
Wie geht es weiter mit Telogic?
Die Sperre kam aus heiterem Himmel: Am Freitag, 10. August, konnten Kunden des
virtuellen Netzbetreibers
Telogic,
früher vistream), und dessen Vertriebspartnern wie
solomo,
sipgate one oder
Speach sowie zahlreicher weiterer kleiner Anbieter
plötzlich nicht mehr telefonieren. Betroffen waren
insbesondere die in Afghanistan stationierten Soldaten der Bundeswehr, für die
Telogic vor Ort spezielle Telekommunikations-Infrastruktur aufgebaut hat. Einzig
Telefonate zwischen Kunden der genannten Anbieter untereinander waren möglich.
SMS funktionierten mit allen Netzen außer dem der Deutschen Telekom.
Besonders überraschend war, dass selbst zwischen Kunden von Telogics Netzpartner
E-Plus und Telogic keine Telefonate möglich waren.
Offensichtlich gab es nur eine Zusammenschaltung zwischen dem virtuellen telogic-Netz
und dem Rest der Telekommunikationswelt, und zwar über die Deutschen Telekom.
Diese hatte die Leitungen wegen offener Forderungen und einem über das Vermögen
von Telogic laufenden Insolvenzverfahren gekappt.
Das pikante an der Telekom-Abschaltung ist jedoch, dass die Telekom nicht nur
offene Forderungen gegen Telogic hat, sondern Branchenkreisen zufolge auch erhebliche
Verbindlichkeiten gegenüber Telogic hat. Schon vor geraumer Zeit soll die Telekom
die Zahlung von Interconnect-Entgelten an Telogic für
die Zustellung von Telefonaten ins Telogic-Netz eingestellt haben. Diese bekommt
jeweils der Netzbetreiber des Angerufenen für die Weiterleitung der Gespräche bis
zum Empfänger des Telefonats. Der Vorwurf der Telekom laut Branchenkreisen: Telogic
hat zu viel "merkwürdigen Traffic", der nicht zu Handys von Kunden in Deutschland
führt, sondern auf irgendwelche Sprachsysteme.
Denkbar schlimmster Fall für die Deutsche Telekom wäre nun, dass sich zweifelsfrei
herausstellt, dass die in Afghanistan roamenden Soldaten der Bundeswehr die
Hauptursache für den ungewöhnlichen Telogic-Traffic sind. Denn dann wäre weder die
IC-Zahlungsverweigerung rechtens, die wohl zu der Insolvenz bei Telogic maßgeblich
beigetragen hat, noch die folgende Total-Abschaltung. Beides könnte zu hohen
Schadensersatzzahlungen führen. Die Telekom hätte dann das genaue Gegenteil ihres
Ziels erreicht: Statt einen technisch versierten, wirtschaftlich aber nicht allzu
erfolgreichen Konkurrenten endgültig ins Aus zu befördern, hätten sie ihn auch
noch gestärkt. Dass Telogic zunehmend wesentliche Kunden
abspringen, könnte Schaden wie
Schadensersatz abermals erhöhen. Insbesondere Astrium/Connect-D, die den
Bundeswehr-Telefoniedienst bereitstellen, sind direkt zu E-Plus
gewechselt.
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