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Editorial: Wenn der Anschluss plötzlich weg ist26.08.2012
18:01 Der Deutsche Markt ist auf Insolvenzen schlecht vorbereitet
Von Kai Petzke
![]() Wie geht es weiter mit Telogic? Die Sperre kam aus heiterem Himmel: Am Freitag, 10. August, konnten Kunden des virtuellen Netzbetreibers Telogic, früher vistream), und dessen Vertriebspartnern wie solomo, sipgate one oder Speach sowie zahlreicher weiterer kleiner Anbieter plötzlich nicht mehr telefonieren. Betroffen waren insbesondere die in Afghanistan stationierten Soldaten der Bundeswehr, für die Telogic vor Ort spezielle Telekommunikations-Infrastruktur aufgebaut hat. Einzig Telefonate zwischen Kunden der genannten Anbieter untereinander waren möglich. SMS funktionierten mit allen Netzen außer dem der Deutschen Telekom. Besonders überraschend war, dass selbst zwischen Kunden von Telogics Netzpartner E-Plus und Telogic keine Telefonate möglich waren. Offensichtlich gab es nur eine Zusammenschaltung zwischen dem virtuellen telogic-Netz und dem Rest der Telekommunikationswelt, und zwar über die Deutschen Telekom. Diese hatte die Leitungen wegen offener Forderungen und einem über das Vermögen von Telogic laufenden Insolvenzverfahren gekappt. Das pikante an der Telekom-Abschaltung ist jedoch, dass die Telekom nicht nur offene Forderungen gegen Telogic hat, sondern Branchenkreisen zufolge auch erhebliche Verbindlichkeiten gegenüber Telogic hat. Schon vor geraumer Zeit soll die Telekom die Zahlung von Interconnect-Entgelten an Telogic für die Zustellung von Telefonaten ins Telogic-Netz eingestellt haben. Diese bekommt jeweils der Netzbetreiber des Angerufenen für die Weiterleitung der Gespräche bis zum Empfänger des Telefonats. Der Vorwurf der Telekom laut Branchenkreisen: Telogic hat zu viel "merkwürdigen Traffic", der nicht zu Handys von Kunden in Deutschland führt, sondern auf irgendwelche Sprachsysteme. Denkbar schlimmster Fall für die Deutsche Telekom wäre nun, dass sich zweifelsfrei herausstellt, dass die in Afghanistan roamenden Soldaten der Bundeswehr die Hauptursache für den ungewöhnlichen Telogic-Traffic sind. Denn dann wäre weder die IC-Zahlungsverweigerung rechtens, die wohl zu der Insolvenz bei Telogic maßgeblich beigetragen hat, noch die folgende Total-Abschaltung. Beides könnte zu hohen Schadensersatzzahlungen führen. Die Telekom hätte dann das genaue Gegenteil ihres Ziels erreicht: Statt einen technisch versierten, wirtschaftlich aber nicht allzu erfolgreichen Konkurrenten endgültig ins Aus zu befördern, hätten sie ihn auch noch gestärkt. Dass Telogic zunehmend wesentliche Kunden abspringen, könnte Schaden wie Schadensersatz abermals erhöhen. Insbesondere Astrium/Connect-D, die den Bundeswehr-Telefoniedienst bereitstellen, sind direkt zu E-Plus gewechselt. Auf Seite 2 lesen Sie mehr zur aktuellen Situation bei Telogic.
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