netbooks oder kann der potentielle Kunde bedenkenlos zu einem Netbook mit altem Atom-Antrieb mit der Grafik-Power von Nvidia Ion greifen? Oder lassen sich ein Ion-Mini-Notebook wie der HP Mini 311 und ein Pine-Trail-Netbook überhaupt nicht vergleichen? Wir klären das in diesem Artikel.

HP Compaq Mini 311c-1010SG

"Was wollt ihr denn mit so einer alten Kiste?" fragte der Redaktionsleiter, als wir den HP Mini 311 auspackten. In der schnelllebigen Welt der Gadgets ist HPs 11,6-Zöller mit Nvidia Ion Grafik tatsächlich schon ein wenig altbacken – auch wenn bisher fast niemand das Mini-Notebook in Deutschland kaufen konnte. Hewlett Packard hatte seinen Mini 311 bereits im September vergangenen Jahres angekündigt und der Presse vorgestellt. Die massenhafte Verfügbarkeit in den Online-Shops ließ aber lange auf sich warten. Aber die Warterei hatte auch ihr Gutes: der Anfangs angesetzte Preis von um die 450 Euro liegt inzwischen beim günstigsten Anbieter bei 374 Euro für die Windows XP Version, kit Windows 7 kostet der 311 bei Amazon aktuell 399 Euro. Das ist ein knapper Hunderter mehr, als Netbooks im 10-Zoll-Format dieser Tage im Durchschnitt kosten. Lohnt sich der Aufpreis für mehr Platz auf dem Bildschirm und die Ion-Power?

Die technischen Daten des HP Mini 311

Intel Atom N270 1.60GHz - 1024MB RAM - 160GB Festplatte - kein optisches Laufwerk - NVIDIA ION LE (IGP) c (bis 319 MByte Shared) - 3x USB 2.0/LAN/WLAN 802.11bg/Bluetooth - HDMI - 5-in-1-Cardreader (SD/MMC/MS/MS Pro/xD) - Webcam - 11.6" WSVGA glare LED TFT (1366x768) - Windows XP Home - Li-Ionen-Akku (6 Zellen) - 1.46kg - 12 Monate Herstellergarantie

Penetranter Lüfter im Mini 311

Passmark HP Mini 311 Nvidia Ion Zuallererst müssen ein paar Benchmarks den Weg auf den HP Mini 311 finden. Also USB-Stick rein, kopieren und gleichzeitig schon einmal den 3DMark 2006 installieren. Der 11,6-Zöller gerät dabei schon richtig ins Schwitzen, denn der Lüfter gibt sein Äußerstes. Ein deutliches und schnelles Rauschen macht auf die Schwerstarbeit der Intel-Atom-CPU aufmerksam. Wohlgemerkt, die Nvidia Ion Grafik im Chipsatz ist jetzt nur für Windows-Aero-Effekte aktiv. Wir sind gespannt, ob der Mini 311 noch erträglich ist, wenn neben dem Prozessor auch die Grafikkarte hart rechnen muss. Windows 7 läuft natürlich im Modus Höchstleistung, während wir einmal den Povray als Prozessor-Benchmark starten und einmal den bekannten 3DMark 2006 als Grafikkarten-Test. Wie zu erwarten steigt der Pegel des Lüfters sofort und es entsteht eine Geräuschkulisse, die allenfalls beim Spielen akzeptabel ist. Zum Glück wird der Mini 311 nur bei Games derart laut. Jedoch verstummt HPs Nvidia-Ion-Netbook quasi nie, auch nicht bei simplen Büroarbeiten. Wer feine Ohren hat und schon beim Notebook-Kauf auf besonders leise Geräte achtet, für den ist der Compaq Mini 311 nicht geeignet.

Geringe Abwärme

Für warme Hände sorgt der HP Mini 311 bei großer Kraftanstrengung auch – zumindest auf der rechten Handablage. Hier wird die Oberseite des Gehäuses mit bis zu 34 Grad nämlich am wärmsten. Angenehm erscheint uns aber die Tatsache, dass das Tastenfeld deutlich kühler bleibt. Egal wie lange wir den Mini 311 unter Stress setzen. Der 11,6-Zöller wird zwar laut aber das silberne Tastenfeld bleibt akzeptabel warm. Von Zimmertemperatur kann natürlich keine Rede sein.

Temperatur HP Mini 311

Pine Trail ohne Vorteile

Zur Weihnachtszeit 2009 hatte Intel die neue Netbook-Plattform namens Pine Trail vorgestellt. Diese bringt durch höhere Integration zuallererst eine Kostenersparnis für die OEM-Hersteller. Der Controller des Speichers sowie die Grafikkarte Intel GMA 3150 sitzen jetzt direkt im Prozessor-Chip. Der Chipsatz, der jetzt noch außerhalb der Atom N450 CPU übrig bleibt, benötigt lediglich zwei Watt im Betrieb. Kurz: der Stromverbrauch des gesamten Pine Trail Systems sinkt. Die Leistung bleibt aber fast identisch schwach wie in der alten Netbook-Generation. Der Atom N450 taktet mit 1,66 GHz und hat einen kleinen L2-Cache von nur 512 KB. Der Frontside-Bus liegt weiterhin bei 667 MHz und Hyper-Threading ist abermals an Bord. Der N450 wird wie seine Vorgänger in 45nm gefertigt. Der Grafikchip Intel GMA 3150 ist laut Tests genauso schwach wie der Netbook-Vorgänger GMA950 bzw. GMA500. 145 3DMarks 2006 sind ein äußerst schwaches Ergebnis. Die GPU GMA3150 beherrscht nur die alte Spiele-Schnittstelle DirectX-9. Das Wundermittel HD-Beschleunigung ist bei der im Prozessor integrierten Grafikkarte nicht an Bord. Kurz: Die Neuerungen eines Netbooks der neuesten Intel-Generation beschränken sich auf einen geringeren Stromverbrauch und die Kostenersparnis in der Produktion.

Ion-Vorteile bleiben bestehen

HP Mini 311 Benchmark Test
Die seit Anfang 2009 oft besprochenen Vorteile einer Nvidia-Ion-Plattform nebst Intel Atom bleiben also auch im Vergleich mit Pine Trail bestehen. Die Kombination einer starken Chipsatz-Grafik mit einem sparsamen Prozessor wäre das Eine. Die HD fähige Nvidia Geforce 9400M mit zu 319 MB DDR3 Shared Memory hilft dem Prozessor beim Dekodieren von HD-Videos. Der HP Mini 311 kann also als Media-Player sogar an einen Full-HD-Fernseher angeschlossen werden. Die Version 10.1 des Adobe Flash-Players kann die Rechenpower der Geforce 9400M ausnutzen und 720p sowie 1080p Filme ruckelfrei wiedergeben. Aber selbst Videokonvertierung, zum Beispiel mit Powerdirector7 oder Badaboom, ist direkt über die OnBoard-Grafik möglich. Aber nicht nur Video-Anwendungen werden von der Geforce 9400M im Mini 311 angeschoben. Nvidia Ion sorgt im Bildbearbeitunsgprogramm Adobe Photoshop CS4 für ein beschleunigtes Arbeiten beim Drehen, Verschieben und Zoomen eines Bildes.

HP Compaq Mini 311 als Spiele-Mini?

Dieser Wunschtraum erfüllt sich nur bedingt. Ältere Games wie Call of Duty 4 laufen nur in niedrigen Auflösungen, etwa 1.024 x 768 Pixel, halbwegs flüssig. Durchschnittlich 17 FPS werden erreicht. Doch selbst wenn flüssig gespielt werden kann, so wird der Spielspaß wegen der groben Auflösungen und Details schnell auf der Strecke bleiben. Der Standard Spiele-Benchmark 3DMark 2006 schließt nach einer Laufzeit, die Ewigkeiten zu brauchen scheint, mit 1.430 Punkten ab. Aktuelle Spiele-Einsteiger Notebooks erreichen in diesem Test mit ihren dedizierten Grafikkarten 5.000 bis 6.500 Punkte.

Locker flockig mit Windows 7?

HP Mini 311 Benchmark Test
Das vorinstallierte Windows 7 Home Premium 32 Bit kommt nicht in der Starter-Variante zum Einsatz. Das ist gut so, denn Nutzer können darin den Bildschirmhintergrund wählen und die Windows-Aero-Oberfläche aktivieren. Auch wenn Windows 7 als Netbook-taugliches OS einen Hype erlebte und die meisten Kunden sich ein Windows 7 wünschen: wirklich empfehlen können wir das neue OS für einen Intel Atom betriebenen Mini-PC nicht. Sobald mehrere Programme wie ein E-Mail Client, ein Browser mit mehreren Tabs und eine Media-Player aktiv sind, kommt die Arbeitsgeschwindigkeit ins Stocken. Wer echte Notebook-Performance sucht, der wird mit dem HP Mini 311 nicht glücklich.

Fazit: Netbook-Kraftpaket ohne Wenn und Aber

Der HP Compaq Mini 311 mit Nvidia-Ion-Chipsatz kostet zirka 375 Euro. Viel Geld für alte Hardware? Schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis? Mitnichten, denn dieser 11,6-Zoller schlägt jedes Pine-Trail Netbook um Längen. Die neue Pine Trail Plattform für Netbooks bietet mit dem N450 keinen schnelleren Prozessor. Der N270 im Mini 311 ist also in Sachen Rechengeschwindigkeit Stand der Technik. Wer zum Mini 311 greift, der macht das wegen der HD-tauglichen und für Netbook-Verhältnisse unverschämt schnellen Grafikkarte. Die eignet sich für ältere Spiele aber einen Spiele-Mini macht die Nvidia 9400M aus dem Compaq Mini 311 bei weitem nicht. Schwachpunkt ist die vergleichsweise geringe Akkulaufzeit von lediglich vier Stunden im Betrieb mit WLAN. Hier punkten die neuen Pine Trail Netbooks mit ihrer im Prozessor integrierten aber sehr schwachen Intel GMA3150-Grafikkarte.

System-Information HP Mini 311
Stresstest CPU Temperatur HP Mini 311