Rechtfertigung

Telekom verteidigt DSL-Drosselung bei hohem Datenvolumen

Sprecher: "Lieschen Müller subventioniert bisher den 'Heavy User'"
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Die Deutsche Telekom wehrt sich gegen Kritik an den geplanten Daten-Obergrenzen im Festnetz. "Wir finden das eine fairere Lösung", sagte Telekom-Sprecher Philipp Blank heute im Deutschlandfunk. "Fakt bei uns ist: Drei Prozent der Kunden verursachen mehr als 30 Prozent des Datenvolumens. Das bedeutet für die Kunden, Lieschen Müller subventioniert bisher den 'Heavy User'." Blank verwies zur Begründung auch auf anstehende Milliarden-Investitionen in Breitbandnetze. Die Netzneutralität sei dadurch nicht gefährdet.

Die Telekom hatte am Montag Obergrenzen für den monatlichen Datenverkehr bei Festnetz-Flatrates angekündigt - wird diese überschritten, kann der Konzern die Geschwindigkeit drosseln. Die Tempo-Bremse wird zwar ab 2. Mai in alle Leistungsbeschreibungen aufgenommen, soll nach derzeitigen Planungen aber erst 2016 greifen. Die Pläne der Telekom waren bei vielen Kunden, Verbraucherschützern und Netz-Aktivisten scharf kritisiert worden.

Telekom will "Medienaufregung" einige Tage lang aushalten

Telekom verteidigt DSL-Drosselung bei hohem DatenvolumenTelekom verteidigt DSL-Drosselung bei hohem Datenvolumen Für eine "richtige Entscheidung" müsse man die "Medienaufregung" einige Tage lang aushalten, äußerte Blank gegenüber dem Sender. Grundsätzlich würde die Telekom für "ein freies und offenes Internet" stehen. Interessant ist, wie der Konzern den Begriff "Netzneutralität" definiert - diese müsse nämlich nicht zwingend kostenlos sein.

Die Pläne stoßen mittlerweile nicht nur unter den Kunden auf Kritik - auch die Bundesregierung hat sich inzwischen eingeschaltet. Vor zwei Tagen hat sich Wirtschaftsminister Rösler in einem Brief an Telekom-Chef René Obermann über die Telekom-DSL-Drossel besorgt gezeigt und vor möglichen Einschränkungen für Flatrate-Kunden gewarnt.

Mittlerweile haben auch regionale Anbieter wie htp mitgeteilt, keine Datendrosselung bei ihren Kunden vornehmen zu wollen. "Wer bei htp einen DSL-Vertrag mit einer Flatrate abschließt, surft unbegrenzt ohne Volumenbeschränkung oder Datendrosselung", teilt der Provider aus Hannover mit. "Für uns steht der Kundennutzen an erster Stelle", sagt htp-Geschäftsführer Thomas Heitmann. "Deshalb werden wir das Surfverhalten unserer Kunden nicht durch Datendrosselung oder Volumenbeschränkung unserer DSL-Flatrates reglementieren."

M-Net nimmt nach eigenen Angaben bisher keine Drosselung der verfügbaren DSL-Bandbreite nach Überschreiten einer definierten Volumengrenze vor und hat zum aktuellen Zeitpunkt "diesbezüglich auch nichts weiter geplant". Die Glasfasernetze des Providers würden "über solch umfangreiche Kapazitäten" verfügen, dass eine Drosselung nicht erforderlich sei. Dies gelte gleichermaßen für den Down- als auch den Upstream, auch pro Teilnehmer.

Allerdings konstatiert M-Net, dass die "Verkehrsmengen der großen Content-Anbieter dafür verantwortlich" seien, dass die Netze immer stärker ausgelastet sind. M-Net habe diese Entwicklung "schon frühzeitig erkannt und entsprechend vorausschauend gehandelt".

Eric Schmidt warnt vor einem Auseinanderbrechen des Internet

Der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt warnt vor einem Auseinanderbrechen des Internet in regional getrennte und staatlich kontrollierte Netzwerke. Jedes Land werde versuchen, das Internet zu regulieren, schreibt Schmidt in seinem Buch "The New Digital Age" (deutsch: "Das neue digitale Zeitalter"). "Vielleicht wird die wichtigste Frage in zehn Jahren nicht mehr sein, ob eine Gesellschaft das Internet nutzt, sondern welche Version davon."

Es drohe eine "Balkanisierung" mit einzelnen Netzen, in denen jeweils bestimmte Inhalte nicht zugelassen seien, mahnt Schmidt. Staaten würden ihre Kontrolle über die Internet-Infrastruktur ausnutzen, um Inhalte zu filtern. Das finde bereits statt, von der aggressiven Blockade einer Vielzahl an Themen wie in China zur sozial akzeptierten Sperrung von Neonazi-Inhalten oder Kinderpornografie.

Schmidt war bis April 2011 Chef von Google und führt seitdem den Verwaltungsrat des Internetriesen. Er reiste in den vergangenen Monaten etwa nach Nordkorea, um für eine Anbindung des abgeschotteten Landes an das weltweite Datennetz zu werben. Das Buch schrieb er gemeinsam mit Jared Cohen, einem ehemaligen Mitarbeiter des US-Außenministeriums, der jetzt bei Google arbeitet.

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