DSL-Kündigungen

Telekom: Zwangskündigungen bei DSL erst ab 2017 zu erwarten

Kunden der Telekom, die einen echten Festnetzanschluss zusammen mit DSL haben, müssen vor 2017 nicht mit einer Kündigung rechnen. Doch die Telekom will mittelfristig auch diese Anschlüsse auf All-IP umstellen. Das heißt: Wer nicht selbst umstellt, wird eines Tages von der Telekom die Kündigung bekommen.
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Schonfrist für DSL-Nutzer: Vor 2017 will die Telekom nur in Ausnahmen Kündigungen aussprechenSchonfrist für DSL-Nutzer: Vor 2017 will die Telekom nur in Ausnahmen Kündigungen aussprechen Die Deutsche Telekom will das klassische Festnetz abschalten. Das kommuniziert sie seit mehreren Jahren beharrlich und inzwischen gibt es nach dem ersten - inzwischen verworfenen - Datum 2016 das Ziel, bis 2018 die alten analogen Anschlüsse und ISDN abzuschalten und die Telefonie komplett auf IP-Basis zu realisieren. VDSL-Kunden in Städten der ersten Ausbaustufe des VDSL-Netzes hatte die Telekom zum Teil bereits gekündigt und sie so zum Verzicht auf ihren echten Festnetzanschluss gezwungen. Und es wird auch in den kommenden Monaten weitere Kündigungswellen für VDSL-Kunden geben. Bei ADSL-Kunden wird dieser Schritt jedoch noch ein wenig dauern. "Vor 2017 werden wir - bis auf einige wenige Ausnahmen - nicht zu Kündigungen greifen müssen", sagte Dr. Ingo Hofacker, Leiter Consumer-Marketing bei der Deutschen Telekom, im Gespräch mit teltarif.de. Dennoch: Der echte Festnetzanschluss kann schnell weg sein, wenn der Kunde etwas an seinem Anschluss ändert.

Zwar hat die Telekom aktuell schon 4 Millionen Kunden auf IP-Basis und täglich kämen 10 000 neue Kunden auf der IP-Plattform hinzu. Dennoch ist bis zum Jahr 2018 angesichts eines Festnetz-Kundenstamms von etwa 21 Millionen Kunden noch eine Menge Arbeit zu erledigen - zumal viele Kunden an ihrem ISDN- oder Analog-Anschluss hängen und nicht zuletzt durch die Störungen vom Sommer der neuen Technologie skeptisch gegenüber stehen.

40 000 Vertriebsmitarbeiter versuchen, Kunden frühzeitig auf All-IP umzustellen

"Wir können und wollen diese Welle von 15 Millionen Kunden nicht vor uns herschieben bis in die Jahre 2017 und 2018", so Hofacker. "Deswegen bieten wir Kunden, die Änderungen an ihrem Anschluss vornehmen, schon seit fast drei Jahren All-IP-Anschlüsse an." Für den Kunden bringe das auch Vorteile. So koste die zweite Leitung keinen Aufpreis mehr wie bei ISDN, HD-Telefonie sei möglich, es gebe unter Umständen einen neuen Router und der Upstream sei bei normalen DSL-Anschlüssen nun mit bis zu 2,4 MBit/s mehr als doppelt so hoch wie beim alten DSL mit Telefonanschluss.

Leider gehen die Vertriebsmitarbeiter der Telekom bei der Umstellung der Kunden nicht immer ganz sauber vor. So liegt unserer Redaktion beispielsweise ein Fall vor, wo ein Kunde eine Störung mit seinem analogen Anschluss meldete und man ihm angeblich nur helfen konnte, indem man ihn auf All IP umstellt. "Solche Fälle sind ärgerlich", so Hofacker. "Wir wollen den Kunden nichts Falsches erzählen und solche Fälle sind nicht im Interesse der Telekom. Wenn wir Kenntnis von solchen Fällen bekommen, kann das durchaus auch Konsequenzen für unsere Mitarbeiter oder Geschäftspartner haben, die hier wissentlich etwas Falsches erzählen." Insgesamt seien 40 000 Vertriebsmitarbeiter für die Telekom unterwegs.

Bald keine echten Festnetz-Neuanschlüsse mehr

Es sei aber - und das unterstrich Hofacker noch einmal - definitiv so, dass jeder Kunde früher oder später umstellen müsse. Die All-IP-Verweigerer müssen sich demnach spätestens 2017 oder 2018 mit dem Thema auseinandersetzen, andere Kunden versucht die Telekom schon vorher bei Umstellungen auf die neue Plattform umzustellen. Neuanschlüsse mit ISDN oder Analoganschluss soll es schon jetzt nur noch in wenigen begründeten Ausnahmefällen geben. Die Online-Buchungsplattform der Telekom sieht das schon seit längerem nicht mehr vor. Und Entertain, das IPTV-Angebot der Telekom, gibt es schon seit langem nicht mehr mit einem echten Festnetzanschluss, sondern nur noch auf IP-basis. Und schon vor 2017 könnte es Kündigungen in speziellen Ausbaugebieten geben, etwa dort, wo die Telekom in den 1990ern mit Glasfasernetzen (Hytas, Opal) experimentiert hat.

Übrigens: Für Kunden, die einen alleinstehenden Telefonanschluss haben, wird es von der Telekom auch eine Lösung geben. Hier will die Telekom in den Vermittlungsstellen spezielle Karten nutzen, die das Telefonsignal dort umwandeln. So können auch Kunden ohne Breitbandanschluss weiter ihren Telefonanschluss behalten. Und die Telekom - das ist die andere Seite der Medaille - muss nicht jeden Haushalt technisch mit DSL versorgen. Mehr zu dieser Lösung hatten wir bereits im Frühjahr in einer Meldung zusammengefasst. VDSL Vectoring - also VDSL mit bis zu 100 MBit/s - wird es unterdessen in Großstädten erst ab 2016 geben. Auch das sagte Ingo Hofacker in einem Gespräch mit teltarif.de.

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