Hinterfragt

Drohende Telekom-DSL-Drossel: Reichen 75 GB pro Monat?

Hohes Datenvolumen durch Cloud-Storage, Internet-Radio und VoD
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Zuviel Traffic könnte bei der Telekom demnächst zu einer Drosselung führen.Zuviel Traffic könnte bei der Telekom demnächst zu einer Drosselung führen. Bei den DSL-Anschlüssen der Deutschen Telekom steht möglicherweise die Einführung einer Datendrosselung an. Schon heute hält sich die Telekom durch ihre AGB offen, eine solche Drosselung bei VDSL- und Glasfaser-Anschlüssen vorzunehmen. Nur durch die Buchung von Entertain lässt sich das heute umgehen. Gerüchten zufolge sollen künftig aber auch Entertain-Anschlüsse und normale DSL-Anschlüsse mit bis zu 16 MBit/s gedrosselt werden. Was lässt sich dann noch mit einem 16-MBit/s-Anschluss machen? Wir haben einige Dienste gecheckt.

Die Telekom bestätigt derzeit nur, dass es Überlegungen zu diesen Obergrenzen gibt. Unbestätigten Gerüchten zufolge könnte aber bei konventionellen DSL-Anschlüssen bei einem Neuabschluss oder einer Tarifverlängerung eine Datendrossel bei 75 GB pro Monat eingezogen werden. Vielen Kunden wird diese Obergrenze reichen, da sie ihren Internetanschluss zum gelegentlichen Videoschauen, E-Mails Checken und Surfen nutzen. Dann kommt ein Internetnutzer mit 75 GB lange aus. Doch in einer digitalen Welt finden mittlerweile viele Dienste nur noch im Internet statt. Diese Dienste würde die Telekom dann vermutlich beschneiden.

Telekom-Tochter vermarktet 100-GB-Onlinespeicher für 1 Euro

Betreffen könnte das sehr schnell auch hauseigene Dienste wie die Telekom Cloud oder HiDrive von Strato, einer Tocher der Telekom. Strato bietet aktuell noch 100 GB Onlinespeicher für 1 Euro für das erste Vertragsjahr an. Diese 100 GB zu füllen ist zwar auch mit dem Einsenden einer Festplatte möglich, doch die meisten Kunden werden bei der Buchung ihren Datenbestand per Internet im Strato-Rechenzentrum sichern. Mit einer Drossel bei 75 GB pro Monat wäre das selbstredend nicht binnen eines Monats möglich bzw. würde ab Greifen der Drossel nicht sinnvoll sein. Auch wäre es umgekehrt nicht möglich, die kompletten Daten aus der Cloud zu sichern, wenn man den Anbieter wechseln möchte und sie nicht ein weiteres Mal lokal liegen hat.

Zugegeben: Nicht jeder sichert seinen Datenbestand komplett in der Cloud. Doch es gibt auch andere Beispiele: Mehrere 10 000 Radiosender lassen sich per Internet anhören. Dafür gibt es inzwischen zahlreiche Endgeräte, so dass sich der Sender aus der Karibik, den USA oder einfach aus der Heimat auch über die Stereoanlage hören lässt. Durchschnittlich werden für diesen Stream Datenraten von 128 kBit/s verwendet. Pro Minute kommen so etwa 500 kB Datenvolumen zustande. Das klingt zunächst wenig. Überlegt man sich jedoch, dass die durchschnittliche Radionutzung in Deutschland bei über drei Stunden pro Tag liegt, so entstehen alleine dadurch 90 MB pro Tag bzw. 2,7 GB im Monat. Ließe man den Stream komplett durchlaufen, würden übrigens etwa 21 GB Datentraffic entstehen, bei mehreren Radios im Haushalt entsprechend mehr.

Streaming-Dienste würden unter Datendrossel zu leiden haben

Zu leiden unter einer solchen Datendrossel hätten zahlreiche Videodienste im Internet. So beruht das Geschäftsmodell von Onlinevideotheken wie Maxdome darauf, dass der Nutzer per Breitbandanschluss die Filme auf seinem PC sehen kann. Durch entsprechende Set-Top-Boxen ist auch ein Ansehen auf dem Fernseher möglich. Durch einen Spielfilm in höchster Qualität - die wäre mit einem 16-MBit/s-Anschluss nutzbar - entstehen laut maxdome 4,5 GB Datenvolumen. Stammkunden, die eine Flatrate buchen, um online Filme zu sehen, würden Maxdome und zahlreiche andere Dienste wohl verlieren.

Und auch Google würde weniger Zugriffe verzeichnen - nicht mit der Suche oder GMail, sondern bei YouTube, wo für ein HD-Video schnell mehrere Gigabyte Traffic übertragen werden. Auch Sky, ab Sommer wieder Kooperationspartner der Telekom, dürfte die Auswirkungen zu spüren bekommen: Bei Sky Go entsteht - als zweiter Fernseher eingesetzt - hohe Datenvolumina. Die Attraktivität einer solchen Ergänzung des linearen Angebotes dürfte sinken.

Kinder produzieren nicht zu kontrollierenden Traffic

Schwer zu managen wäre ein gedrosselter DSL-Anschluss auch für Familien. Es ließe sich kaum verhindern, dass die Kinder in der Familie weiterhin ihr Smartphone innerhalb der Wohnung intensiv nutzen - mal ganz abgesehen vom möglicherweise im "Kinderzimmer" stehenden eigenen Laptop. Idealerweise haben die Eltern ihren Sprösslingen bereits beigebracht, was legal und illegal im Netz gemacht werden darf - der Filesharing-Traffic fällt also nicht an. Doch die Nutzung von Videoportalen ließe sich kaum verhindern.

Immer mehr Geräte im Haushalt online. Gerade in vernetzen Haushalten findet sich nicht nur die NAS, die im Zweifel ihre Daten mit einem Coud-Speicher synchronisiert, sondern auch Smart-TV, Online-Radio, Streaming-Box und diverse Smart-Devices. Sie alle erzeugen nicht nur Traffic bei der Nutzung, sondern wollen auch regelmäßig Updates haben - von Updates für die Betriebssysteme der Rechner mal abgesehen.

Fazit: 75 GB reicht zum Surfen, aber nicht für die Gigabit-Gesellschaft

Die Telekom propagandierte lange Zeit den Weg in die Gigabit-Gesellschaft. Dazu gehört auch eine Vollvernetzung und eine entsprechende Datenübertragung verschiedener Endgeräte. Der Trend: Immer mehr Daten liegen nicht mehr lokal, sondern im Internet. Die Konsequenz daraus: Der Datentraffic steigt. Auch die Telekom selbst befeuert diesen Trend mit ihren Cloud-Speichern, dem eigenen Videoload-Angebot und einigem mehr. Wer diese nutzt, kommt wahrscheinlich auch bei einem normalen DSL-Anschluss nicht mit 75 GB im Monat aus. Wer mit einem 16-MBit/s-Anschluss mit voller Datenrate einen Download ausführt, hat dieses Freivolumen in etwas mehr als zehn Stunden aufgebraucht.

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