Spezialdienste

Telekom will kostenpflichtige Überholspur anbieten

Stichwort kostenpflichtige Spezialdienste: Telekom-Chef Tim Höttges will Startups die Überholspur im Internet gegen eine Umsatzbeteiligung anbieten.
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Telekom-Chef Tim Höttges will kostenpflichtige Überholspur im Internet anbietenTelekom-Chef Tim Höttges will die kostenpflichtige Überholspur im Internet anbieten Wie berichtet hat das Europaparlament am Dienstag einige wichtige Entscheidungen im Bereich Telekommunikation getroffen. Wir hatten uns bisher vor allem mit den Änderungen beim mobilen Telefonieren im EU-Ausland beschäftigt. Es gibt aber auch einen neuen Stand in Sachen Netzneutralität: Im Prinzip soll sich niemand in der EU eine Vorfahrt im Internet erkaufen dürfen.

Allerdings wurde dieser Beschluss EU-typisch inkonsequent umgesetzt, denn die Verordnung erlaubt, dass bestimmte "Spezialdienste" im Netz bevorzugt werden dürfen. Internet-Aktivisten, Internet-Startups wie Automatic (WordPress.com), BitTorrent, Etsy, Kickstarter, Netflix, Reddit, Soundcloud, Tumblr oder Vimeo, Tech-Investoren und Wirtschaftsverbände hatten gegen diese Aufweichung der angeblich hochgehaltenen Netzneutralität bereits im Vorfeld protestiert - aber weitgehend vergeblich.

Die kostenpflichtige Überholspur

Die Deutsche Telekom hingehen hat erstaunlich schnell auf die beschlossene Aufweichung der Netzneutralität reagiert: Bereits am Mittwoch schlug Telekom-Chef Tim Höttges in einem Blog-Eintrag vor, Internet-Startups und andere Unternehmen mit einem Bedarf für hohe Netz-Bandbreiten - etwa die Anbieter von Video-Streaming-Diensten, Gaming, Telemedizin oder Videokonferenzen - entsprechende kostenpflichtige "Spezialdienste" anzubieten. Damit solle umgekehrt natürlich auch garantiert werden, dass diese Dienste auch höheren Qualitätsansprüchen genügen, denn diese "wichtigeren Daten" müssten dann eben nicht im Datenstau stehen, sondern würden Vorfahrt bekommen.

Und wer sie tatsächlich braucht

Um den Gegnern derartiger Spezialdienste gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen, weil sich kleine Internet-Startups sich diese gar nicht leisten könnten, betonte Höttges, dass gerade Startups Spezialdienste bräuchten, um mit den großen Internetanbietern überhaupt mithalten zu können. Google und Co. könnten sich weltweite Serverparks leisten, damit die Inhalte näher zu den Kunden bringen und die Qualität ihrer Dienste zu verbessern. Das können sich die Kleinen gar nicht leisten - und deshalb seien gerade sie auf Spezialdienste angewiesen. Bezahlen könnten sie nach den Vorstellungen von Höttges im Rahmen einer Umsatzbeteiligung von einigen Prozent. Das wäre zum einen ein fairer Beitrag für die Nutzung der Infrastruktur und zum anderen sorge das für mehr Wettbewerb im Netz.

Höttges bewertete den ausgehandelten Vorschlag von EU-Kommission, Rat und Parlamentsvertretern als durchaus ausgewogenen Kompromiss. Zwar gebe es gegen den Wunsch der Telekom Regeln zur Netzneutralität und damit mehr Regulierung. Gleichzeitig sei es aber weiterhin möglich, innovative Internetdienste zu entwickeln, die höhere Qualitätsansprüche haben - eben die so genannten Spezialdienste. Allerdings ist noch gar nicht klar, was am Ende als Spezialdienst durchgehen wird und was nicht - in der beschlossenen Verordnung steht dazu nichts Konkretes. Hier kommt noch einiges auf die europäischen Regulierungsbehörden zu.

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