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Hintergrund: Die Strahlenbelastung bei Dual-SIM-Handys

Zwei SIM-Karten gleich doppelte Strahlung?
Von Jan Sommerfeld
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Nicht jeder Handy-Nutzer hält Mobilfunk-Strahlung für ungefährlich. Dass Handy-Strahlen aber gesundheitsschädlich sind, ist zwar bislang nicht wissenschaftlich bewiesen worden, dennoch stellt neben Kaufpreis und Funktionen der jeweiligen SAR-Wert für manchen Handy-Käufer ein wichtiges Auswahlkritierum dar. Der SAR-Wert dient als Richtwert für die Strahlenbelastung beim mobilen Telefonieren per Handy: Je niedriger er ausfällt, desto geringer ist die Absorption elektromagnetischer Feldenergie und somit die Erwärmung des Gewebes in der Nähe des Handys. Immer wieder fragen uns Leser auch, ob man beim Telefonieren per Dual-SIM-Handy, das zwei Mobilfunkanschlüsse in einem Gerät bereitstellt, einer höheren Strahlenbelastung ausgesetzt ist als bei Nutzung eines herkömmlichen 1-SIM-Handys. Wir klären auf.

Datenbank des Bundesamts für Strahlenschutz

Die jeweiligen SAR-Werte für nahezu alle handelsüblichen Handy-Modelle können Interessenten in einer Datenbank des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) nachschauen. Diesen Angaben zufolge bewegen die SAR-Werte bei den bis heute verkauften Handys zwischen 0,10 Watt je Kilogramm (W/kg) und 1,94 W/kg bei maximaler Sendeleistung. Im Normalbetrieb liegen die SAR-Werte deutlich darunter. Als Orientierung: Mit einem maximalen SAR-Wert von weniger als 0,6 W/kg könnte ein Handy theoretisch mit dem Umweltzeichen "Blauer Engel" ausgezeichnet werden, wenn auch weitere Kriterien erfüllt werden.

Dual-SIM-Handys bieten nicht nur Platz für zwei SIM-Karten, sondern weisen auch zwei Sende- und Empfangseinheiten auf. Manch ein potenzieller Dual-SIM-Handy-Käufer fragt sich daher offenbar, ob ein solches Mobiltelefon bei der Nutzung stärker strahle als ein herkömmliches Handy. Die Datenbank des Bundesamts für Strahlenschutz gibt kaum Aufschluss darüber, da dort nur wenige von den hierzulande erhältlichen Dual-SIM-Handys gelistet sind.

SAR-Werte ausgewählter Dual-SIM-Handys

Von ausgewählten Dual-SIM-Handys, die in deutschen Läden verkauft werden, würde das ohne Mobilfunkvertrag ab 430 Euro teure Dual-SIM-Handy Acer DX900 mit Windows-Mobile-Betriebssystem und UMTS-Unterstützung nicht für den "Blauen Engel" geeignet sein. Der maximale SAR-Wert des Acer DX900 beträgt mit 0,831 W/kg mehr als die erforderlichen 0,6 W/kg. Damit liegt der Strahlenwert aber noch deutlich im erlaubten Rahmen. Etwas geringer mit 0,793 W/kg fällt der SAR-Wert des Dual-SIM-Handys LG KS660 mit Touchscreen aus, das zudem gut ein Drittel weniger als das Acer DX900 kostet.

Trotz der zwei SIM-Karten im parallelen Betrieb sind die Absorptionsraten beider Geräte nicht erheblich höher als zum Beispiel beim aktuellen iPhone 3G S, das mit bis zu 0,62 W/kg strahlt. Gleichauf mit dem beliebten Handy von Apple liegt das Samsung C5212 mit einem SAR-Wert von 0,621 W/kg. Ab 108 Euro ist dieses Dual-SIM-Handy auf dem freien Markt erhältlich.

Strahlenwerte von Dual-SIM-Handys SAR-Wert Kaufpreis
Acer DX900 0,831 W/kg ab 430,00 Euro
LG KS660 0,793 W/kg ab 258,00 Euro
Samsung C5212 0,621 W/kg ab 108,00 Euro
Simvalley SX-330 0,605 W/kg ab 59,00 Euro
Simvalley SX-320 0,554 W/kg ab 100,00 Euro
Samsung D880 0,219 W/kg ab 173,00 Euro
Kaufpreise für Dual-SIM-Handys ohne Mobilfunkvertrag. Stand: Dezember 2009.

Handy-Strahlung bei Dual-SIM-Handys kaum höher

Die SAR-Werte von Dual-SIM-Handys seien nicht höher als bei herkömmlichen Mobiltelefonen, weil sie weder gleichzeitig über beide SIM-Karten eine reguläre Verbindung herstellten noch eine höhere Leistung abstrahlten, so der Experte für Elektrotechnik Prof. Dr. Markus Clemens von der Bergischen Universität Wuppertal. Echte Dual-SIM-Handys verfügten neben den beiden Subscriber Identity Modules auch über getrennte Sende- und Empfangsteile, die oftmals eine gemeinsame Multiband-Antenne nutzen. "Von beiden Sende- und Empfangsteilen ist aber immer nur eines im Vollmodus aktiv, beispielsweise bei einem Telefongespräch, während die zweite Karte lediglich die Netzqualität ihrer Verbindung zur nächsten Basisstation kontrolliert und gegebenenfalls eingehende Rufe ankündigt. Dazu werden in relativ großen Zeitabständen ebenfalls Kontrollbits (sogenannte HF-Bursts) ausgesendet, deren mittlere Sendeleistung im Vergleich zur aktiven Verbindung aber vernachlässigbar gering ist", erklärt der Experte.

Somit gilt auch hier, dass vor allem die Bauweise des Geräts, besonders die Platzierung und Beschaffenheit der Antenne, einen Einfluss auf die Strahlungsbelastung durch das Handy hat. Dennoch rät das Bundesamt für Strahlenschutz zu einem vorbeugenden Gesundheitsschutz, beispielsweise durch das Ausweichen auf Festnetztelefone oder möglichst kurz geführte Mobiltelefonate, den Verzicht von Mobiltelefonaten bei schlechtem Empfang und den Kauf von Handys mit geringen SAR-Werten.

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