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Trendwende: Europas Telekomriesen können endlich durchatmen

Europas Telekomriesen können endlich durchatmen: Die Zahlen werden wieder besser und die Politik hat derzeit ein offenes Ohr für die Nöte der Branche. Aber nicht alle Anbieter sind glücklich über die neuen Entwicklungen.
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Der Draht zur Politik wird besser: Telekom-Chef Timotheus Höttges und Bundeskanzlerin Angela Merkel.Der Draht zur Politik wird besser: Telekom-Chef Timotheus Höttges und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die europäischen Telefonriesen sehen endlich wieder Land: Die Umsätze schrumpfen nicht mehr ganz so sehr, die Deutsche Telekom wächst sogar wieder. Lange fühlten sie sich durch die Politik gegängelt. Inzwischen finden die Konzerne aber auch bei Politik und Wettbewerbshütern wieder mehr Gehör.

Die vierteljährlichen Berichte der europäischen Telefonriesen waren lang Zeit ein einzige Krampf: Den Investoren schrumpfende Umsätze und Gewinne schmackhaft zu machen - das war mehr als mühsam. Die Europäer drohten den Anschluss an die US-Rivalen zu verlieren, sowohl bei den Netzen, als auch bei der mobilen Datennutzung - und nicht zuletzt beim Geld. In der Branche malten Manager schon Schreckgespenste an die Wand: Etwa das vom US-Telefonriesen AT&T, der mit gut gefüllten Taschen über den Atlantik kommen und sich einen Konzern wie Vodafone einfach einverleiben könnte.

Dazu ist es nicht gekommen. Gespräche darüber gab es Gerüchten zufolge aber sehr wohl. Der Versuch des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim, mit dem Kauf von E-Plus in den deutschen Mobilfunk-Markt einzusteigen, ist bekanntlich gescheitert - weil E-Plus an Telefónica Deutschland verkauft wurde.

Zwar soll das Szenario der übermächtigen Konkurrenz aus Übersee vor allem Regulierer und Politiker aufscheuchen, deren Einfluss auf die großen Vorzeigeunternehmen dann zwangsläufig schwinden würde. Aber unrealistisch ist es nicht: Carlos Slim und seine in Lateinamerika mächtige America Móvil waren in anderen Fällen bereits erfolgreich und haben kürzlich bei der Telekom Austria mit ihren rund 23 Millionen Kunden in Österreich und Osteuropa die Kontrolle übernommen.

Trendwende geschafft - der Wettbewrb bleibt hart

Da kommt es gerade recht, dass die Großen aus Europa, die britische Vodafone, die spanische Telefónica, die französische Orange und allen voran die Deutsche Telekom wieder Tritt fassen. Die Telekom wächst bereits wieder, weil die Bonner kräftig in den US-Markt investiert haben. Vodafone schickt sich an, bald erstmals seit dem Frühjahr 2012 konzernweit aus eigener Kraft mehr für Telefonie und Daten in Rechnung zu stellen. Die Trendwende bei den Briten sei beeindruckend, konstatieren Analysten wie Akhil Dattani von der US-Investmentbank JPMorgan. Auch bei Orange und Telefónica sah es wieder besser aus.

Die Ratingagentur Moody's rechnet auch im kommenden Jahr weiter mit Fortschritten - wenn auch kleinen. "Wir erwarten, dass die Umsätze im Sektor in den kommenden zwölf bis 18 Monaten zwischen zwei und 0,5 Prozent zurückgehen - nach vier Prozent im vergangenen Jahr", sagt Moody's-Branchenexperte Carlos Winzer.

Rosig dürften die Zeiten zwar noch lange nicht werden. Harter Wettbewerb und die schwächelnde Konjunktur in Europa sind weiter ein Klotz am Bein. Aber - so heißt es bei Moody's - die Regulierer dürften dem Sektor nicht mehr arg so zusetzen, nachdem den Unternehmen aus den Kabelnetzen und dem Internet neue Konkurrenz erwachsen ist.

Zum einen erlaubte die EU-Kommission im Sommer die deutsche Fusion zwischen Telefónica Deutschland und E-Plus. Das könnte Signalcharakter haben. Telekom-Chef Tim Höttges trommelt zudem schon länger gegen die Googles, Facebooks und Skypes dieser Welt, die mit ihren Dienstleistungen zu direkten Rivalen der Telekom geworden sind, aber keine eigenen Netze unterhalten müssen. Gemeimsam mit anderen Telekom-Chefs hat er kürzlich einen entsprechenden Brief an den EU-Kommissionspräsidenten Juncker geschrieben.

Wie anbieterfreundlich ist branchenfreundlich?

Beim neuen EU-Digitalkommissar Günther Oettinger scheint er Gehör zu finden. Zwar sitze die Frustration über manche Dinge weiter tief, verriet Höttges bei der Vorlage der Quartalszahlen. Aber: "In meinen 14 Jahren bei der Telekom habe ich noch nie eine so positive Haltung deutscher Politiker erlebt, auch von den Aussagen europäischer Politiker wie Präsident Juncker und Herrn Oettinger", schwärmte er in Richtung der neuen EU-Kommission.

Es gehe darum, Fusionen kleinerer und regionaler IT- und Telekomanbieter auf europäischer Ebene zu fördern, hatte Oettinger zuletzt in einem Interview mit dem Handelsblatt gesagt. "Der europäische Telekommarkt ist im Vergleich zum amerikanischen zu fragmentiert und zu ertragsschwach." Experten wie Dominik Klarmann von der britischen Investmentbank HSBC sehen darin eine klar branchenfreundliche Ausrichtung. Auch Kanzlerin Angela Merkel hatte sich für eine Reform des Wettbewerbsrechts im Telekomsektor ausgesprochen.

Die Stoßrichtung ist klar: Investitionen für schnelles Internet brauchen Geld, eigenständige Unternehmen aber auch. Die Manager denken aber wohl kaum nur defensiv: Wer am sichersten auf eigenen Füßen steht, der kann sich auch innerhalb Europas die Sahnestücke für Übernahmen raussuchen.

Es sind aber nicht alle über diese Entwicklung glücklich: Gerade bei den kleineren Carrieren, die etwa im Breko organisiert sind, läuten bereits die Alarmglocken. Sie befürchten durch eine Politik, die die Großen fördert, unter die Räder zu kommen.

Mehr dazu können Sie in unserer Meldung EU-Kommissar Oettinger auf Kroes-Linie: Festnetz-Wettbewerb gefährdet? erfahren.

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