Rückkehr

Telekom steht vor dem Wiedereinstieg ins Kabelgeschäft

Bezahlsender Sky greift künftig auch auf die Infrastruktur der Telekom zurück
Von mit Material von dpa
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Telekom steht vor dem Wiedereinstieg ins KabelgeschäftTelekom und Sky kooperieren im Kabelgeschäft Die Telekom möchte künftig wieder ins Kabelgeschäft einsteigen und hat dafür kürzlich einen Vertrag mit dem Pay-TV-Sender Sky Deutschland über die Einspeisung der Sky-Angebote via Telekom-Infrastruktur in die Kabelnetze abgeschlossen. Dabei schließt die Telekom aber keine direkten Verträge mit den Endkunden ab. Vielmehr liefert das Bonner Unternehmen das TV-Signal mit den rund 24 Kabelprogrammen am Übergabepunkt der so genannten Netzebene 4 ab. Dieser beginnt in der Regel mit der Hausverkabelung, wodurch das Signal dann in die Verteilanlagen eingespeist und an die Haushalte verteilt werden kann. Somit sollen durch das Angebot vor allem die Wohnungsgesellschaften und Stadtnetzbetreiber angesprochen werden, die die Haushalte bei Bedarf mit dem Netz verbinden können.

Der Chef von Sky Deutschland, Brian Sullivan, verspricht sich von der Kooperation mit der Telekom einen neuen Kundenschub. Am Ende des vierten Quartals 2010 hatte der Sender 2,6 Millionen Kunden - braucht aber dringend mehr Abonnenten, um in die schwarzen Zahlen zu kommen.

Wiedereinstieg nach rund zehn Jahren

Die Telekom hatte sich vor rund zehn Jahren aus dem Kabelgeschäft zurückgezogen. Der Grund für den Verkauf ihrer Regionalnetze war eine Monopolstellung in zwei Netzen sowie der geplante Schuldenabbau. Für mehrere Milliarden Euro gingen die Kabelnetze schließlich an Kabel Deutschland, Kabel Baden-Württemberg (Kabel BW) und Unitymedia (früher Kabel NRW). Die neuen Eigentümer rüsteten die maroden Netze massiv zu Hochgeschwindigkeits-Datenautobahnen auf. "Mit 128 Megabit pro Sekunde erreichen wir eine Spitzenposition", sagt Johannes Fuxjäger von Unitymedia. Die Telekom kommt mit ihrem schnellen VDSL-Netz auf 50 Megabit, arbeitet aber am Ausbau von Glasfaseranschlüssen.

Heute wird der Kabelmarkt von den damaligen Käufern beherrscht, die quasi über regionale Monopole verfügen. Konkurrenz finden die Kabel-Riesen lediglich durch zahlreiche kleinere regionale Netze und Betreiber.

Die technische Aufrüstung der Kabelnetze macht es nun möglich, nicht nur TV-Programme zu empfangen, sondern auch zu telefonieren und in hohen Bandbreiten im Internet zu surfen. Von den insgesamt rund 25 Millionen Breitband-Anschlüssen in Deutschland entfielen 2010 rund drei Millionen auf die Kabelnetzbetreiber. Unklar ist bisher noch, ob mit der Kooperation der Telekom und Sky auch die erneute Einspeisung der Sky-Sender beim IPTV-Angebot Entertain verbunden ist. Diese war aufgrund von vertraglichen Differenzen im Juli 2009 vollständig eingestellt worden.

Telekom: Einstieg ins Kabelgeschäft sei "kleines Geschäft"

Unterdessen geht der Streit zwischen der Telekom und den großen Kabelnetzbetreibern weiter. Die Telekom fordert eine Regulierung der Kabelnetze und greift damit vor allem die drei regionalen Monopolisten Kabel Deutschland, Kabel Baden-Württemberg und Unitymedia an. Mit dem Wiedereinstieg ins Kabelgeschäft setzt das Unternehmen daher ein klares Zeichen, wobei die Telekom ihre Aktivitäten vorläufig noch als "kleines Geschäft" bezeichnet. Es handele sich um ein klassisches Vorleistungsprodukt. Jetzt müssen erst einmal die Gesellschaften der Wohnungswirtschaft als Partner gewonnen werden. Diese hingen oft aber in festen Verträgen, die kurzfristig nicht einfach gekündigt werden können. Und ins Geschäft kommt die Telekom ohnehin nur, wenn sie es macht wie die Kabelnetzbetreiber: Mit günstigen Preisen die Konkurrenz ausstechen.

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