Vectoring

Breitband-Offensive: Hintergründe zu VDSL-Ausbau der Telekom

Neues 100-MBit/s-Netz bräuchte regulatorische Änderungen
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Bei Kabelverzweigern wie diesen kommt die Kvz-TAL zum Einsatz. Sie wäre bei VDSL Vectoring ein ProblemBei Kabelverzweigern wie diesen kommt die Kvz-TAL zum Einsatz. Sie wäre bei VDSL Vectoring ein Problem Vergangenes Wochenende wurde bekannt, dass die Deutsche Telekom plant, ihr VDSL-Netz massiv auszubauen. Dabei sollen nicht nur deutlich mehr Haushalte als bislang erreicht werden, sondern auch noch die Datenrate auf 100 MBit/s im Downstream erhöht werden. Doch bis es soweit ist, wird es wohl noch eine Weile dauern. Wie teltarif.de erfuhr, müssen dafür erst noch regulatorische Änderungen vorgenommen werden, die Produkte für die Mitbewerber betreffen. Offiziell äußert sich die Telekom nicht zu den Plänen, hinter vergehaltener Hand werden sie jedoch bestätigt. Lediglich Telekom-Deutschland-Chef Niek Jan van Damme bezeichnete die verwendete Technik mit dem Namen Vectoring auf der Pressekonferenz auf der IFA als "eine interessante Technologie".

Mit VDSL Vectoring wird die Technik bezeichnet, die hinter der Erhöhung der Datenrate steht. Dank ihr könnten sich die Datenraten im bestehenden VDSL-Netz und in der Konsequenz auch in den neu zu errichtenden Gebieten drastisch erhöhen lassen. Bei einer Entfernung von bis zu 500 Metern zwischen dem Kunden und dem Kabelverzweiger ließen sich Downstream-Datenraten von 100 MBit/s erreichen. Im Upstream ließen sich die heutigen Raten vervierfachen und bis zu 40 MBit/s ermöglichen, wie es aus informieren Kreisen hieß.

VDSL Vectoring ist nicht kompatibel mit der Kvz-TAL

Es gibt jedoch ein Problem mit der Technik: Sie lässt sich in Deutschland nach aktuellem Stand nicht ohne weiteres verwenden. Grund dafür ist die sogenannte Kvz-TAL. Dabei handelt es sich um ein Vorleistungsprodukt der Deutschen Telekom, das sie ihren Mitbewerbern anbieten muss. Sie umfasst die Kupferleitung des Kunden von der TAE-Dose bis zum Kabelverzweiger. Dort befindet sich die Technik des Mitbewerbers. Den entstehenden Datenverkehr führt er dann über eigene Glasfaserleitungen oder Richtfunkanbindungen ab.

Nach gut informierten Branchenkreisen handelt es sich um 60 000 solcher Leitungen, die aktuell vermietet sind. Sie sind vor allem von lokalen Stadtnetzbetreibern oder von Anbietern wie Eifelnet, die den Verteilerkasten per Richtfunk anbinden. Für diese Leitungen bräuchte die Branche eine andere Lösung. Vectoring lässt sich nur einsetzen, wenn alle Leitungen vom gleichen Anbieter stammen. Denn um die Datenraten zu erhöhen, müssen die über die Leitungen übertragenen Inhalte bekannt sein. Wenn die Leitungen jedoch an Dritte vermietet sind, ist das nicht möglich. Normale Teilnehmeranschlussleitungen hingegen stellen nach Angaben von mit der Materie vertrauten Personen keine Probleme da.

VDSL-Ausbau würde Glasfaser näher an die Wohnungen bringen

Die Telekom könnte durch den Einsatz von Vectoring viel Geld sparen und gegen die Bandbreiten-Konkurrenz aus dem Kabelnetz zumindest ein wenig gegenhalten. Auch wenn es aus der Kabelbranche schon tönt, man könne ohne weiteres auf 200 oder 300 MBit/s gehen, so wäre es für die Telekom erst einmal wichtig, über 20 Millionen Haushalte mit 100 MBit/s versorgen zu können. Zudem ließen sich die Investitionen in das VDSL-Netz zu einem späteren Zeitpunkt nutzen, um Glasfaser bis zum Haus anzubieten. Immerhin liegt das Glasfaser schon wenige hundert Meter vor der Tür des Kunden.

Zunächst müssen nun aber die regulatorischen Fragen geklärt werden. Die Bundesnetzagentur, so hört man aus Bonn, steht Gesprächen mit der Telekom offen gegenüber. Mit welchen Ergebnissen diese dann ausgehen könnten, konnte man bei der Behörde jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

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