Netzversorgung

teltarif hilft: o2-LTE-Station in der Stadt verschwand spurlos

Ein o2-Kunde und Leser von teltarif.de hatte plötzlich kein LTE mehr - die einzige Basisstation in seiner Gegend verschwand spurlos. Sollte so die Netzfusion aussehen? teltarif.de konnte den Fall aufklären.
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teltarif hilft: o2-LTE-Station in der Stadt verschwand spurlosteltarif hilft: o2-LTE-Station in der Stadt verschwand spurlos teltarif.de berichtet regelmäßig über die Zusammenlegung des o2-Netzes mit dem E-Plus-Netz - zu Jahresbeginn hatten wir einen Ausblick gegeben, worauf Nutzer sich in der kommenden Zeit einstellen müssen.

Klar ist: Telefónica wird nicht alle Standorte der ehemals beiden Netze beibehalten, dies ist auch gar nicht notwendig. Einige Mobilfunk-Enthusiasten in Deutschland beobachten in ihrem Umfeld recht genau, was mit den Sendeanlagen der Mobilfunk-Netzbetreiber geschieht. In unserem heute geschilderten Fall führte der Abbau einer zentralen LTE-Station dazu, dass ein kompletter Stadtteil kein o2-LTE mehr hat. Was war geschehen?

o2-Kunde beobachtet Netzausbau über mehrere Jahre

Der Leser von teltarif.de kennt sich mit Mobilfunk-Netztechnik gut aus, besitzt mehrere SIM-Karten in den Netzen von o2 und E-Plus und wohnt in einer Stadt mit 20 000 Einwohnern im Niederrheinischen Tiefland. Seit vielen Jahren beobachtet er, wie die Netzbetreiber neue Standorte aufbauen, auch das Datum der Aufrüstung auf UMTS/HSPA oder LTE kann er in der Regel nennen. Mit seinen Smartphones sammelt der Nutzer Daten über die von ihm verwendeten Funkzellen mit Hilfe der Android-App Cell Widget. Die App kann beispielsweise die Cell-ID der Mobilfunk-Zelle mitloggen (hier im teltarif.de-Test).

In der Nähe der Wohnung des Lesers existiert seit 1999 eine o2-Station, die seither unverändert läuft. Sie bietet also lediglich GSM/GPRS und wurde nie auf neuere Techniken umgerüstet, nicht einmal EDGE beherrscht sie.

2008 wurde auf einer alten Industriehalle dann eine moderne UMTS-Station aufgestellt, 2012 wurde die Station auf LTE-800 aufgerüstet. Seither konnte der Kunde EDGE/HSPA+/LTE mit guter Qualität nutzen, LTE empfing er nach eigenen Aussagen sogar "mit voller Feldstärke" über eine Drillisch-SIM, deren Tarif 50 MBit/s erlaubt.

Links mit, rechts ohne Station
Links mit, rechts ohne Station

Der Schreck: o2-LTE vom einen auf den anderen Tag weg

Eines Tages im Sommer 2015 verschwand die LTE-Basisstation netztechnisch buchstäblich "von der Bildfläche". "Ich logge hier in der Regel die Zellen mit einem Smartphone, welches zu Hause am Strom hängt", teilte uns der mobilfunkbegeisterte Leser mit. Seither ist die Station nie wieder ans Netz gegangen und wurde schließlich im Dezember 2015 restlos abgebaut. "Nun ist nichts mehr davon zu sehen, dass dort mal eine Station vorhanden war. Ich besitze aber Fotos der Station", fasst der Kunde die Situation zusammen.

Auf Nachfrage beim Kundenservice von o2 bestätigte man dem besorgten Kunden die Abschaltung, ohne dafür plausible Gründe zu nennen. Da ein Ausweichen auf die veraltete GSM-Station von 1999 natürlich für die Nutzung des mobilen Internets mit einem Smartphone nicht in Frage kam, empfahl die Kundenbetreuung, per National Roaming das UMTS-Netz von E-Plus zu nutzen. Für den Kunden ist dies allerdings eine deutliche Verschlechterung, da er insbesondere die LTE-Fähigkeit der Drillisch-SIM an seinem Wohnort nicht mehr verwenden kann. Die Telefonie per E-Plus-UMTS funktioniert mit den o2-SIMs des Kunden zwar, er kann aber nicht mehr zwischen Gesprächen makeln. Beide Verbindungen werden bei dem Versuch unvermittelt beendet.

Da der Kunde regelmäßig die Berichte zur Zusammenlegung der beiden Netze auf teltarif.de mitverfolgt, vermutete er, dass die Station im Rahmen der Standort-Reduzierungen abgebaut worden sei. Doch darauf konnte er sich keinen Reim machen: "Aus der ehemaligen Versorgung mit allen Standards inklusive LTE in voller Feldstärke ist nun eine Null-Versorgung geworden. Wenn so die Fusion der Netze aussieht, dann gute Nacht", schrieb der Kunde schließlich an teltarif.de mit der Bitte, der Sache nachzugehen.

Nichts erinnert mehr an die ehemalige Basisstation
Nichts erinnert mehr an die ehemalige Basisstation

Überraschung: Der Grund war nicht die Netzzusammenschaltung

Seine Anfrage bei teltarif.de hat der o2-Kunde bestens vorbereitet. Aus der EMF-Datenbank der Bundesnetzagentur, die alle stand­ort­be­scheinigungs­pflichtigen Funkanlagen verzeichnet, suchte er die Stand­ort­be­scheinigungen aller o2- und E-Plus-Basisstationen in der Gegend um seinen Wohnort heraus.

Mit diesen Informationen konnte teltarif.de sich an Telefónica wenden und das Problem dank der ausführlich dokumentierten Daten des Lesers genau beschreiben. Nach einer ausführlichen internen Recherche konnte der Netzbetreiber das Ergebnis präsentieren. Die Überraschung: Der Ausfall und Abbau der Station hat gar nichts mit der Netzzusammenschaltung zu tun.

Das "Verschwinden" der LTE-Station zu dem vom Leser genannten Termin lässt sich bei Telefónica exakt nachvollziehen: An diesem Tag gab es nämlich einen Vandalismus-Schaden an genau dieser Station, was bei Mobilfunknetzen glücklicherweise eher selten vorkommt. Destruktive Zeitgenossen haben die Energieversorgung der Basisstation an diesem Tag so stark demoliert, dass diese komplett ausgefallen ist.

Als dann eine Wiederinbetriebnahme der LTE-Station diskutiert wurde, stellte sich heraus, dass der Besitzer des Standorts den Vertrag mit Telefónica bereits zum Jahresende 2015 außerordentlich gekündigt hatte. Die Wiederinbetriebnahme hätte wahrscheinlich mehrere Wochen gedauert und wahrscheinlich einen fünfstelligen Betrag gekostet. Und das war für die wenigen noch verbleibenden Wochen des Jahres 2015 nicht mehr rentabel.

Telefónica ist sich sehr wohl bewusst, dass die LTE-Versorgung am Standort des Lesers momentan vorübergehend unzureichend ist. Um die LTE-Lücke zu schließen, sind Maßnahmen geplant, mit einer Verbesserung ist aber aufgrund behördlicher Zeitabläufe (Genehmigungsverfahren usw.) realistisch erst in sechs bis neun Monaten zu rechnen, also in der zweiten Jahreshälfte. Bis dahin empfiehlt Telefónica dem Leser, auf UMTS-Roaming im E-Plus-Netz zurückzugreifen.

Bei einer regulären Standortkündigung sind die Fristen in der Regel so lang, dass ein Netzbetreiber bis zur Abschaltung in der Nähe eine Ersatz-Basisstation aufbauen kann. Die Kunden merken bei diesem fließenden Übergang gar nicht, dass eine Station ab- und die nächste angeschaltet wurde. Das Aufeinandertreffen von außerordentlicher Kündigung und Vandalismus wie bei unserem Leser kommt in der Praxis glücklicherweise nur sehr selten vor.

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