Rede

Telekom-Chef: "Kabelnetze öffnen oder Schluss mit Regulierung"

René Obermann mit Rede auf der Jahreshauptversammlung
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Telekom-Chef René Obermann fordert einmal mehr, dass sich die Regulierung in Europa und somit auch in Deutschland künftig stärker zurücknimmt. Im Mobilfunkmarkt hat die Absenkung der Terminierungentgelte dem Unternehmen einen großen Umsatzverlust gebracht. Seit 2007 seien diese Entgelte um 60 Prozent zurückgegangen. Alleine die Absenkung 2011 habe der Branche einen Umsatzverlust von 850 Millionen Euro gebracht. Das sei nicht im Interesse des Verbrauchers. Er bezeichnete diese Absenkungen als "dramatisch und falsch".

Telekom-Chef René Obermann (Archiv-Bild)Telekom-Chef René Obermann (Archiv-Bild) Die harten Regulierungen nehmen dem Unternehmen, aber auch den Mitbewerbern die Anreize für Investitionen. Auch die Forderungen nach billigen Netzanschlüssen bei gleichzeitiger Forderung nach Milliardeninvestitionen passen aus seiner Sicht nicht zusammen. Er verglich dieses mit einem Immobilieninvestor, der ein Haus bauen soll, obwohl er wisse, dass im Nachhinein die Behörden die Miete festlege. Und das eventuell auf ein Niveau, bei dem er noch nicht einmal seine Kredite zurückzahlen kann. Er werde kein Haus bauen, die Folge sei irgendwann ein Wohnungsmangel. Das drohe auch der Telekommunikationsinfrastruktur: "Der regulierungsbedingte Preisverfall muss gestoppt werden, sonst ist keine ausreichende Finanzierung möglich."

Obermann kritisierte die nicht vorhandene Regulierung bei den Kabelnetzen massiv. Die Kabelnetzbetreiber machen der Telekom, aber auch anderen DSL-Anbietern seit einiger Zeit enorme Probleme, da sie die Kunden abschöpfen und deutlich höhere Bandbreiten bieten. "Die Regulierung bevorteilt Kabelnetzbetreiber massiv", so Obermann. Er forderte eine Chancengleichheit in diesem Wettbewerb. Für ihn heißt das: "Entweder die Kabelnetze müssen geöffnet und reguliert werden, wie auch auch wir reguliert werden, oder mit der Regulierung der Telekom muss Schluss sein."

Kooperation mit Sky nicht um jeden Preis

Mit Bezug auf den Verlust der Bundesliga-Rechte wiederholte Obermann Äußerungen, die in den vergangenen Wochen bereits gefallen sind. Interessant war, dass Obermann erstmal selbst Zweifel zeigte, ob ein Biet-Erfolg medienrechtlich Bestand gehabt hätte. Er wolle sich die öffentlichen und medienrechtlichen Reaktionen nicht ausmalen, wenn die Telekom das ohnehin hohe Sky-Gebot noch überboten hätte. Das Gebot der Telekom bezeichnete er als qualitativ gut, man sei aber an die Grenze des wirtschaftlich vertretbaren gegangen. Diese Grenze gilt auch für eine mögliche Kooperation mit Sky, die im Raum steht. Die Telekom habe daran zwar Interesse, aber "auch nicht um jeden Preis".

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