Telekom-Kündigung

Kündigungs-Hintergrund: Darum stellt die Telekom ihre Kunden auf All-IP um

In diesen Tagen erhalten weitere Telekom-Kunden Kündigungen für ihren Anschluss. Wir erklären die Hintergründe und warum die Telekom schon jetzt beginnt, Anschlüsse umzustellen, auch wenn die Umstellung erst 2018 abgeschlossen sein soll.
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Die Telekom modernisiert ihr NetzDie Telekom modernisiert ihr Netz Seit Sommer schreibt die Telekom einzelne Kunden an und bittet sie, ihren Tarif umzustellen. Sollte das nicht erfolgen, wird die Telekom einige Zeit später von sich aus kündigen. Betroffen von diesen Kündigungen sind derzeit vor allem Kunden mit einem VDSL-Anschluss, bei dem die Telefonie über echtes ISDN oder einen Analoganschluss realisiert wird. In diesen Tagen treffen bei weiteren Kunden Kündigungen ein. Wir erklären Ihnen die Hintergründe und zeigen Ihnen, warum in den kommenden Jahren noch zahlreiche Kündigungen folgen dürften.

Netzumbau seit Jahren geplant

Schon seit Jahren ist in der Tele­kommunikations­branche bekannt, dass die Deutsche Telekom ihr Netz massiv umbauen will. Der Umbau betrifft dabei vor allem das klassische Festnetz. Wer heute noch einen analogen Telefonanschluss oder ISDN bei der Telekom nutzt, wird das wohl nur noch einige Jahre wenn nicht gar Monate machen können. Denn die Telekom beginnt, ihr Netz auf IP-Technik umzustellen. Und seitdem die Telekom auch Kunden anschreibt und ihren Kunden Kündigungen nach Hause schickt, merkt auch die Kundschaft etwas von den Plänen der Telekom. Der Umbau des Netzes beginnt in diesen Wochen und Monaten bei Kunden mit VDSL.

Der Hintergrund hier ist, dass die Telekom ihr bestehendes, seit 2006 aufgebautes VDSL-Netz schneller machen möchte. Zwar hatte man 2006 mit 50 MBit/s im Downstream die Nase vorn, wurde inzwischen in Sachen Geschwindigkeit von den Kabelnetzen überholt. Nun will man das eigene Netz auf 100 MBit/s im Downstream beschleunigen und so auch in Großstädten schnelleres Internet anbieten. Doch die Umstellung erfordert aus Sicht der Telekom, dass auch die Anbindung der Multifunktionsgehäuse am Straßenrand geändert werden muss. Zwar verlegt man keine neuen Glasfaser, allerdings werden die Kunden auf eine andere, neuere Plattform migriert. Und diese Plattform erlaubt keine Kombination mit Festnetzanschlüssen mehr, sondern unterstützt nur noch IP-Anschlüsse.

In zwei Jahren sollen Großstädte schnelleres VDSL erhalten

Bis 2016 will man die Umstellung der alten VDSL-Anschlüsse abgeschlossen haben und dann in Großstädten 100 MBit/s anbieten. Dann jedoch hat die Telekom schon das nächste Projekt vor der Brust: Millionen DSL-Kunden haben neben ihrem DSL-Anschluss noch einen echten Festnetzanschluss. Auch diesen wird es an den Kragen gehen. Ab 2017 sind hier wie berichtet die ersten Kündigungen zu erwarten.

Doch warum macht die Telekom diesen Aufwand und riskiert, dass Kunden, die von der Telekom eine Kündigung bekomen, abwandern? Die Anwort: Aus Sicht der Telekom ist das Festnetz veraltet. "In unserem Netz läuft schon heute fast alles IP-basiert", erklärt Dr. Ingo Hofacker, Leiter Consumer-Marketing bei der Deutschen Telekom. "Der einzige Dienst, den wir bis heute noch nicht vollständig IP-basiert realisieren, ist die Telefonie." Dabei ist schon vor Jahren auch die Telefonie im Transportnetz der Telekom auf IP umgestellt worden, ohne dass der Kunde etwas davon gemerkt hat. Für die Telekom bedeutet die Einstellung also auch ganz eindeutig eine Einsparung.

Keine Chance für dauerhaften Fortbestand alter Technik

Weiterbetreiben ließe sich das bisherige Festnetz aber auf Dauer nicht, so die Telekom. "Wir stellen durch unsere Migration langfristige Zukunftssicherheit für unser Netz sicher. Zwar werden wir heute und auch in zwei Jahren für die heute im alten Festnetz verbauten Geräte noch Ersatzteile bekommen, doch die Anzahl der Geräte nimmt weltweit ab und somit auch die Möglichkeit, Ersatzteile zu bekommen", erläutert Hofacker.

Zudem ließen sich auf der neuen Plattform neue Dienste einfacher und günstiger realisieren. So bekomme der Kunde auf der IP-Plattform automatisch zwei Leitungen und mehrere Rufnummern - das war bisher nur mit Aufpreis bei ISDN möglich. Die Telefonie kann zudem auch - vorausgesetzt alle beteiligten Endgeräte unterstützen das - in HD-Qualität geführt werden. Schlechter werde die Qualität der Telefonie jedoch auf keinen Fall.

Alle Informationen zur All-IP-Umstellung der Telekom und somit auch zu den Kündigungen fassen wir auf einer eigenen Seite zusammen, auf der laufend weitere Meldungen erscheinen.

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