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VDSL Vectoring: Mitbewerber stellen sich gegen Telekom-Pläne

Verbände fürchten Remonopolisierung, befürworten aber Vectoring
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Die drei Branchenverbände Breko, VATM und Buglas tun sich in Sachen VDSL Vectoring zusammen.Die drei Branchenverbände Breko, VATM und Buglas tun sich in Sachen VDSL Vectoring zusammen. Die Mitbewerber der Telekom im Festnetz haben sich in einer gemeinsamen Pressemitteilung gegen die Pläne der Telekom gestellt, bestimmte Vorleistungen zu Gunsten von mehr Bandbreite im Telekom-Netz nicht mehr anbieten zu wollen. Dabei geht es um die Pläne zur Einführung von VDSL Vectoring, einem Verfahren, das die Geschwindigkeit von VDSL-Leitungen auf 100 MBit/s im Downstream erhöhen soll. Der Nachteil daran: Bestimmte Vorleistungen, bei denen die Mitbewerber der Telekom erst ab dem Kabelverzweiger die Kupferdoppelader mieten, können technisch nicht mehr ohne weiteres angeboten werden. Im Dezember wollen die Mitbewerber einen eigenen Vorschlag machen, wie es Vectoring geben könnte, ohne dass die Wettbewerber auf der Strecke bleiben.

"Wenn es darum geht, die Breitbandversorgung in Deutschland weiter zu verbessern, ist der Einsatz von Vectoring grundsätzlich zu begrüßen", sagt VATM-Präsident Gerd Eickers. Die Forderung der Telekom, die Entbündelung nicht nur dort, wo Vectoring tatsächlich eingesetzt wird, sondern ganz unabhängig davon gleich bundesweit auszuschalten, sei jedoch nicht akzeptabel. Es gehe der Telekom in "Wahrheit wieder einmal um das Verhindern von Wettbewerb", heißt es in der gemeinsamen Mitteilung von VATM, Breko und Buglas. Unterm Strich gehe eine solche Änderung zu Lasten der Bürger gerade in ländlichen Regionen, "wo die Wettbewerber mehr als das Doppelte der Telekom investieren."

Vectoring unterdrückt die wechselseitigen Störungen der einzelnen Leitungen in einem Kabel, ähnlich wie bei der Rauschunterdrückung in Kopfhörern. Dadurch können im herkömmlichen Kupferkabel bei gleichzeitigem Einsatz von VDSL auf Distanzen bis zu 400 Meter zwischen Kabelverzweiger und Haushalt Bandbreiten von bis zu 100 MBit/s  erreicht werden, bei Entfernungen bis zu 800 Meter immerhin noch etwa 50 MBit/s. Wenn nun aber Mitbewerber die so genannte Kvz-TAL, also die Leitung vom Kunden bis zum Kabelverzweiger nutzen, könne diese Rauschunterdrückung nicht funktionieren, da die Inhalte der Daten nicht bekannt sind.

Mitbewerber sehen Milliarden-Investition gefährdet

Das Problem der Mitbewerber: Nach eigenen Angaben haben sie seit der Marktöffnung 1998 deutlich mehr als 50 Milliarden Euro investiert, den größten Teil davon in eigene Infrastrukturen. Würde die Telekom ihnen nun den Zugriff auf die Kvz-TAL entziehen, sehen sie nicht nur eine Entwertung der Milliarden-Investitionen, sondern fürchten auch eine Remonopolisierung. Gerade im ländlichen Bereich wird die Kvz-TAL häufiger eingesetzt, da sich hier die Anbieter selbst um eine Zuführung der Daten per Glasfaser oder per Richtfunk zum Schaltschrank kümmern. In Städten wird hingegen eher die normale TAL gemietet und die Daten ab der Vermittlungsstelle übernommen. "Eine Monopolisierung von Vectoring durch die Deutsche Telekom ist schon deshalb unsinnig, weil diese Technik den Glasfaserausbau zum Kabelverzweiger voraussetzt. Dieser wird in Deutschland aber ganz wesentlich durch Investitionen der Wettbewerber vorangetrieben", so Breko-Präsident Ralf Kleint.

Die drei Verbände wollen einen gemeinsamen Vorschlag dazu erarbeiten, wie sich die Vectoring-Technologie im Wettbewerb aller Marktteilnehmer einsetzen lässt, "damit die Innovations- und Investitionskraft der gesamten Branche im Sinne eines weiteren zügigen Breitbandausbaus für Bürger und Unternehmen eingesetzt werden kann". Der Vorschlag wird dem Vernehmen nach bei der nächsten Sitzung des NGA-Forums bei der Bundesnetzagentur vorgestellt.

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