Wortlaut

Telekom plant VDSL-Vectoring-Monopol durch die Hintertür

Bestehende Verträge mit Mitbewerbern könnten gekündigt werden
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Glasfaser bis zum Kabelverzweiger - die Voraussetzung für VDSL VectoringGlasfaser bis zum Kabelverzweiger - die Voraussetzung für VDSL Vectoring Die Deutsche Telekom hat wie berichtet in dieser Woche einen Antrag auf Regulierung für den Bereich VDSL Vectoring gestellt. Der Plan: Mehr als 20 Millionen Haushalte sollen mit der neuen Technologie erschlossen werden, Datenraten von bis zu 100 MBit/s im Downstream und 40 MBit/s im Upstream sollen möglich werden. In ihrer Presseerklärung gab die Telekom sich gegenüber ihren Mitbewerbern freundlich und offen. Liest man jedoch den Antrag, den eine Rechtsanwaltskanzlei im Auftrag der Telekom bei der Bundesnetzagentur eingereicht hat, so dürften die Wettbewerber alles andere als erfreut über die Pläne der Telekom sein. Ihnen wird sogar mit der Kündigung bestehender Verträge gedroht, wenn sie nicht ebenfalls binnen einer Frist von einem Jahr ihre Kabelverzweiger mit Vectoring aufrüsten und der Telekom eine Vorleistung anbieten. In Branchenkreisen heißt es bereits, der Antrag konterkariere die Pressemitteilung der Telekom.

Der Hauptantrag der Telekom sieht vor, dass sie der Bundesnetzagentur Pläne einreichen muss, aus denen ersichtlich wird, wo sie Vectoring einführen will. Diese Gebiete seien dann für die Wettbewerber für den Ausbau gesperrt. Insider befürchten, dass diese Antragsgebiete auch über die bisher genannten 24 Millionen Haushalte hinaus gehen könnte und die Telekom auf diesem Weg wiederum ein Monopol für Vectoring bekäme und die Wettbewerber ausbremst. "Der Breitbandausbau in der Fläche wäre damit tot", befürchtet ein Branchenkenner. Denn: Eine Frist für die Umsetzung der Ausbaupläne sieht der Telekom-Antrag nicht vor. Auch Dr. Stephan Albers, Geschäftsführer des Branchenverbandes Breko sagt: "Die von der Telekom beantragte Einschränkung des Breitbandausbaus für die Wettbewerber ist eine schlechte Neuigkeit für die Breitbandversorgung in Deutschland und vor allem für die Bürgerinnen und Bürger in ländlichen Gebieten."

Telekom liefert Hilfsantrag direkt mit

Offenbar befürchtet die Telekom aber auch selbst, dass sie mit diesem Antrag nicht durch die Regulierungsinstanzen kommt. Entsprechend hat sie hilfsweise einen zweiten Antrag eingereicht. Hier käme es dann zu einem auch von den Mitbewerbern geforderten Windhundrennen, bei dem derjenige Vectoring einsetzen dürfte, der einen Kabelverzweiger zuerst erschlossen hat.

Allerdings gibt es auch hier für die Wettbewerber der Telekom Einschränkungen, die die Telekom beantragt hat. Demnach muss sie die Mitbewerber nicht an Kabelverzweiger in einem Ortsnetz lassen, wenn sie in diesem Ortsnetz bereits eine größere Anzahl an Verzweigern erschlossen hat als die Mitbewerber. In der Praxis würde das bedeuten: Hat die Telekom in einer mittelgroßen Stadt die Innenstadtbereiche erschlossen, hat sie eine größere Anzahl an Verzweigern erschlossen als die Mitbewerber es in den Außenbezirken könnten. Diese Außenbezirke dürften die Mitbewerber nach Plänen der Telekom auch künftig nicht mit VDSL erschließen, die Telekom hätte hier das ausschließliche Recht auf Erschließung.

Bestandsschutz nur unter Voraussetzungen

Auch der Bestandsschutz für bereits mit Glasfaser erschlossene Kabelverzweiger ist für die Wettbewerber der Telekom nicht in jedem Fall gegeben. So fordert der Ex-Monopolist, dass die Mitbewerber binnen einer Frist von einem Jahr in ihren Kabelverzweigern ebenfalls VDSL Vectoring einführen und der Telekom den Zugriff auf diese Leitungen gewähren müssen. Sollte das nicht erfolgen, wäre die Telekom nach ihren Plänen berechtigt, bestehende Verträge mit den Mitbewerbern zu kündigen. Diese wären dann nicht mehr in der Lage, eigene Produkte auf eigener Technik anzubieten. Zudem würden die getätigten Investitionen entwertet werden.

Die Telekom will ihren Mitbewerbern ihrem eigenen Antrag zufolge ebenfalls Zugriff auf die eigenen VDSL-Vectoring-Leitungen bieten. Allerdings dürfte das Angebot den Mitbewerbern ebenfalls nicht gefallen, da es sich lediglich um einen sogenannten Layer-3-Zugang handeln soll. Damit würden sich Dienste wie Multicast - ein Protokoll, das für IPTV zwingend erforderlich ist - nicht realisieren lassen. Gerade bei derartig hohen Datenraten wie Vectoring sie ermöglichen würden wären solche Dienste jedoch sinnvoll einsetzbar.

Die Wettbewerber haben nun einen Monat Zeit, den Antrag schriftlich zu kommentieren. Allerdings werden ihnen durch die bevorstehenden Feiertage einige Tage verloren gehen, den 76 DIN-A4-Seiten langen Antrag zu lesen und zu kommentieren.

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